Ghost, Dawn und Wraith: Der große Rolls Royce Test

Ghost, Dawn und Wraith: Der große Rolls Royce Test

Der Rolls Royce Wraith (im Vordergrund) und der Dawn (hinten) sind beide als "Drivers Car" konzipiert. 6,6 Liter Hubraum, wie beim Dawn, lassen selbst ein Cabrio mit 2,6 Tonnen Lebendgewicht in 4,9 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen. Das Coupé, der Wraith, schafft mit dem selben Hubraum den Sprint in 4,6 Sekunden.

Das luxuröseste Coupé der Welt gefällig? Oder doch das leistungsstärkste Cabrio weltweit oder darf es vielleicht etwas Größeres aus dem Reich des Superluxus sein? Trend.at teste die drei aktuellen Rolls Royce Wraith, Dawn und Ghost. Keiner der Edel-Briten hat weniger als 12-Zylinder und unter 570 PS.

Manchmal kommt der perfekte Tag fast trostlos daher. Regen, Stau. Doch ein Blick genügt und man weiß, der Tag kann was. Etwa beim Anblick der drei Rolls Royce Modelle Wraith, Dawn und Ghost. Sie gilt es einen Tag lang zu testen. Manchmal ist der Job als Journalist nicht so übel.

Die drei aus dem südenglischen Goodwood stehen dazu bereits vor dem Nobelhotel Grand Ferdinand an der Wiener Ringstraße Spalier. Dort trifft man sich, quasi zum Warm-up. Da in Österreich weder Händler noch Vertretung existiert, kümmert man sich wohlmeinend von München aus um den kleinen Markt und reist an diesem Tag samt drei Testautos an. Ähnlich flexibel ist man gegenüber Käufern. Wer dem Kauf der in vielen Teilen handgemachten Fahrzeuge näher tritt, kann sich entweder zu den nächstgelegenen Händlern in Prag oder Budapest begeben, oder, wer sich diesen Strapazen nicht aussetzen möchte, kann sich den Wagen auch liefern lassen. Butler-Service vom Hersteller sozusagen.
Für Reparaturen und Services genügt ebenfalls ein Anruf und der Rolls wird abgeholt und nach dem man sich in Wien eingehend um den Wagen gekümmert hat, wieder retourniert. Was jedoch bei Besitzern selten zu motorischen Engpässen führt. „Die meisten von ihnen haben mehrere Autos. Wenn der Rolls Royce ein paar Tage nicht in der Garage steht, fällt das meist nicht weiter auf“, erzählt Rolls Royce Sprecherin Ruth Huckleinbroich. Besitzer der englischen Karosse denken ohnehin häufig langfristig. „Viele der Fahrzeuge werden an die nächste Generation vererbt", so die Sprecherin. Langlebig genug sind sie offenbar. So sind noch zahlreiche Stücke, die seit der Ingenieur Henry Royce und der Rennfahrer Charles Royce 1904 die Rolls Royce Motor Company starteten, noch heute fahrtauglich. Seit 2003 BMW die Briten übernommen haben, wurden rund 27.000 Stück verkauft. Von diesen sind laut Hersteller noch rund 80 Prozent im Umlauf. Der Wertverlust minimal. Wie erlaucht der Kreis der Besitzer ist, erahnt man spätestens am Preis, der beim günstigsten Modell, dem Ghost, bei 233.325 Euro beginnt, Steuern exklusive. Mit ein paar Extras und je nach steuerlichen Auflagen kommt man so gut und gerne auf 400.000 Euro.

Jeder einzelne Knopf eine kleine Skulptur

Doch dieser Tag ist weder der Beginn eines Generationenvertrags noch von finanziellen Überlegungen belastet. Los geht der Test mit dem Ghost, das Einsteigermodell der Marke und einer der ältesten Modelle der Welt. Stammt die ERstversion, der Silver Ghost, doch aus einer Zeit in denen Autos noch umgebaute Kutschen waren. Die Zeit scheint fast etwas stehen geblieben. Denn sobald man auch heute hinterm Volant eines Rolls Royce Platz nimmt, spürt man wohltuend: Hier ticken die Uhren anders. Die Messinstrumente im Cockpit erinnern mehr an eine Schweizer Uhr als an jene eines Fahrzeugs. Jeder einzelne Knopf, ja selbst der Zigarettenanzünder ist eine kleine Skulptur. Die Lüftung verstellt man, wahrscheinlich wie schon zu Zeiten von Queen Elisabeth I, in dem man einen verchromten Stift herauszieht oder hineindrückt. Alles very british. Bis auf den Sternenhimmel - der könnte auch aus Hollywood importiert sein.

Wie geschaffen für großzügige Boulevards

Vollends angekommen in der fast versunkenen Welt des alten British Empire ist man als Fahrer beim Blick auf Motorhaube an dessen Ende wie zu allen Zeiten die Spirt of Ecstasy, die Kühlerfigur unter den Autos schlechthin, thront - wenn auch kein Rolls Royce vorher eine kleinere Kühlerfigur durch den Wind gejagt hat. Wie Her Majesty the Queen fühlt man sich im Ghost dennoch. Das liegt auch an der voluminösen Motorhaube. Deren Maße spürt man spätestens wenn man in die schmale Parallelstraße des Wiener Rings einlenkt und Straßenrand und parkende Autos bedenklich nahe kommen. Die schnöde Welt da draußen besteht leider nicht aus nur aus prächtigen Boulevards und großzügigen Schlossauffahrten - was bei einer Länge von 5,3 Meter und 1,9 Meter Breite die Sache allerdings erheblich erleichtern würde.

