Hälfte der KMU-Autozulieferer sieht sich in Existenz bedroht

Hälfte der KMU-Autozulieferer sieht sich in Existenz bedroht

Mittelständische Autozulieferer kämpfen immer stärker ums Überleben. Was den KMUs am meisten zu schaffen macht.

Die mittelständisch geprägte Automobilzulieferbranche gerät zunehmend unter Druck. Eine Studie des deutschen Center of Automotive Management (CAM) gibt Aufschluss wie sehr Unternehmen, die weniger als 500 Mitarbeiter beschäftigen, in der Branche um das Überleben zittern und mit welchen Problemen sie zu kämpfen haben.

Kostendruck existenzbedrohend

Als größtes Problem sehen Klein- und Mittelständische Unternehmen der Autozulieferbranche den hohen Kostendruck. So ergab eine Umfrage unter deutschen Kfz-Zulieferern, dass die Hälfte der KMUs die Ansicht vertritt, dass steigender Kostendruck ihre Existenz nachhaltig gefährdet.

Preisdruck als Ursache für Qualitätsprobleme

CAM-Studienleiter Stefan Bratzel: „Kostendruck kann sich auch negativ auf die Qualität auswirken.“ In den vergangenen Jahren ist die Zahl der weltweit zurückgerufenen Fahrzeuge aufgrund von sicherheitsrelevanten Problemen stark gestiegen. Bratzel: „Das betrifft stark Zulieferer, die im preisgetriebenen Einkauf ein zunehmend größeres Gefahrenpotenzial sehen.“ Knapp 70 Prozent der Unternehmen gibt mittlerweile an, dass der Einkauf ihres Hauptkunden preisgetrieben ist und zu Qualitätsproblemen führen wird. Und es wird offenbar nicht besser. Der Anteil jener, die diese Meinung vertritt, stieg gegenüber dem Vorjahr um knapp zehn Prozent. Ein wachsender Anteil von Zulieferern beklagt zudem, dass die Auftragsvergabe EDV-basiert und völlig anonym erfolgt. Gute persönliche Beziehungen würden vielfach keine Rolle mehr spielen.

Auslandsengagement zu niedrig

Kleinere Zulieferern macht auch die mangelnde Internationalisierung zu schaffen. Viele Autohersteller erwarten vielfach, dass ihnen die Zulieferer ohne zu murren ins Ausland folgen. Doch erst 45 Prozent der KMUs sind im NAFTA Raum als auch in China präsent. Bei großen Playern sind es bereits 85 Prozent. Doch der Grad jener, die den breit angelegten Sprung ins Ausland wagen, steigt. Im Vorjahr lag der Internationalisierungsgrad der KMUs noch bei 33 Prozent. Ein Engagement im NAFTA-Raum erwägen laut Studie rund 15 Prozent der KMU in der Kfz-Zulieferbranche. Nach China zu liefern, ziehen in den nächsten fünf Jahren elf Prozent der Befragten in Betracht. Im Vergleich zur ersten CAM-Befragung 2013 sind die Automobilzulieferfirmen im Hinblick auf ein Auslandsengagement jedoch insgesamt deutlich vorsichtiger geworden.

Zweifel ob Autohersteller Existenzprobleme kümmern

Viele Zulieferer hegen laut Studie Zweifel an der Vertrauensbasis zu ihren Kunden. Immerhin 42 Prozent der befragten Zulieferunternehmen meinen, dass ihre Kunden kein wirkliches Interesse daran haben, dass sie nachhaltig wirtschaften und ihre Existenz so nachhaltig sichern können. 56 Prozent der Befragten insgesamt sind jedoch anderer Meinung. Einig sind sich jedoch die Zulieferer inwieweit Innovationen eine wichtige Rolle spielen. Produkt- bzw. Prozessinnovationen stellen demnach für 86 Prozent der befragten Unternehmen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil dar.

Große Firmen kommen immer besser zurecht

Ganz anders sieht dagegen die Situation bei großen Autozulieferern aus. Rund drei Viertel von ihnen beurteilen die Geschäftslage als "sehr gut" oder "gut". Von existenzieller Betragung meist keine Spur.

Insgesamt hat sich zwar sowohl für große Unternehmen als auch für die KMUs unter den Zulieferern die Auftragslage und die Umsatzentwicklung gegenüber dem Vorjahr verbessert. Uniprofessor Bratzel: "Die Polarisierung der Branche zwischen kleinen und großen Automobilzulieferer zugunsten letzterer setzt sich allerdings fort. Gerade die kleineren Unternehmen stehen mit der weiteren Internationalisierung, den technologischen Veränderungen und dem hohen Kostendruck vor sehr schwierigen Herausforderungen."

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