Globaler Automarkt: Die 11 wichtigsten wirtschaftlichen Trends

Globaler Automarkt: Die 11 wichtigsten wirtschaftlichen Trends

In den nächsten Tagen legen zahlreiche Autokonzerne ihre Quartalszahlen offen. Automobil-Analyst Frank Schwope hat das zum Anlass genommen einen Blick auf die Entwicklungen am Automarkt zu werfen, speziell aus US-Sicht, und liefert Prognosen für die weltweite Absatzzahlen, die neuen Vorlieben der US-Autofahrer, die Entwicklung von VW & Co in den USA, wie China gegen Rückgänge kämpft und wie VW nach dem Diesel-Skandal da steht. Plus: Aktienempfehlungen.

1. Autoabsatz: Magere Zeiten kommen auf die Hersteller zu
Noch 2018 war die Welt am US-Automarkt in Ordnung. Der Absatz war mit einem Zuwachs von 0,3 Prozent auf 17,3 Millionen Stück zwar nicht aufregend, aber stabil. In Europa lag das Plus bei 0,1 Prozent. In China brachen die Verkäufe gar um vier Prozent ein. Doch 2019 könnte es auch den US-Markt treffen. Frank Schwope, Autoanalyst der deutschen Nord/LB sieht magere Zeiten auf den Automarkt zukommen. In den USA rechnet er mit einem Rückgang der Verkaufszahlen von vier Prozent. Als Gründe nennt er die steigenden Zinsen in den USA, die weltweiten Handelskonflikte, die sich auch in einer zunehmenden Verunsicherung der amerikanischen Verbraucher niederschlagen dürften. Zudem gilt der US-Markt bereits als gesättigt. Immerhin wurden seit dem Jahr 2015 in den USA jedes Jahr mehr als 17 Millionen Neuwagen verkauft. Auch für den europäischen Automarkt erwarten die Experten 2019 rückläufige Absatzzahlen.

2. Trucks und Pick ups verdrängen klassische Pkws
Klassische Pkws finden in den USA immer weniger Abnehmer. Noch vor 60 Jahren wurden sechs Millionen Autos, aber nur 900.000 Light Trucks wie Pick ups verkauft. Das Verhältnis hat sich längst umgekehrt. Im Jahr 2018 wurden mit 11,8 Millionen Light Trucks erstmals mehr als doppelt so viele Einheiten wie von Pkws (5,5 Millionen) verkauft.

3. US-Bestseller: Kein europäisches Auto unter den Top-10
Der „Golf“ des Amerikaners ist der Ford F-Series, ein Pick-up, der sich im Vorjahr rund 909.00-mal verkaufte. Auch auf den Plätzen 2 (Chevrolet Silverado) und 3 (Dodge Ram) liegen Pritschenwagen. Der bestverkaufte SUV war der Toyota RAV4, der auf Platz 4 folgt. Der meistverkaufte klassische PKW folgt erst auf Platz 7 mit dem Toyota Camry. Die Europäer unter den Autoherstellern sind in den USA eine Randerscheinung. Keiner von ihnen kommt über einen Marktanteil von rund zwei Prozent.

4. VW-Konzern wächst in den USA wieder
In den USA ist der Volkswagen-Konzern weiterhin auf Wachstumskurs und konnte 2018 beim Absatz um 2,1 Prozent auf 638.300 Einheiten zulegen, obwohl der Konzern seit dem Diesel-Skandal keine Diesel-Fahrzeuge mehr in Nordamerika verkauft. Allerdings lag das Wachstum im Jahr 2017 noch bei 5,8 Prozent. Die Verkaufszahlen der Marke VW sind 2018 in den Vereinigten Staaten um 4,2 Prozent auf rund 354.000 Einheiten gestiegen, während Audi einen Rückgang um 1,4 Prozent verkraften musste. Porsche wiederum konnte in den USA um 3,2 Prozent auf gut 57.000 Einheiten zulegen.

5. Toyota holt in den USA weiter auf
Toyota hat sich in den USA zwischen die Big Three (GM, Ford und Chrysler) gedrängt. Während General Motors mit einem Marktanteil im Jahr 2018 von 17 Prozent nach wie vor die Nummer 1 in den USA ist, folgt knapp hinter Ford (14,4 Prozent) mittlerweile Toyota mit einem Marktanteil in Höhe von 14 Prozent. Chrysler ist nur mehr die Nummer 4 mit 13 Prozent. Dahinter folgen Honda, Nissan und Hyundai/Kia, wobei die Koreaner in den letzten Jahren deutlich Marktanteile verloren haben.

