Hohe Verluste: Corona legt die Schwächen der Autobranche offen

Die Corona-Krise könnte auch bei den Autoherstellern ein Gamechanger werden. Plötzlich machen jene, die bisher hohe Gewinne erwirtschaftet haben, mitunter hohe Verluste. Aber es gibt auch welche, die trotz Krise im ersten Halbjahr gute Gewinne eingefahren haben

Hohe Verluste: Corona legt die Schwächen der Autobranche offen

Telsa wird selbst bei den Gewinnen pro Auto immer mehr zum Konkurrenten deutscher Autohersteller

Corona legt die Stärken und Schwächen der Autohersteller schonungslos offen, wie die Bilanz des ersten Halbjahres zeigt. Manche konnten trotz der Krise solide oder gar hohe Gewinne pro Fahrzeug einfahren, andere wieder weisen hohe Verluste aus. „Die Verluste in der Corona-Krise deuten auf verborgene Schwäche der Autobauer hin und sind ein Indikator für den Anpassungsbedarf der betroffenen Unternehmen“, so Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR-Center Automotive Research, Duisburg.

Die Zukunft der Branche bleibt mit Schwierigkeiten behaftet. „Die Erholung von der Corona-Pandemie wird für die Automärkte in Europa, Nord- und Südamerika, Indien, Afrika ein sehr langsamer Prozess werden. Kapazitäten müssen abgebaut werden“, betont Dudenhöffer. Je größer die Verluste pro Fahrzeug, desto größer der Restrukturierungsbedarf.

Porsche und Tesla erzielen die mit Abstand höchsten Gewinne pro Fahrzeug im ersten Halbjahr 2020. Die Premiumhersteller BMW und Bentley zählen zu den großen Verlierern.

Audi und BMW mit deutlich höheren Verlusten als Mercedes
Sehr hoch ist der Verlust etwa bei BMW mit 1.135 Euro pro Fahrzeug im ersten Halbjahr, deutlich höher als etwa bei Mercedes (-599 Euro), Audi (-559 Euro) oder Volvo (-343 Euro) obwohl Mercedes und BMW mit 23 Prozent Absatzrückgang im ersten Halbjahr den gleichen Absatzrückgang hinnehmen mussten. Volvo hatte Einbußen von 21 Prozent in seinen Fahrzeug-Verkäufen. BMW mit traditionell guten Gewinnen hatte im zweiten Quartal hat jedoch seine historisch höchsten Verluste erlitten. BMW hat deshalb ein Sparprogramme aufgelegt und einen Mitarbeiterabbau angekündigt.

Hohe Verluste auch bei der Marke VW - Toyota dagegen mit Gewinnen
Ebenso überraschend der Verlust der Marke VW pro Fahrzeug (-313 Euro) und der Pkw-Sparte des VW-Konzerns (-415 Euro) etwa gegenüber dem zweitgrößten Autobauer weltweit, Toyota. Toyota konnte im ersten Halbjahr pro Fahrzeug einen Gewinn von 533 verbuchen. Zwar wurden im zweiten Quartal bei Toyota, wie bei fast allen Autobauern Verluste im Autogeschäft verbucht, aber ein passabler Absatz im ersten Quartal in Japan, USA, Europa bescherte Toyota einen Gewinn, der ausreichte, den Verlust im zweiten Quartal auszugleichen. Während die VW-Konzern in seinem Pkw-Geschäft im 1. Halbjahr 2020 beim Absatz um 28 Prozent einknickte, hatte Toyota einen Rückgang um 29 Prozent. Dudenhöffer: "Das zeigt, dass im VW-Konzern stärkere Anpassungen als bei Toyota erfolgen müssen." VW hat stark vom China-Geschäft profitiert.

PSA-Opel: Wenige Autoverkäufe, aber solide Gewinne
Ähnliches gilt gegenüber PSA-Opel. Während PSA-Opel mit nur gut einer Million Fahrzeugverkäufen einen Gewinn von 707 Euro eingespielt hat, musste der VW-Konzern im Pkw-Bereich mit 3,7 Millionen Autoverkäufen einen Verlust von 415 pro Fahrzeug hinnehmen. Dabei hat der VW-Konzern im Pkw-Bereich um den Faktor drei höhere Skaleneffekte als der PSA-Konzern. PSA-Opel steht vor der Fusion mit FiatChrysler. "Von daher wird sich der Skalenvorteil des VW-Konzerns deutlich abnehmen. Zusätzlich hat VW vom China-Geschäft deutlich profitiert, das bei PSA-Opel so gut wie nicht vorhanden ist. Der VW-.Konzern muss seine Anpassungsgeschwindigkeit also erhöhen", so der Autoexperte.

