Großzügige E-Auto-Förderung in Salzburg ein Flop

Großzügige E-Auto-Förderung in Salzburg ein Flop

Mangelnde Infrastruktur als Hemmschuh für das Wachstum.

In Salzburg werden Käufer von Elektroautos seit Jahresbeginn mit bis zu 6.000 Euro gefördert. Doch die Stromer bleiben Ladenhüter. Was ein Mobilitätsexperte des Landes Salzburg kritisiert und was Politiker und Stromanbieter versprechen.

Der Verkehrsminister verkündete heute, dass Elektroautokäufer "Kaufanreize in vernünftigem Rahmen" in Zukunft bekommen sollen und die Infrastruktur für Stromtankstellen bis 2020 massiv ausgeweitet werden soll. Doch private Autokäufer lassen solche Perspektiven derzeit kalt.

So wird, wer sich ein Elektroauto kaufen will, seit Anfang 2016 in Salzburg mit Förderungen überschüttet - jedoch ohne nennenswerten Erfolg. Dort werden Private seit Beginn des Jahres beim Kauf eines E-Autos mit 5.000 Euro gefördert. Wer nachweisen kann, dass er regenerativen Strom erzeugt - also etwa mit einer Photovoltaikanlage am eigenen Hausdach, kriegt noch einmal 1.000 Euro. Doch all die finanziellen Anreize die Verkäufer anzukurbeln, nutzen bisher nichts. Seit Jahresbeginn haben sich im ganzen Bundesland Salzburg nur 35 private Käufer entschließen können eine solche Förderung zu beantragen. Das sind zwar doppelt so viele Elektroautokäufe wie im Vorjahr, ist aber noch immer eine bescheidene Bilanz.
„Die Leute sind einfach nicht bereit für Elektroautos", stellt Markus Zeiner, Klimaschutzkoordinator des Landes Salzburg fest. Der Fördertopf von 700.000 Euro wurde zwar dennoch leergeräumt. Auf diese Weise wurden weitere 170 E-Fahrzeuge im Salzburg gefördert. Die Nachfrage von Firmen liegt vor allem daran, dass der Sachbezug für Elektroautos seit der letzten Steuerreform auf diese Autos entfällt. Von der NoVa und der motorbezogenen Versicherungssteuer sind Elektroautos ohnehin befreit. Um mehr Privatkäufer anzulocken, hat sich die Landesregierung in Salzburg nun deshalb dazu entschlossen, die Förderung für Private bis Jahresende weiterzuführen

Mangelhafte Infrastruktur und nicht kompatible Bezahlsysteme

Schuld an der geringen Nachfrage ist nach Einschätzung von Zeiner, trotz großzügiger Förderung, nicht nur die geringe Reichweite, sondern auch die nach wie vor viel zu niedrige Zahl an Lademöglichkeiten. "Pendler beispielsweise, die in der Firma ihr Auto nicht laden können, für die sind Elektroautos nicht alltagstauglich." Selbst die Landesregierung Salzburg verfügt bei ihrem Amtsgebäude über keine Stromanschlüsse für Elektroautos. Als weiteren Hemmschuh sieht der Klimaschutzbeauftragte auch die unterschiedlichen Bezahlsysteme der Anbieter, die nicht kompatibel sind.

E-Autoförderung bringt zu wenig

2017 wird die Elektroautoförderung deshalb in Salzburg voraussichtlich nicht fortgeführt. „Die Förderung ist zu teuer, für das was sie bringt“, argumentiert Mobilitätsexperte Zeiner. Und ergänzt: "Dem Umweltschutz bringt beispielsweise der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel in Summe wesentlich mehr als ein paar zusätzliche Elektroautos." Die E-Mobilität sei nur ein kleiner Bereich, der derzeit aber vergleichsweise hohes Fördergeld verschlinge.

Firmen bieten kaum Stromladestellen an

Im Bundesland Salzburg stellen hauptsächlich ElectroDrive, ein Tochterunternehmen des Salzburger Energieversorgers Salzburg AG, und private Initiativen die Infrastruktur von Stromtankstellen zur Verfügung. In der Stadt Salzburg gibt es derzeit 45 Stromladestellen und eine Schnellladestation, im übrigen Bundesland sind es fünf Turbo-Stromlader. Laut dem Stromanbieter Kelag ist es im Bundesland Salzburg an 166 öffentlichen Plätzen möglich Strom zu tanken. In Wien, wo E-Tankstellen auf öffentlichen Plätzen bislang de facto verboten sind, sind es laut e-tankstellen-finder.com 127 Stromladeplätze. Doch die vergleichsweise geringe Anzahl an Lademöglichkeiten soll sich in allen Bundesländern ändern.

Zahl der Ladestationen soll sich österreichweit innerhalb eines Jahres verdoppeln

Die Zahl der Elektrotankstellen soll in den nächsten Jahren rapide steigen. Das verspricht die aktuelle Initiative des Verkehrsministers und der vor eineinhalb Jahren gegründeten Bundesverbandes Elektromobilität Österreich (BEÖ). Die Gesellschaft bündelt die Aktivitäten der 11 heimische Energieversorger in Bezug auf Elektrotankstellen. Ziel des Verbandes ist es den Ausbau eines offenen und einheitlichen Ladestationennetzes voranzutreiben. Zudem soll der Verband an Gesetzesvorschlägen, Richtlinien und Normierungen mitwirken. Der Verband hat sich jüngst vorgenommen die Zahl der E-Ladestationen von derzeit rund 2.300 auf 4.000 Ladestationen innerhalb nur eines Jahres zu erhöhen. Davon sollen alleine in Wien 1.000 neue Ladepunkte entstehen. Die Energie Steiermark will 140 E-Tankstellen bauen und dafür 3,2 Millionen Euro in die Hand nehmen.

Tankstellenanbieter mit unterschiedlichen Bezahlsystemen

Auch die Bezahlssysteme bei E-Tankstellen sollen vereinheitlicht werden. „Das ist noch immer ein Problem“, erklärt Zeiner. So gibt es unterschiedliche Bezahlsysteme, bei denen man bei den Betreibern unterschiedliche Wertkarten kaufen muss. Und selbst ob man bar oder mit Karte zahlt, ist mitunter heikel. Die Salzburg AG tüftelt bei seinem Tochterunternehmen elektrodrive gerade an einem Kreditkarten-Bezahlsystem.

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