Gebrauchtwagenhändler-Umfrage: Sind Diesel bereits Ladenhüter?

Gebrauchtwagenhändler-Umfrage: Sind Diesel bereits Ladenhüter?

Die Zulassungszahlen von Diesel-Neuwagen sinken seit Monaten. Am meisten könnte die Diesel-Diskussion jedoch Gebrauchtwagenhändler treffen. trend.at hat deshalb nachgefragt, ob die Preise gebrauchter Diesel bereits sinken, sich die Lager mit NOx-Sündern füllen und ob sich die Ökoprämien, die es beim Eintausch alter Dieselmodelle gibt, aufs Geschäft schlagen.

Die Verkaufszahlen sprechen eine deutliche Sprache. Von Jänner bis Ende August wurden in Österreich 4,6 Prozent weniger Diesel-Neuwagen verkauft als im selben Zeitraum des Vorjahres. Noch 2016 sah die Welt anders aus. Da wurden über das ganze Jahr noch um fünf Prozent mehr Neuwagen mit Dieselantrieb verkauft als 2015. Aber immerhin waren heuer noch 57,5 Prozent aller Neuwagen Dieselmodelle.

Doch nicht die neuen Diesel-Autos, die der Abgasnorm Euro Norm 6 entsprechen, gelten im Vergleich zum Benziner als besonders gesundheitsschädlich, sondern vor allem Modelle der Euro Norm 1 bis 4. Die werden jetzt auch von der Politik am stärksten an den Pranger gestellt. Bei diesen Gebrauchtwagen droht entsprechend ein Preisverfall. Auch Fahrzeuge der Euro Norm 5 könnten preislich unter Druck geraten. Doch wie sieht die Lage derzeit am Markt tatsächlich aus? Trend.at hat sich bei den Gebrauchtwagenhändlern umgehört.

Ruhe vor dem Sturm?

Bisher scheinen die Debatten nicht vom Kauf von gebrauchter Dieselautos abzuschrecken. „Diese werden nach wie vor genauso häufig gekauft wie früher“, hält Josef Hajdinja, Geschäftsinhaber des Grazer Gebrauchtwagenhändlers automobilcenter.at fest.

Simic Dejan, Chef der Wiener Gebrauchtwagenhändlers Autoinsel bemerkt bei den Kundenpräferenzen ebenfalls keinen Unterschied zu früher: „So lange die Angst vor einem Preisverfall nicht auf die Masse überspringt, wird es keine großen preislichen Veränderungen geben.“ Rainer Schirfeneder, Standortleiter von Eisner Gebrauchtwagen-Park in Wien Simmering bemerkt eine „minimal geringere Nachfrage nach Dieselautos.“ Auf der anderen Seite registriert er einen leichten Anstieg bei der Nachfrage nach Benzinern.

Interessenten stark verunsichert

Alle befragten Gebrauchtwagenhändler stellen jedoch bei den Kunden eine hohe Unsicherheit bei der Frage, rund um den Kauf eines Diesels fest. „Die Leute kommen mit vielen Fragen zu uns“, berichtet Eisner-Standortleiter Schirfeneder. „Aber die Kunden merken, dass die Politik überschießend reagiert hat und sie verstehen, dass es ohne Diesel noch lange nicht gehen wird“, so der Simmeringer Gebrauchtwagen-Profi. Er erwartet, dass die Diesel-Diskussion wieder abebben wird und sich die Lage beruhigen wird, schränkt aber ein: „Wir nehmen die Situation ernst. Früher oder später wird es zu Änderungen kommen und das wird sich auch in den Preisen widerspiegeln.“

Noch habe aber kein Preisverfall stattgefunden. "Dass Leute hereinkommen und nun einen Dieselwagen billiger haben wollen, ist noch nicht vorgekommen", sagt Schirfender. Derzeit richte er sich bei der Preisgestaltung unverändert an den Preislisten des Gebrauchtwagen-Bewerters Eurotaxx.

Lagerbestand unverändert

Dass die Kunden nun vermehrt ihre alten Diesel loswerden wollen, ist den Gebrauchtwagenhändlern zufolge ebenfalls nicht der Fall. „Am Lagerbestand und am Verhältnis Diesel- und Benzinautos hat sich seit der starken medialen Berichterstattung zu dem Thema nichts geändert“, so Automobilcenter-Boss Hajdinja. Ähnlich sehen das die weiteren befragten Gebrauchtwagenhändler.

Sorgen machen sich die Gebrauchtwagenhändler meist aber schon, wenngleich auch Zweckoptimismus herrscht: „Angst kann man sich in dem Geschäft sowieso nicht leisten“, so der Grazer Händler Hajdinja.

Vor allem bei Dieselmodellen mit der neuen Euro Norm 6 erwarten die Gebrauchtwagen-Verkäufer, dass diese sich im Preis auch langfristig gut halten werden. Ein großes Fragezeichen, was die künftige Preisentwicklung betrifft, sehen sie jedoch bei Autos der Euro Norm 5. „Da lässt sich schwer erahnen, wie sich die Preise entwickeln werden. Das Auto ist preislich ein Wackelkandidat“, warnt Eisner-Mann Schirfender.

Gebrauchtwagenhändler ist nicht gleich Gebrauchtwagenhändler

Beim Gebrauchtwagen-Geschäft gibt es jedoch im Prinzip zwei unterschiedliche Geschäftsmodelle. Die einen verkaufen wie Eisner relativ junge Gebrauchtwagen, die anderen die sehr billigen alten Gebrauchtwagen, die meist auch viele Kilometer am Tacho haben. „Diese Händler verkaufen die Autos ohne großen personellen Aufwand mitunter aus einem Container heraus“, erzählt Schirfender.

Für einen Gebrauchtwagenhändler sind solche alten Modelle auch deshalb ein schwieriges Business, da die Händler verpflichtet sind, auf jedes Auto eine Garantie zu gewähren. „Die Risiken sind bei solchen Modellen nicht abschätzbar“, so der Simmeringer Händler.
Die jüngste Verkaufsaktion der Neuwagen-Händler auf alte Autos eine Ökoprämie zu zahlen - diese gibt es meist nur für den Eintausch eines betagten Autos - betrifft daher viele Gebrauchtwagenhändler, die sich auf jüngere Modelle konzentrieren, nicht.

„Gebrauchtwagen in der Steiermark im Schnitt um 1.000 bis 1.500 Euro billiger“

Der größere Konkurrent für die Gebrauchtwagenhändler ist jedoch der Verkauf im Internet. "Der Markt hat sich dadurch total verändert. Die Kunden verkaufen ihre alten Autos oft nicht mehr dem Händler, sondern bieten diese selbst auf Gebrauchtwagenportalen an" ärgert sich Dejan vom Unternehmen Autoinsel. „Viele bieten ihr Auto viel zu teuer an und bekommen es dann nicht los. Am Ende landen sie dann wieder bei uns“, so Dejan.

Manchmal nutzt auch der Standort eines Gebrauchtwagenhändlers, um im harten Geschäft zu überleben. Was etwa auf den Grazer Händler von Automobilcenter zutrifft. „Unsere Kunden kommen vielfach aus Salzburg, Nieder- und Oberösterreich, weil in der Steiermark die Gebrauchtwagen im Schnitt um 1.000 bis 1.500 Euro billiger sind als in diesen Bundesländern und die Autos auch häufig in einem besseren Zustand angeboten werden.“

Gebrauchte Elektroautos werden derzeit übrigens praktisch keine nachgefragt.

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