Gebrauchte Dieselautos: Der große Preisverfall droht demnächst

Gebrauchte Dieselautos: Der große Preisverfall droht demnächst

Dieselauto-Besitzer, die ihr Auto weiterverkaufen möchten, könnten schon bald mit massivem Preisverfall konfrontiert sein.

Noch ist am österreichischen Gebrauchtwagen-Markt für Dieselautos alles relativ ruhig. Doch bereits innerhalb der nächsten Wochen droht ein Preisverfall. Warum die Preise fallen dürften, welche Abgasklasse am stärksten betroffen sein dürfte und welche Diesel-Autobesitzer die Gewinner sein könnten.

Die Preise für gebrauchte Diesel sind, laut Angaben der Händler, in Österreich noch relativ stabil. Wenn sie auch erodieren. Seit April 2017 sind die Preise von alten Dieselmodellen laut einer Analyse des Gebrauchtwagenbewerters Eurotax im Vergleich zum Vorjahreszeitr um vier Prozent gesunken. Das entspricht bei einem Wagen der beispielsweise um 25.000 Euro verkauft wird, einem Wertverlust von 1.075 Euro. Siehe auch trend.at-Artikel Diesel-Gebrauchtwagen: "Das neue Händlergift".

Schon in den nächsten Wochen droht Preisverfall

Doch dieser noch vergleichsweise moderate Preisrückgang dürfte nach Schätzungen von Brancheninsidern nur die Ruhe vor dem Sturm sein. „Schon in den nächsten Wochen werden die Preise für gebrauchte Diesel deutlich sinken“, prognostiziert ein Insider. Hauptgrund sei der steigende Angebotsdruck aus Deutschland. Dort kommen immer mehr gebrauchte Diesel auf den Markt, die keinen Käufer mehr finden oder nur zu deutlich niedrigeren Preisen als bisher. Das dürfte auch das Marktgefüge in Österreich verändern, wenn so mancher Händler das derzeit auch noch in Abrede stellen. Renato Eggner, Geschäftsführer von Raiffeisen-Leasing Fuhrparkmanagement, spricht jedoch Klartext: „Die Entwicklung in Deutschland wird auch auf die Preise von gebrauchten Dieselautos in Österreich drücken."

Vorbote des Preisverfalls ist die Entwicklung in Deutschland. Dort schlägt der Preisverfall teilweise bereits mit voller Wucht zu. Betroffen sind sowohl private Verkäufer als auch Leasinggesellschaften, die zunehmend mit Diesel-Rückläufern konfrontiert sind, die sie nur noch schwer noch los werden. Das Problem der Leasingfirmen: Sie ihren Leasingnehmern (Firmen) einen vorher fix vereinbarten Restwert für die Autos garantiert und müssen nun selbst die Verluste, durch die durch den niedrigen Wiederverkaufswert entstehen, tragen – sofern sie diese nicht durch verschärftes Augenmerk auf Mängel bei der Rückgabe auf die Kunden abwälzen können. Viele Leasinggesellschaften müssen daher ihren Fahrzeugbestand, Leasingfirmen bleiben ja die Besitzer der Leasingfahrzeuge, abwerten. Das droht auch in Österreich. Laut Insidern haben unter den mehr als 20 Leasingfirmen in Österreich aber noch nicht einmal eine Handvoll ihren Bestand abgewertet.

EU-Diesel-5 in der gehobenen Mittelklasse um bis zu 5.000 Euro weniger Wert als bisher

Flottenmanager in Deutschland berichten bereits von einem Preisabschlag von bis zu 5.000 Euro auf die offizielle Preisliste für gebrauchte Modelle. Am stärksten betroffen ist laut einem Flottenmanager gebrauchte EU-5-Diesel , im Schnitt zwei bis drei Jahre alt und in der gehobeneren Mittelklasse. Das sind typischerweise Audi A4, Mercedes C-Klasse oder einer 3er BMW und Modelle aufwärts wie Audi A6, Mercedes E-Klasse oder beispielsweise 5er BMW. Aber auch alle andere Marken sind betroffen. Je höher der Wert und die Ausstattung, umso stärker schlägt sich naturgemäß der Preisverfall nieder.

Fahrverbote in Deutschland kurz vor der Umsetzung

Der Grund für den rapiden Preisrückgang sind erste Beschlüsse von Fahrverboten in Deutschland. Vorreiter sind die drei großen Städte Hamburg, München und Stuttgart. Sie stehen mit ihren Fahrverboten kurz vor der Umsetzung. Spätestens 2018 soll zunächst in diesen Städten das Diesel-Aus für bestimmte Zonen oder der kompletten Stadt gelten. In mehr als 40 deutschen Städten ist an viel befahrenen Straßen die Luft höher belastet als erlaubt. Auch in diesen Städten drohen Zonen in denen das Fahren bestimmter Dieselautos verboten werden könnte. Betroffen sein dürften nach aktuellem Stand aber nicht nur Stinker der Euro-Norm 3 und 4, sondern auch der jüngeren Fahrzeuggeneration der Kategorie 5 - die in Deutschland eben deshalb mit dem höchsten Preisrückgang konfrontiert ist.

