Fuhrparks machen Ernst mit Elektroautos

Lange waren Elektroautos für Firmen reine PR-Sache. Das ändert sich jetzt. Fuhrparkmanager erzählen von den Gründen für den Strategieschwenk und wie sie Probleme mit Reichweite und Ladeinfrastruktur bewältigen.

Fuhrparks machen Ernst mit Elektroautos

Zu wenige öffentliche Ladestationen führen dazu, dass Firmen zur Selbsthilfe greifen.

Die große Umstellung hat Markus Novosel, Flottenchef des Schweizer Aufzugherstellers Schindler mit österreichischer Niederlassung, noch vor sich. Bis 2023 soll der CO2-Ausstoß des Unternehmens laut Konzernvorgaben um rund 25 Prozent sinken. An den Standorten in Österreich müssen bis dahin rund 30 konventionell betriebene Fahrzeuge neuen Elektroautos weichen.
Vor ähnlichen Aufgaben stehen derzeit etliche Fuhrparkmanager. Das gestiegene Umweltbewusstsein und rigide EU-Vorschriften beschleunigen aktuell den Umbau vieler Dienstwagenfuhrparks hin zur Elektromobilität.

No-Go Plug-in-Hybrid
"Viele Betriebe haben in letzter Zeit strengere CO2-Ziele formuliert", weiß Brigitte Bichler, Commercial Director bei Arval Austria (siehe Interview übernächste Seite) und ergänzt: "Flottenmanager sind mehr denn je gefordert, ihren Fuhrpark kosteneffizient und umweltfreundlich zu managen. Der Einsatz alternativer Technologien könnte eine Antwort auf beides sein." Im Fokus steht die Anschaffung reiner Elektroautos, speziell bei größeren Unternehmen. "Plug-in-Hybride sind mittlerweile ein No-Go. Der Verbrauch ist so hoch wie bei einem Benziner", so die Erfahrung von Norbert Linninger, Logistikchef der Energie Steiermark. Auch finanziell kann sich der Schwenk lohnen, wenn staatliche Förderungen wie zuletzt die erhöhte Investitionsprämie für Ersparnisse beim Kauf sorgen.

Sprunghafter Anstieg
Lange spielten Fahrzeuge mit E-Antrieb in Firmenfuhrparks kaum eine Rolle. Bichler: "Jetzt kommt Bewegung in die Sache." Laut dem Fleet-Barometer des Arval Mobility Observatory, für das in Österreich 251 Flottenmanager befragt wurden, planen österreichische Unternehmen mit einer Größe zwischen zehn und 99 Mitarbeitern, den Anteil der Elektroautos in drei Jahren von derzeit 45 Prozent auf 75 Prozent zu erhöhen. Bei Firmen ab 250 Mitarbeitern ist der geplante Anteil ähnlich hoch (siehe Grafik).

Praxistauglich
Vorbei sind die Zeiten, in denen Unternehmer, die sich eine E-Auto-Flotte zulegten, für heillose Idealisten ohne Sinn für Zahlen und Fakten gehalten wurden. Zu teuer, zu wenige Ladepunkte, nicht alltagstauglich, lautete die Kritik. Doch mit den neuen Modellen mit ihren höheren Reichweiten schwinden auch die Bedenken der Flottenmanager: "Reichweiten und Ladezeiten der neuen Modelle sind bereits wirklich gut. Die Fahrzeuge sind echt praxistauglich", befindet der Energie-Steiermark-Fuhrparkmanager.

Im Schnitt schaffen E-Autos laut einer Studie des Managementberaters Horváth &Partners mit einer Ladung rund 375 Kilometer. Schon 2025 wird eine Reichweite von durchschnittlich 784 Kilometern prognostiziert.
Das Einsatzgebiet ist in den Firmen dennoch klar eingegrenzt: "Nur unsere Monteure, die in größeren Städten wie Wien Kunden betreuen, bekommen Elektroautos", so Novosel. Ähnlich klein hält man den Aktionsradius auch bei der Energie Steiermark.

Firmen sehen sich gezwungen eigene Ladestationen zu errichten
Das meiste Kopfzerbrechen bereitet den Fuhrparkmanagern aber das Tanken. "Die größte Hürde ist die geringe öffentliche Ladeinfrastruktur", kritisiert Bichler. 60 Prozent der von Arval befragten Manager wollen deshalb ihre Mitarbeiter unterstützen, private Wallboxen zu installieren. Rund 40 Prozent der 251 befragten Flottenmanager überlegen, am Firmenstandort Ladepunkte zu installieren. Eine kostspielige Angelegenheit. So investiert Schindler für sieben Ladepunkte 105.000 Euro.
Vor allem die zwei 75-kW-Gleichstromtankstellen gehen ins Geld. "Damit können die Fahrzeuge in rund 20 Minuten zur Hälfte beladen werden. Sie kosten zwar zehnmal so viel wie eine Wechselstromanlage, für diese benötigt man allerdings auch drei, vier Stunden für dasselbe Ergebnis", so Novosel.

Firmen mit über 250 Mitarbeiter haben die meisten Elektroautos.

Anschaffungspreis entscheidend für Wirtschaftlichkeit
Ob sich Elektroautos rechnen, hängt vor allem vom Anschaffungspreis ab. "Das ist der Knackpunkt", so der Flottenprofi. Rudi Lins, Geschäftsführer der Vorarlberger Baufirma Tomaselli Gabriel Bau, der bereits 30 E-Autos im Fuhrpark hat, hält die Investition auch wirtschaftlich für sinnvoll, "liegen die Kosten für den Strom doch nicht einmal bei der Hälfte der Dieselkosten für herkömmliche Autos". Der Ökostrom kommt aus der hauseigenen Schnellladestation und aus zehn sogenannten Wallboxen, die auf dem Firmengelände aufgestellt wurden. Das Unternehmen hat seinen Fuhrpark bereits vor fünf Jahren mit den ersten 15 Elektroautos bestückt.

Wegen der geringen Ladeinfrastruktur gehen manche Firmen dazu über, eigene Ladepunkte zu installieren. Quelle: Arval Mobility Observatory, Stand 2021.

Liquidität schonen
Um die Kosten der Elektroautoflotte im Blick behalten zu können, greift man bei Schindler auf Operating Leasing zurück. "Das macht die laufenden Kosten genau kalkulierbar", so der Flottenchef. Vereinbart wird dabei eine feste monatliche Leasingrate, die während der gesamten Laufzeit gleich bleibt. Die Anschaffungskosten übernimmt die Leasingfirma, Marktwert- und Verwertungsrisiko tangieren Leasingnehmer damit nicht. Laut dem Flottenbarometer steigt das Interesse am Operating Leasing in den nächsten Jahren merklich.


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Trendsetter
68 Prozent der Befragten planen, Operating Leasing zur Finanzierung ihres Firmenfuhrparks einzuführen oder verstärkt zu nutzen. Bei der vergangenen Umfrage lag der Vergleichswert erst bei 41 Prozent. Bei Firmen über 250 Beschäftigten wird Operating Leasing sogar zur Finanzierungsmethode Nummer eins. Größere Firmen gelten hier oft als Trendsetter.Insgesamt achten Firmen mehr denn je darauf, ihre Liquidität zu schonen und dabei auch noch ökologisch korrekt zu ihren Kunden zu gelangen.

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