Wenn man einen Rolls Royce lenkt, hat man es bis ganz nach oben geschafft - doch es soll Ausnahmen geben.

Ghost: Stärker als der stärkste 7er BMW

Aber Menschenmassen und engen Straßen kann man mit der Kraft des Biturbo-12 Zylinders und 600 PS so leichtfüßig entfliehen, dass man fast meinen möchte der Geist hätte Flügel bekommen. Selbst der stärkste 7er BMW, ein Modell der Schwesternmarke, kann da nicht mehr mithalten. Tee oder Champagner-nippende Mitreisende können das selbst bei flotter Beschleunigung gefahrlos tun. Die Achtgang-Automatik findet bei jedem Tempo den perfekten Gang ohne auch nur den Hauch eines Ruckelns. Wer den Zweitonner mit einer souveränen Eleganz vorwärts treibt, sollte mit gut 14 Liter auf 100 Kilometer das Auslangen finden. Drückt man ordentlich drauf, können es schon auch 18 Liter werden. Doch was bedeuten schon Verbrauchsgrößen wie diese, bei einem Exemplar, das mit ein paar Extras locker über 300.000 Euro, exklusive Steuern, kostet? Einzigartig sind die Türen, die sich nicht nach hinten sondern nach vorne öffnen lassen, womit man wie in alten Hollywood-Filmen, vorn beim Lenkrad ein- und aussteigt. Wie es einstigen Leinwandstars wie Rita Hayworth gebührten, nimmt man auf dem wohl weichsten Tierleder der Welt Platz und streckt seine Füße auf Lammwoll-Teppich auf, die jede Schaumstoffauflage höchstens als erbärmlichen Lappen erscheinen lassen. Wenn der Ghost dann auch noch kraftvoll und doch so leicht beschleunigt und das Leben draußen wie ein langen ruhigen Fluss vorbei zieht, ahnt man, warum jemand bereit ist für dieses Auto den Gegenwert einer Eigentumswohnung zu zahlen.

Dawn: Eines der leistungsstärksten Cabrios der Welt

Der Geist der Verzückung umweht einen auch beim Dawn, der Edel-Brite für Frischluft-Connaisseure. Das Cabrio, optisch stark an den Wraith angelehnt, zählt zu den leistungsstärksten Cabrios der Welt. Der 6,6-Liter-Biturbo-V12 lässt mit 570 PS und 780 Netwonmeter Drehmoment erst gar nicht den Wunsch aufkommen, einen Chauffeur hinters Lenkrad zu lassen. Es würde auch die gebotene räumliche Distanz fehlen, den sowohl der Dawn als auch der Wraith, das Coupé des Ghost, sind für Rolls-Royce-Verhältnisse mit 5,2 Meter vergleichsweise klein dimensioniert. Dafür sind beide Modelle um gut 130.000 Euro billiger als die klassische Chauffeurs-Limousine Rolls Royce Phantom. Das Flaggschiff der Marke ist 5,8 Meter lang.
Der Dawn, frei nach den Rolls Royce Poeten nach der morgendliche Dämmerstunde benannt, ist wendiger und dynamischer als der Ghost. Das Bediensystem stammt unverkennbar vom Mutterkonzern BMW, das allerdings Mann und Maschine gleich an einem Tag zwei Mal in die Irre führt. Dafür kann man sich im Cabrio der Briten so bequem ausbreiten, wie in kaum einem anderen Modell ohne Verdeck. Selbst wer auf dem hinteren Rang logiert, muss beim Komfort keinen Abstriche machen.

Messinstrumente wie aus der Zeit gefallen.

Vom digitalen Cockpit ist man bei Rolls Royce noch meilenweit entfernt.

Analoge Uhr

Automatisches Schalten mit Satellitenunterstützung

Den krönenden Abschluss des Tages bildet der Wraith. Kein Rolls Royce ist stärker motorisiert, keiner sportlicher. Der Wraith ist wie die anderen beiden als „Drivers car“ konzipiert. Der Wraith, mit 2,5 Tonnen, ebenfalls ein ordentlicher Brocken, beschleunigt ebenso mühelos wie seine anderen beiden Brüder aus der Selbstfahrer-Abteilung. Dazu lassen die Briten aus dem 12-Zylinder-Motor - ausnahmsweise wohl gemerkt - auch ein dezent verhaltenes Grummeln aus dem Auspuff verlauten. Doch ein Sportwagen, der seine Kraft unverholen hinausbrüllt, ist er nicht und wird er wohl nie. Er bleibt stets ein Sir und selbst in scharfen Kurven souverän und selbst bei schwierigen Passagen Herr der Lage. Das hier rohe, fast versteckte Kräfte am Werk sind, merkt man höchstens am unbedingten Willen zum Vorwärtstrieb. Entfaltet doch dieses Coupé Kräfte einer 6,6 Liter-Maschine mit 632 PS. Diese kommen intelligent zum Einsatz. Die Acht-Gangautomatik ist mit dem Navigationssystem verknüpft und passt diese an die Strecke an. Kommt eine Kurve, schaltet der Wraith zunächst mal, wenn man Gas gibt, sogar zurück, um dann aus der Kurve heraus, umso schneller zu beschleunigen. Auch das ist Butler-Service at ist best.

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