Halbjahresbilanz: Nachfrage nach Dieselautos bricht ein

Halbjahresbilanz: Nachfrage nach Dieselautos bricht ein

Viele Österreicher legten sich heuer bereits einen Neuwagen zu. Von in Verruf geratenen Dieselmodellen lassen viele lieber die Finger weg.

Das erste Halbjahr brachte für den österreichischen Automarkt eine dramatische Wende. Nach bislang leichten Rückgängen bei Dieselmodellen, brach die Nachfrage kräftig ein. Insgesamt war die Bilanz des ersten Halbjahres aber erfreulich. Bei der Nachfrage nach Automarken und Modellen war die Entwicklung äußerst unterschiedlich. Beim Beliebtheitsranking von Neuwagen gab es ein paar Überraschungen.

Benziner und alternative Antriebe waren die Gewinner

Lange war die Dieselkrise, ausgelöst in Deutschland, hierzulande kaum spürbar. Doch im ersten Halbjahr hat sich das Blatt gewendet. Seither ist die Nachfrage nach Diesel-Neuwagen um 16 Prozent eingebrochen. Der Marktanteil des einstigen Diesellandes Österreich ist bereits auf 41,5 Prozent geschrumpft. Es dürfe für den Diesel noch dicker kommen. Arbö-Sprecher Sebastian Obrecht erwartet einen Rückgang des Marktanteils von 30 Prozent. Schon heute ist der Gebrauchtwagenmarkt für Dieselmodelle erheblich unter Druck. Die Preise sind gegenüber drei, vier Jahren um sieben bis zehn Prozent zurückgegangen. Ein weiterer Preisverfall ist absehbar. Viele Dieselautobesitzer treibt die Frage um, ob sie ihr Auto verkaufen sollen oder weiterfahren. "Ist das Dieselmodell noch nicht allzu alt und damit umweltbelastend, ist diesen länger zu behalten, wohl vielfach die beste Möglichkeit, um finanziell nicht zu hohe Einbußen hinnehmen zu müssen", rät Obrecht.

Käufer lernen die Vorzüge von Benzinern schätzen - billiger, leichter und auf Kurzstrecken effizienter

Dafür stürzen sich derzeit alle auf Benziner. Heuer war dieses Antriebskonzept bei Neuwagen um 23,6 Prozent stärker nachgefragt gewesen als im Vorjahreszeitraum. Arbö-Mann Obrecht sieht dafür allerdings nicht nur die Dieselkrise in Deutschland (erste Fahrverbote wurden aufgrund hoher Stickoxidbelastungen eingeführt). "Käufer kaufen nicht mehr blind einfach einen Diesel, sondern hinterfragen dessen Notwendigkeit." Schließlich ist der Diesel nicht für jedes Fahrprofil geeignet. "Auf jene, die viele Kurzsstrecken fahren und im Jahr nicht mehr als 15.000 Kilometer zurücklegen, ist ein Benziner meist die bessere Wahl", argumentiert der Experte des Verkehrsclubs. Dieselmotoren sind im Schnitt zudem 1.000 bis 2.000 Euro teurer als Modelle, die mit einem Benzinmotor ausgestattet sind. Denn Dieselmotoren sind mit viel Aufwand technisch hochgezüchtete Motoren, die ursprünglich nur für Schiffe oder Lkws eingesetzt wurden. Ein Dieselmotor ist auch schwerer als von einem Benziner, da die Verbrennungsvorgang unregelmäßiger und damit komplizierter ist als beim Benziner. Deshalb müssen etwa die Dichtungskammern eines Dieselmotors stabiler gebaut werden. Das macht den Dieselantrieb insgesamt auch teurer. Benzinmotoren können dagegen mit Leichtbauteilen hergestellt werden und kommt auch ohne Partikelfilter aus.