Tesla wird zum ernsthaften Wettbewerber im Premium-Markt
Sehr erstaunt zeigt sich Dudenhöffer von der Entwicklung von Tesla im Vergleich zu BMW, Audi, Mercedes. Nur Porsche konnte sich im ersten Halbjahr 2020 mit Tesla messen. Mit einem Gewinn pro Fahrzeug von 2.890 Euro ist Tesla weit von den anderen Premiumherstellern – mit Ausnahme von Porsche – entfernt. Ein Start-up mit enormen Investitionen in neue Werke stellt in der Corona-Krise die etablierten Premiumhersteller in den Schatten. Tesla ist, wie Porsche, klarer Gewinner in der Krise. Während alle ihre Produktionskapazitäten verkleinern setzt Tesla ein gewaltiges Wachstumsprogramm um.

USA: Ford kämpft mit Verlusten, GM profitiert vom ersten Quartal
Auch der Vergleich der beiden US-Hersteller Ford und GM zeigt deutliche Unterschiede im notwendigen Anpassungsdruck. Während GM sich auf die Märkte Nord- und Südamerika sowie China konzentriert hat ist Ford etwa mit Europa weltumfassender unterwegs, aber keineswegs erfolgreicher, wie die Gewinne bzw. Verlust pro Fahrzeug im ersten Halbjahr 2020 zeigen. Von daher war das Auswechseln des Ford-Chefs Hackett keine wirkliche Überraschung. Bei Ford werden in den nächsten Monaten mit dem neuen CEO Jim Farley nach Einschätzung des Autoexperten die Fragen diskutiert, ob und wie man das Europa-Geschäft nachhaltig restrukturieren kann. Der GM-Weg auf Europa zu verzichten und Opel an PSA zu verkaufen werde dabei ebenfalls überlegt werden. GM steht ohne Opel deutlich besser dar, wie auch die Ergebnisse von GM zeigen.

Skoda gut behauptet auch gegenüber der Marke VW und Seat
Interessant auch der Unterschied zwischen den Volumenmarken im VW-Konzern. Skoda bleibt eine wichtige Ertragsstütze im VW-Konzern mit 748 Euro Gewinn pro verkauftem Fahrzeug während die deutlich größere Marke VW sich mit 313 Euro Verlust pro Fahrzeug und Seat mit 1.376 Euro Verlust pro Fahrzeuge deutlich schlechter durch die Krise kommen. Seat ist dabei mit seiner Stärke in Südeuropa in der Corona-Pandemie mit deutlichem Länderhandicap ausgestattet.

Top-Premium kann auch teuer für das Unternehmen werden
Die alte Regel, dass man im High-Luxury-Segment besser in die Zukunft kommt gilt schon lange nicht mehr. Zwar schafft es Porsche seine hohe Profitabilität auch während der Corina-Krise zu behaupten mit 9.853 Euro Gewinn pro Fahrzeug, aber gleichzeitig zeigt Bentley, dass mit einem Verlust von 19.800 Euro pro Fahrzeug das High-Luxury Segment risikoreich ist.

Hoher China-Effekt verbessert die Erträge oder reduziert die Verluste um fast 80 Prozent
Die hohen Absätze in China retten jedoch so manchen Autobauer vor noch größeren Einbußen, etwa beim VW-Konzern. So kann laut der Studie der Verlust von 631 Euro pro Fahrzeug des VW-Konzerns durch die Erträge der China Joint-Ventures auf 415 Euro gedrückt werden, sprich im Schnitt im um 34 Prozent verbessert werden. Bei der Marke VW, die im China Joint-Venture besonders hohe Produktionsvolumen erzielt, beträgt diese Verbesserung beim Verlust gar 1.000 Euro pro Auto oder 76 Prozent.

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