Generalimporteur Mercedes-Österreich sagt Tschüss

Generalimporteur Mercedes-Österreich sagt Tschüss

Der Laden bei Mercedes brummt. Modelle wie die neue E-Klasse kommen gut an. Vor struktruellen Änderungen im Konzern bleibt die Österreich-Zentrale dennoch nicht verschont.

Mercedes verabschiedet sich als Importeur aus Österreich. Nur noch Rudimente sollen hier verbleiben. Der neue große, aufgewertete Standort wird Prag. In Salzburg, der bisherigen Importeurszentrale, wackeln damit etliche der 200 Jobs. Selbst ob der Standort erhalten bleibt, ist nicht in Stein gemeiselt. Welche Pläne Mercedes für die neue Verwaltungsstruktur in der Schublade hat, welche Bereiche betroffen sind und was Händler und Werkstätten-Betreiber davon halten.

Salzburg/Wien. Bis März 2013 war die Welt von Mercedes in Österreich noch in Ordnung. Denn bis dahin war Österreich bei Mercedes-Benz der einzige Kernmarkt in Europa, in dem die Importeuersfunktion nicht zur Gänze in den Händen der Daimler AG lag. Bis zu diesem Zeitpunkt war vielmehr die Salzburger Pappas-Gruppe Generalimporteur der Premiummarke in Österreich. Die Salzburger hatten sich bis dahin vertraglich über Jahrzehnte hinweg diese Position gesichert. Doch nach langem Kampf hat sich der Hersteller durchgesetzt und hat die Rolle des Generalimporteurs an sich gerissen.

Mercedes verabschiedet sich als Importeur aus Österreich

Das hätte wohl nicht nur die Pappas-Gruppe lieber anders gehalten, die als Generalimporteur glänzend verdient hat, auch mit Ersatzteilen, sondern wohl auch die Mitarbeiter in der Salzburger Zentrale. Denn jetzt bleibt nach der Übernahme kein Stein auf dem anderen. Bis Ende 2017 soll alles anders sein. Der Konzern plant eine Cluster-Lösung. Dazu wird die Unternehmensstruktur von Mercedes gleich in drei Ländern über den Haufen geworfen. So soll Polen, Tschechien und Österreich zu einem neuen Länderverband zusammengefasst werden. Hauptsitz des Clusters "Central Europe" wird Prag. Die Funktion der Österreich-Importeuersvertretung von Mercedes ist damit gestorben.

"Ziel ist es, vor allem Leitungs- und Verwaltungsfunktionen zu bündeln. Wir wollen uns in Europa im Vertrieb und im After-Sales-Service noch effizienter und schlanker aufstellen", so Mercedes-Österreich-Sprecher Bernhard Bauer. Mercedes würde damit nachholen was Marken wie Volkswagen und BMW schon längst praktizieren. Eine Mercedes Benz-Österreich GmbH soll es in Österreich, nach aktuellem Stand, geben. Bauer: "Vertrieb, Außendienst oder Marketing braucht man in jedem Land." Das Projekt, also die Bildung der Länderverbände, soll dem Vernehmen nach, jedoch nur die Pkw-Sparte betreffen.

Wie viele Mitarbeiter in Salzburg ihren Job verlieren werden, wurde noch nicht kommuniziert. Dass es Kündigungen geben wird, liegt jedoch auf der Hand. Wer mit hoher Wahrscheinlich den Job - zumindest in seiner jetzigen Form - verliert, ist Corinna Widenmeyer, die bisherige Chefin von Mercedes-Österreich. Der Posten in Prag ist laut Daimler mit Marc Boderke besetzt. Auch andere Köpfe in der Salzburger Führungsetage dürften bald Geschichte sein, wenn man Leitungsfunktionen bündeln will, wie es so schön heißt.

Übermorgen geht es schon los

Zeit das Neue zu verdauen, haben die Mitarbeiter nicht. Dennoch scheint die Sache von langer Hand geplant. Denn schon mit 1. April, also übermorgen, startet Mercedes mit der neuen Struktur ins operative Geschäft. "Der Marketingleiter in Österreich, wird beispielsweise nicht mehr an die Österreich-Chefin, also Corinna Widenmeyer, berichten, sondern dem Marketingleiter des Clusters", sagt Mercedes-Österreich-Sprecher Bauer. Die Mitarbeiter seien über die Pläne der Neuausrichtung informiert. Der Betriebsrat eingebunden.

Österreich-Standort nicht in Stein gemeißelt

Das bedeutet wohl dass der Verwaltungsstandort Österreich nur noch in äußerst abgespeckter Form bestehen bleibt, wenn überhaupt. Denn parallel zur Bildung der neuen Struktur läuft auch eine Standortüberprüfung einzelner Niederlassungen. "Darin wird bewertet, ob ein Standort der richtige ist und die Kosten und die Infrastruktur passen", sagt Bauer. Derzeit werden für den Standort Österreich noch die Daten erhoben. Ein Ergebnis steht laut Bauer noch nicht fest. Das bedeutet wohl: Wenn am Standort Salzburg die Kostenstruktur nicht passt, war´s das für den Standort Österreich.

Händler und Werkstätten-Betreiber in Sorge

Der Abzug des Importeurs löst auch unter den Mercedes-Händlern und -Werkstätten in Österreich wenig Begeisterung aus. Man fürchtet um die Betreuung durch die nächsthöhere Instanz im Konzern, die für den geregelten Nachschub an Autos, Ersatzteilen und Verkaufsargumenten zuständig ist. Österreich ist immerhin das stärkste Absatzgebiet des neuen Clusters. Mercedes-Sprecher Bauer beruhigt: "Durch die Bündelung der Regionalgruppe können wir in der Konzernzentrale in Stuttgart sogar mehr für uns herausholen als jedes Land für sich alleine."

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