Von rund 190.000 Neuwagen waren 3.000 E-Autos

Auch alternative Antriebe waren im ersten Halbjahr bei den Käufern bliebt. Bei Elektroautos gab es ein Plus 15,3 Prozent, Benzin-Elektro-Hybridantriebe waren das Plus mit 20 Prozent noch ausgeprägter. Bei diesen Hybriden betrug der Gesamtabsatz in den ersten sechs Monaten des Jahres 4.739 Stück. Davon waren lediglich 1.218 Stück Steckdosen-Hybride (Plug-In-Modelle).


Politiker gehen mit Ankündigungen, die den Individualverkehr zurückdrängen sollen, an der Lebensrealität der Menschen vorbei.

Die Autohersteller und -Händler sind trotz des Rückgangs bei Diesel-Neuwagen zufrieden mit der Halbjahresbilanz. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 192.861 Neuwagen verkauft. Das sind um 3,4 Prozent mehr neu zugelassen Pkws als im Vorjahreszeitraum. "Das zeigt, dass Autos nach wie vor ein beliebtes Fortbewegungsmittel sind und die Österreicher nicht auf ein Auto verzichten wollen. Politiker gehen mit ihren Ankündigungen den Individualverkehr zurückdrängen zu wollen, an der Lebensrealität der Menschen vorbei", so Obrecht.

Die beliebtesten Marken im ersten Halbjahr - Mitsubishi und Seat mit dem größten Plus

Die drei beliebtesten Marken in Österreich stammen im ersten Halbjahr 2018 alle aus dem Hause VW. Der Zuwachs seit Jahresbeginn in absoluten Zahlen liegt bei neun Prozent. Das entspricht Neuzulassungen in der Höhe von 35.052 Stück und einem Marktanteil von 18,2 Prozent. Auf dem zweiten Stockerlplatz steht bereits Skoda. Nach einem Neuwagenplus von 8,4 Prozent konnten von Jänner bis Juni 14.482 Stück der tschechischen VW-Tochter abgesetzt werden. Die Marke erfreut sich auch bereits im Vorjahr immer stärkerer Beliebtheit.
Zu den Überraschung des ersten Halbjahres zählt die Entwicklung von Seat. Die spanische VW-Tochter legte bei der Nachfrage um 29 Prozent zu. Die größten Steigerungen beim Absatz verzeichnete Seat beim Ateca. Der SUV wurde um 22 Prozent stärker nachgefragt als im ersten Halbjahr 2017. Der Neuwagen fand 2.379 Mal einen Abnehmer. Beim Vertriebsarm des VW-Konzerns, der Porsche Holding in Salzburg, jubiliert man: "Das sind neue Halbjahresrekorde bei Seat und Skoda."
Eine starke Performance legte auch Mitsubishi hin. Der japanische Hersteller konnte seinen Absatz um 30 Prozent steigern. Einer der kleinsten Hersteller in Österreich verkaufte 2.786 Stück.

Die beliebtesten Modelle seit Jahresbeginn

Der VW Golf, der VW Polo und der VW Tiguan überragen bei den Absatzzahlen im ersten Halbjahr 2018 alle anderen Modelle. Unter den Top 10 finden sich aber auch solche, die man dort nicht selbstverständlich vermutet: Etwa den VW T-Roc auf Platz fünf und den VW Bus einen Platz dahinter.

Die Modelle mit dem höchsten Nachfrageplus im Juni: Hyundai und Dacia

Der Juni war für einzelne Modelle besonders gut. Die größten Verkaufssteigerungen gegenüber dem Vorjahresmonat unter den 20 meistverkauften Modellen verbuchte der Hyundai i30 mit einem Nachfrageplus von 139 Prozent (748 Stück). Den zweithöchsten Zuwachs verzeichnete der neue Dacia Duster (+77,3 Prozent). Auf Platz drei folgte wieder ein Hyundai, diesmal mit Tucson (844 Stück). Ein Verkaufshit war auch im Juni der VW Bus, der um 58 Prozent mehr nachgefragt wurde als im Vorjahreszeitraum. Der VW Tiguan legte beim Zuwachs um 40 Prozent zu.

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