240.000 Dieselautos in Hamburg von Fahrverbot betroffen

Die Zahl der Autos, die das Fahrverbot trifft, dürften damit in Deutschland in die 100.000e gehen. Alleine in Hamburg sind knapp 240.000 Dieselautos vom demnächst wohl umgesetzten Fahrverbot betroffen. In der Hansestadt will man noch in diesem Jahr das endgültige Ok für das Fahrverbot durchboxen. Vorerst sollen nur Straßen im Stadtteil Altona mit einem Fahrverbot für alle Dieselautos, die nicht der neuesten Euro-6-Norm entsprechen, belegt werden. Doch eine deutliche Ausweitung der Zone gilt als wahrscheinlich. Denn der Stickoxide-Ausstoß, der zur Bemessung der Fahrverbotsstrecken für Euro-4- und Euro-5-Diesel herangezogen wurde, wurden nur auf dem Prüfstand gemessen, nicht aber im Realbetrieb. Wird dieser Messwert herangezogen, dürften weitere Zonen folgen. Hintergrund des Diesel-Fahrverbots in Hamburg ist ein neuer Luftreinhalteplan des rot-grünen Senats in Hamburg. Darin ist festgehalten, dass bis 2025 alle gesetzlich festgelegten Grenzwerte in der Stadt eingehalten werden müssen.
In München zieht Oberbürgermeister sogar ein flächendeckendes Fahrverbot in Erwägung. Dann dürfte die Zahl der überflüssigen Diesel noch um einiges höher steigen, als nach den Beschlüssen in Hamburg.

Stuttgart: Fahrverbot laut Gericht unausweichlich

In Stuttgart wurde das Verbot zwar vorerst auf Eis gelegt. Doch das Gericht hat bereits angekündigt, dass ganzjähriges Diesel-Fahrverbot in der Umweltzone der Stadt unausweichlich sei und rechtlich auch zulässig.

Umweltorganisation macht zusätzlich Druck

Zusätzlichen Druck macht in Deutschland die Umweltorganisation BUND. Diese möchte überhaupt einen Verkaufsstopp für Diesel-Autos mit zu hohem Stickoxid-Ausstoß erreichen. Ihr Ziel ist es gar den Verkauf auch von Euro-6-Diesel-Neuwagen zu verbieten, wenn sie auf der Straße die Schadstoffgrenzwerte der EU überschreiten. Das dafür zuständige Kraftfahrt-Bundesamt hat eine einstweilige Verfügung zwar abgelehnt. Aufgeben tun die Umweltschützer aber nicht.

Unsicherheit über Fahrverbote in Österreich heizt Preisverfall an

Wie stark der Preisverfall in Österreich tatsächlich ausfallen wird, hängt aber nicht nur von der Umsetzung von Fahrverbotszonen in Deutschland ab.
Sondern auch, wie schnell sich die neue Regierung auf Fahrverbote für bestimmte Abgasnormen einigt, glaubt Renato Eggner, Geschäftsführer von Raiffeisen-Leasing: „Nur wenn darüber Sicherheit herrscht, welche Fahrzeugklassen und welche Städte betroffen sind, wird sich ein Preisverfall in Grenzen halten.“ Doch von solchen Regelungen ist man noch weit entfernt. „Der sinkende Wert von gebrauchten Dieselautos ist deshalb auch ein hausgemachtes Problem. Solange es über die künftige Entwicklung Unsicherheiten gibt, werden Dieselautos weiter an Wert verlieren“, warnt Eggner. Der Raiffeisen-Fuhrparkexperte hält Dieselfahrverbote in bestimmten Zonen für Modelle der Euro-Norm 3 und 4 für sinnvoll. "Damit kann man bereits 48 Prozent aller Emissionen sparen."

Wie hart es Preise für gebrauchte Euro-5-Modelle in Österreich treffen wird, ist umstritten

In Deutschland kennt man aber bei der geplanten Umsetzung von Fahrverboten aber vielfach auch bei Autos mit der Abgasnorm EU-5 kein Pardon. Fahrzeugprofi Eggner hält einen Rückgang der Preise für dieses Fahrzeugsegment aber nicht für wahrscheinlich: „Mit einem Software-Update können Fahrzeuge dieser Klasse den Stickoxid-Ausstoß auf ein ähnliches Niveau senken, wie es jene der Euro-6 schaffen. Ein Wertverfall dieser Modell, abseits der Norm, kann so verhindert werden.“ Wenn allerdings der österreichische Gebrauchtwagenmarkt mit Euro-5-Autos aus Deutschland überschwemmt wird, könnte ein Software-Update unter Umständen auch nicht mehr viel helfen.
Diesel-Modelle, die eine ältere Abgasklasse aufweisen, sind natürlich von der rückläufigen Nachfrage ebenso betroffen, nur hält sich dort, schon alleine da die Modelle älter und ohnehin weniger gefragt sind, der Wertverlust insgesamt in Grenzen.

Gewinner: Besitzer von Autos der Euro-6-Norm

Generell seien laut Eggner, jene Fahrzeuge die zwei, drei Jahre alt sind und nicht mehr als rund 60.000 Kilometer gefahren worden sind, am Gebrauchtwagenmarkt am begehrtesten. Bleibt also die wage Hoffnung, dass der eigene Wagen seinen Preis nicht oder nicht allzu stark verliert, sofern dieser gut in Schuss ist. Zudem haben laut Eggner private Anbieter bessere Chancen ihren Diesel noch zu vernünftigen Preisen losschlagen zu können, als Leasingfirmen. Die Dieselautos, die die Kunden der Leasingfirmen wieder zurückstellen, haben meist deutlich mehr als 100.000 Kilometer abgespult und sind schon deshalb nicht sonderlich begehrt. Ihre Nachfrage könnte deshalb noch weiter sinken.
Einziger Gewinne, der neuen Dieselfahrverbote könnten Autobesitzer der Euro-6-Norm sein. „Ihre gebrauchten Fahrzeugen könnten, aufgrund der steigenden Nachfrage nach diesen Modellen, sogar stärker als bisher nachgefragt werden“, prognostiziert Eggner. Das könnte bedeuten, dass man für Fahrzeuge dieser Abgas-Klasse sogar höheren Preis verlangen kann, als in der Vergangenheit.

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