Ein Jahr Drivy: So kommt das private Autoteilen an

Seit knapp einem Jahr kann man sein eigenes Auto auf der Autoteil-Plattform drivy.at stunden- oder tageweise vermieten oder mieten. Drivy-Österreich-Geschäftsführer Nils Roßmeisl sprach mit trend.at darüber wie das Konzept ankommt, in welchem Zustand die Autos zurückgegeben werden, welche Menschen bereit sind ihr Auto zu teilen, warum die Stadt Wien einer einfachere technische Lösungen für das Vermieten von Privatautos bisher nicht zugestimmt hat und welche neuen Zukunftsszenarien für das Autoteilen bereits von den Herstellern durchgespielt werden.

Ein Jahr Drivy: So kommt das private Autoteilen an

Die Stadt Wien blockiert das Öffnen von Autos zur privaten Vermietung per Smartphone-Lösung.

Seit Juni 2016 kann man über ihre Online-Plattform drivy.at privat sein Auto vermieten oder es mieten. Wie kommt das Konzept in Österreich an?
Roßmeisl: Gerade in größeren Städten reagieren die Österreicher positiv auf derartige Innovationen. Vier von zehn Wienern haben gar kein eigenes Auto mehr. Zwei Drittel der Wiener haben für öffentliche Verkehrsmittel eine Monatskarte. In keiner anderen Stadt in Europa ist der Anteil so hoch. Das hat auch mit der Einstellung zur nachhaltigen Nutzung von Ressourcen zu tun. Die Bereitschaft bei Bedarf ein Auto privat, vergleichsweise kostengünstig zu leihen, ist schon alleine deshalb hoch. Und aus unserer Beobachtung heraus, ist Österreich das Land in dem der grüne Gedanke in Europa am stärksten verbreitet ist. Damit einher geht auch die Einstellung, dass die Ressource Auto so schonend und ökologisch verträglich wie möglich eingesetzt wird. Statt alles zu besitzen, ist es gerade beim Auto sinnvoll es nur nutzen statt zu besitzen.

Wie schlägt sich das in Zahlen gemessen bei Drivy nieder?
Roßmeisl: Wir haben in Wien etwa 250 Autobesitzer, die ihr Auto derzeit aktiv an andere vermieten. In Graz sind es rund 100 und in Innsbruck ähnlich viele. Dazu kommen noch kleinere Städte. Die Nachfrage steigt. Alleine im Vergleich zum Vormonat hat sich die Zahl der Vermietungen in Wien verdoppelt.

Worauf führen Sie die steigende Nachfrage zurück?
Roßmeisl: Die Menschen auf beiden Seiten gewinnen zunehmend Vertrauen in das Konzept.
Von Carsharing-Anbietern hört man immer wieder, dass die Kunden das Auto vor allem innen mitunter stark verschmutzt zurücklassen. Wie sind die Erfahrungen der privaten Autovermieter?
Roßmeisl: Diese Erfahrung haben unsere Vermieter bisher nicht gemacht. Im Gegenteil, wenn man weiß, dass das Auto keinem Unternehmen gehört, sondern einem privaten Besitzer, passen viele sogar besser darauf auf, als auf das eigene, berichten uns Vermieter. Darüber hinaus schützen wir unsere Autobesitzer. Sollte ein Auto verschmutzt zurückgegeben werden, zahlt der Mieter die Reinigung.

Vermieter und Mieter sehen sich zudem, im Gegensatz zum Carsharing, sowohl bei der Übergabe des Autos und bei der Rücknahme. In anderen Ländern, in denen sie aktiv sind, reicht allerdings ein Smartphone, mit dem das Auto geöffnet und geschlossen werden kann. Hatten Sie das nicht bereits im Vorjahr für den österreichischen Markt angekündigt?
Roßmeisl:Wir wollen zwar auch unseren Nutzern in Österreich dieses sogenannte Drivy Open zur Verfügung stellen. Für uns ist es allerdings wichtiger, in jedem Land an die lokalen Regularien zu halten. In Österreich sieht die Gesetzgebung vor, dass ein Auto, das mit der entsprechenden Technik dafür ausgestattet ist, anderen Auflagen unterliegt. Deshalb sind wir in engem Austausch mit der Stadt Wien und arbeiten an einer Lösung. Im Moment sind wir optimistisch. Mehr darf ich zum aktuellen Zeitpunkt leider nicht sagen.

Verstehen Sie, dass die Stadt das Öffnen privater Autos mit Smartphones für die Vermietung blockiert?
Roßmeisl:Wir wollen zwar auch unseren Nutzern in Österreich Drivy Open zur Verfügung stellen. Für uns ist es allerdings wichtig, in jedem Land die lokalen Regularien einzuhalten. In Österreich sieht die Gesetzgebung vor, dass ein Auto, das mit dieser Technik ausgestattet ist, anderen Auflagen unterliegt. Deshalb sind wir in engem Austausch mit der Stadt Wien und arbeiten an einer Lösung. Im Moment sind wir optimistisch. Mehr darf ich zum aktuellen Zeitpunkt leider nicht sagen.

