E-Ladestationen: Ausbau als Machtkampf der Stromversorger

E-Ladestationen: Ausbau als Machtkampf der Stromversorger

Ein Verband von elf heimischen Stromanbieter will beim Bau von Elektrotanstellen verstärkt gegen Marktführer Smatrics antreten.

Verkehrs- und Umweltminister haben mit dem Verband Elektromobilität Österreich (BEÖ) die Pläne für den Ausbau der Elektrolade-Infrastruktur in Österreich präsentiert. Doch Smatrics, der größte Player am Markt, war nicht geladen. Die Pläne der Regierung im Detail und wie die zwei Konkurrenten aufgestellt sind.

Umweltminister Andrä Rupprechter und Verkehrsminister Jörg Leichtfried haben gemeinsam mit elf Stromanbietern, die ihre Interessen in einem Verband bündeln, Großes vor. Sie wollen das Netz der Elektro-Ladepunkte in Österreich deutlich ausbauen. Zu den vom Verband betriebenen öffentlichen 1.300 Ladepunkten sollen bis Ende des Jahres 700 weitere kommen. „Derzeit ist Österreich bei der Ladedichte Nummer drei in Europa. Wir wollen aber die Nummer eins werden“, so Leichtfried anlässlich der Vorstellung der neuen E-Lade-Initiative. „Ziel ist es, dass Elektroautofahrer von Wien bis nach Bregenz die Strecke in der geplanten Zeit schaffen“, so Jürgen Halasz, Vorstand des BEÖ – Bundesverband Elektromobilität Österreich, zu dem Energie AG Oberösterreich, Energie Burgenland, Energie Graz, Energie Steiermark, EVN, Innsbrucker Kommunalbetriebe, Kelag, Linz AG, Salzburg AG, VKW und Wien Energie zählen.

Dem hält Smatrics, Marktführer bei Stromladestationen in Österreich entgegen: „Das ist jedoch jetzt schon möglich“, erklärt Michael Fischer, Geschäftsführer von Smatrics gegenüber trend.at. Smatrics, eine Kooperation zwischen Siemens und dem niederösterreichischen Energieversorger Verbund, wird von den anderen Versorgern seit Jahren im Elektro-Tankstellen-Business als Konkurrent gesehen. Insider behaupten, BEÖ wurde überhaupt erst gegründet, um ein Gegengewicht zu Smatrics zu bilden. Fischer: „Wir sind in die neuen Erweiterungspläne für Stromladepunkte nicht eingebunden.“

Ein E-Autofahrer braucht bisher meist mehrere Tankkarten

Ab 1. April 2017 startet jedenfalls der E-Mobilitätsverband BEÖ eine Online-Plattform, die es jedem E-Autofahrer ermöglichen soll, mit nur einer Tankkarte bei verschiedenen Stromtankstellen-Anbietern flexibel in jedem Bundesland zu tanken. Bisher hatten E-Tankstellenanbieter wie die Salzburg AG oder die Kelag in diesem Punkt ihr eigenes Süppchen gekocht. Für E-Autofahrer, die aus dem Einzugsgebiet des jeweiligen Stromanbieters hinausfuhren, eine mühselige Angelegenheit.

Bei Fahrten aus dem Versorgungsgebiet hinaus kann es also immer noch passieren, dass man zuerst eine Tankkarte beantragen muss. Wer das nicht tut und etwa in ein anderes Bundesland fährt, ist gut beraten bisher mehrere Tankkarten parat zu haben. Schritt für Schritt soll nun das Puzzle unterschiedlicher Bezahlsysteme zusammengefügt werden. Von einer einheitlichen Bezahlinfrastruktur ab April kann allerdings noch keine Rede sein.

App herunterladen, zahlen und tanken - ohne Antragsformular und Wartezeit

Anders bei Smatrics. „Bei uns kann man bereits seit zwei Jahren österreichweit nicht nur bei 400 Schnell- und Highspeed-Ladestationen tanken, sondern sich auch per Smartphone-App unkompliziert binnen Minuten anmelden und dann einfach per Kreditkarte zahlen." Das Angebot gilt für alle Nutzer, selbst wenn man kein Smatrics-Kunde ist. „Wenn beispielsweise ein Weißrusse mit einem Tesla mitten in der Nach durch Österreich fährt, kann er sofort und problemlos bei einer Smatrics-Ladestation tanken“, erläutert Fischer. Zuvor umständlich eine Tankkarte zu beantragen, sei nicht notwendig. Derzeit verfüge Smatrics über rund 5.000 Kunden, 1.000 davon haben sich online registriert.

Smatrics dominiert die Autobahnen - BÖE will aufholen

Als nächsten Schritt will der Mobilitätsverband der elf Stromanbieter 80 Ladestationen entlang der Autobahn errichten. Die Mitglieder der BEÖ betreiben bisher vor allem Tankstellen in Städten. An den Autobahnen dominiert Smatrics bei weitem. „Von elf Ladestationen entlang der Autobahn sind zehn von uns“, sagt Smatrics-Boss Fischer. An der Ausschreibung für die neuen Ladepunkte will sich Smatrics, obwohl nicht im Verbund mit den anderen Stromanbietern, dennoch beteiligen. „Wir haben schließlich die meiste Erfahrung “, stellt Fischer klar.


Als ob man einen Ferrari mit einem Tretauto vergleicht

Schon heute bietet Smatrics das Ladenetz mit der größten Stromlade-Power an. Von den 400 Ladestationen sind 200 mit 50 kW Leistung ausgestattet. Das bedeutet: An diesen Schnellladestationen kann man ein Auto binnen 20 Minuten zu 80 Prozent laden. 70 Prozent aller Schnellladepunkte sind im Eigentum von Smatrics. Bei den vom BEÖ angegebenen 1.300 Ladepunkten weisen viele davon nur magere 20 kW auf, dazu zählen auch etliche gewöhnliche Steckdosen, wie etwa am Wiener Messegelände, wo 50 Steckdosen zum Laden von Autos montiert wurden. „Das ist als ob man einen Ferrari mit einem Tretauto vergleicht“, bemerkt Fischer. Smatrics bietet in Österreich innerhalb eines Radius von 30 Kilometer eine Elektrotankstelle an.

Heuer startet in Österreich die schnellste Ladestation Europas

Neue kraftvolle, strombetriebene Modelle von Porsche, BMW, Renault und Magna sollen bereits im kommenden Jahr auf den Markt kommen. Um die PS-Bolzen in derselben Zeit laden zu können wie bisher deutlich schwächer motorisierte Stromer, wurden sogenannte Ultra-Schnellladestationen mit 350 kW Leistung entwickelt. Um das Laden dieser neuen Generation von Elektroautos zu testen baut Smatrics nun in Kooperation mit Autoherstellern, in Österreich europaweit die ersten dieser 350 kW-High-Speed-Ladestationen. Dort wird man in nur fünf Minuten Strom für 100 Kilometer Reichweite laden können. Zunächst sind dafür vier Standorte (in Wien, Salzburg, Linz und Graz) geplant.

Für eine Teilnahme am Strom-Mobilitätsverband BEÖ ist Fischer weiterhin offen. „Aber bisher ist man an uns nicht herangetreten“, bedauert der Smatrics-Chef.

Das Ladestationen-Netz von Smatrics:

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