6. Billiges Tanken unterstützt US-Wirtschaft
In den USA zu tanken, ist nach wie vor spottbillig. Für einen Liter Benzin zahlt man in Amerika zwischen 0,50 bis 0,70 US-Cent. Getankt wird deshalb viel und oft. Die Amerikaner unterstützen so aber auch die florierende US-Wirtschaft. Der Sprit ist auch deshalb so günstig, weil die Amerikaner von der starken Ausweitung der Ölproduktion in den letzten Jahren im eigenen Land profitieren.


7. Fiat-Chrysler-Konzern drohen in den USA die größten Probleme
Sollte der amerikanische Automarkt infolge steigender Zinsen, einer schwächeren Konjunktur oder eines anziehenden Ölpreises wieder deutlich den Rückwärtsgang einlegen, erwartet Autoanalyst Schwope für den Autokonzern Fiat-Chrysler die größten Problemen unter den etablierten Automobil-Konzernen. Die Gründe: Die große Abhängigkeit von Amerika und Europa in Kombination mit einem relativ geringen Investitionsbudget und einer veralteten Modellpalette könnte laut Nord/LB dem Konzern ernste Schwierigkeiten bereiten. Für den Fall der Fälle ständen allerdings chinesische Investoren parat, die nach Volvo (Geely) und Peugeot (Dongfeng) an weiterem Know-How- und Markentransfer überaus interessiert sein dürften. Die deutschen Automobil-Konzerne sollten einen Rückgang des amerikanischen Automobilmarktes aufgrund ihrer global breiteren Aufstellung leichter verkraften können, so die Einschätzung Schwopes.

8. China überholt USA und Europa beim Absatz um Längen und wird 2019 wieder Gas geben
Zwischen 2010 und 2012 war die Autowelt noch im Gleichgewicht. Die EU, China und die USA, die drei größten Automärkte, waren damals vorübergehend gleich groß. Doch seither ist China den anderen beiden längst davon gezogen. Noch 2006 wurden in China erst fünf Millionen Autos verkauft, 2017 waren es schon 24,7 Millionen. Nach dem Rückgang von vier Prozent im Vorjahr, rechnet der Autoexperte der Nord/LB wieder mit einem stärkeren Jahr. „Die chinesische Regierung wird ein zweites Jahr rückläufiger Absatzzahlen nicht hinnehmen. Sollte das erste Quartal schwach ausfallen, erwarten wir staatliche Incentives zu Stützung des chinesischen Automobilmarktes.“ Eine Senkung der Kaufsteuer für Autos, wie es sie schon in früheren Jahren gab, wird als Möglichkeit erachtet.

9. China nach wie vor stark untermotorisiert
Während in westeuropäischen Ländern rund 500 Autos auf 1000 Einwohner kommen, in den USA sind es sogar mehr als 700 Autos auf 1000 Einwohner, sind es in China mit mehr als 100 Autos pro 1000 Einwohner noch immer deutlich weniger. Sollte China eines Tages einen Motorisierungsgrad erreichen, der annähernd an den Westen heranreicht, fehlt aus heutiger Sicht noch ein Bestand von mehr als 500 Millionen Fahrzeugen im Reich der Mitte.

10. VW-Skandal: 23 Milliarden Euro flossen alleine für Entschädigungen nach Nordamerika
Der Diesel-Skandal des Volkswagen-Konzerns ist mittlerweile vor mehr als drei Jahren bekannt geworden. Seither hat der Konzern weltweit knapp 30 Milliarden Euro für die Folgekosten aufgewendet. Mehr als 23 Milliarden davon entfielen allein auf die USA und Kanada, womit der größte Teil der Kosten in Nordamerika beglichen sein dürfte.

11. VW bleibt Cashcow: Noch immer 25 Milliarden Cash in der Kasse
Trotz dieses gigantischen Aderlasses steht der Volkswagen-Konzern finanziell solide da. Sie verfügen über eine Netto-Liquidität, alleine im Bereich Automobile, in Höhe von 24,8 Milliarden Euro. Die Geldflüsse dürften weiter anhalten: Der Konzern dürfte in den nächsten Jahren operative Ergebnisse von 15 Milliarden Euro jährlich erzielen, so die Schätzung Schwopes.

Nur zwei Kaufempfehlungen für Anleger
Der Autoaktienexperte Schwope empfiehlt derzeit von seinen zwölf beobachteten Aktien von Autoherstellern und Zulieferern nur Porsche und Leoni zum Kauf. Die Aktien von Renault und Tesla sollten Anleger seiner Einschätzung nach verkaufen. Papiere wie BMW, Daimler, Peugeot, Volkswagen, Toyota oder Continental hat er mit „Halten“ beurteilt.

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