Wie ist die aktuelle gesetzliche Lage? Ab wann muss man auch als privater Autovermieter ein Gewerbe anmelden?
Roßmeisl: Wer nur gelegentlich sein Auto vermietet, muss kein Gewerbe anmelden. Autobesitzer, die ab und zu ihr Auto über Drivy vermieten, sind von dieser Regelung daher nicht betroffen. Aber es wichtig zu definieren, ab wann ein Auto regelmäßig vermietet wird.

Die Autovermieter können bei Ihrem Portal den Preis für ihr Auto selbst festlegen. Wie gut funktioniert das in der Praxis?

Roßmeisl:Es gibt mitunter stärkere Preisunterschiede. Wenn ein Vermieter für sein sieben Jahre altes Auto gleich viel verlangt, wie einer für sein drei Jahre altes, wird derjenige mit dem älteren Auto eben auch weniger Vermietungen haben. Unser Ziel ist, dass jeder Autobesitzer Drivy so nutzen kann, wie er möchte, aber gleichzeitig soll er auch Anfragen bekommen. Wir sprechen daher mit Autobesitzern, die ihre Preise zu hoch ansetzen, um ihre Erfolgschancen zu erhöhen.
Wie wollen sie die Menschen dazu bringen, realistischere Preise zu verlangen?
Roßmeisl:Wir versuchen die Vermieter diesbezüglich zu beraten und geben gerne Tipps, auch was die Preisgestaltung betrifft.

Bei Europcar zahlt man beispielsweise derzeit für einen Kleinstwagen für einen Tag zwischen rund 70 und 80 Euro Miete. Die Modelle ihrer Anbieter sind vielfach schon mehrere Jahre alt. Was ist der durchschnittliche Preis, wenn man sich über drivy.at ein Auto für einen Tag leiht?

Roßmeisl:Der Durchschnittspreis für einen Tag liegt derzeit bei knapp 30 Euro. In diesem Preis sind allerdings auch schon alle Kilometer und die umfassende Versicherung enthalten. Bei Drivy gibt es keine versteckten Kosten. Die Autos sind im Schnitt etwa acht bis neun Jahre alt, was dem Durchschnittsauto in Österreich entspricht. Bei Drivy können jedoch von Neuwagen bis zum Oldtimer alles vermietet und versichert werden.

Erhält der Automieter für die Leistung eine Rechnung?
Roßmeisl:Wir wollen die Zahl der Autos im gleichen Tempo wie in der Vergangenheit steigern und uns auf das Anmietungsvolumen in den großen Städten Österreichs konzentrieren.


In anderen Ländern nutzen wir bereits erfolgreich Smartphone-Lösungen.

Gibt es neue Konzepte in der Sharing-Economy, die auch für Ihr Unternehmen interessant wäre?
Roßmeisl: Fast alle Autohersteller experimentieren mit Ready-to-Share-Konzepten. Auch diese nutzen Smartphone-basierte Lösungen. Diese sind jedoch bereits im Auto fix installiert. Es reicht daher ein Smartphone, um das Auto zu öffnen. Für uns ist das ein gutes Zeichen. Wenn selbst Großkonzerne wie Autohersteller in die Idee des privaten Carsharings investieren, zeigt uns das, dass auch wir auf der richtigen Spur sind. In anderen Ländern wie in Frankreich nutzen wir bereits Ready-to-Share-Lösungen, mittels denen Autos per Handy geöffnet werden können und so die Übergabe der Autos deutlich einfacher ist. Dazu werden Boxen im Auto installiert, die es Nutzern ermöglicht mit ihrem Smartphone das Auto zu öffnen und zu schließen. In Frankreich ist das Konzept erlaubt und wird von unseren Nutzern gerne in Anspruch genommen.

Gibt es noch andere neue Sharing-Konzepte?
Roßmeisl:Audi testet in Schweden ein Konzept, bei dem sich bis zu fünf Nutzer ein aktuelles Modell des Herstellers bis zu zwei Jahre teilen. Die Technik erfasst, wer wann das Auto fährt. Auch Smart startete vor kurzem einen Ready-to-Share-Dienst. Auf diese Weise können Personen mit geringerem Budget ein Auto mit hohen Standards fahren. Die Gruppe besteht meist aus Freunden, Kollegen oder Nachbarn. Audi kann aber auch dabei helfen, Personen zu matchen, die ähnliche Anforderungen haben. Auch wir als Plattform sind offen für solche und ähnliche Konzepte des Autoteilens.

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