Flixbus soll Konkurrenten mit wilden Methoden aus dem Markt drängen

Flixbus soll Konkurrenten mit wilden Methoden aus dem Markt drängen

Flixbus wird Erpressung und unlauterer Wettbewerb vorgeworfen.

Es klingt nach einem knallharten Wirtschaftskrimi. Billigbus- und -Zuganbieter RegioJet beschuldigt Flixbus sie und andere Konkurrenten durch extremes Preisdumping und Erpressung aus dem Markt zu drängen. In Österreich kooperieren große Busunternehmen wie Blaguss bereits mit Flixbus.

Im Kampf um Billigkunden im Bus- und Zugfernverkehr geht Flixbus, der größte Anbieter in Zentraleuropa, angeblich alles andere als zimperlig vor. Konkurrent RegioJet beschuldigt den Billigbus-Betreiber den Markt mit Dumpingpreisen zu unterfahren und Konkurrenten sogar durch Erpressung aus dem Markt drängen zu wollen. Vor allem in Tschechien, wo Flixbus noch nicht Marktführer ist, fühlt sich RegioJet bedroht. Auch in Österreich soll Flixbus mit harten Bandagen um Kunden kämpfen.


Damit wird das Ziel verfolgt, das Geschäft anderer Anbieter auf dem Markt zu schädigen und zu zerstören

RegioJet, privater Anbieter für Langstrecken Bus- und Zugreisen in Europa, und andere Anbieter, gehen nun in einem ersten Schritt mit einer außergerichtlichen Forderung gegen Flixbus vor. Dabei geht es um Geschäftspraktiken auf dem tschechischen Markt. "Dort betreibt Flixbus seit mehr als neun Monaten unfairen Wettbewerb und bietet Tickets für Fernbusstrecken an, die nur 55 Prozent der Betriebskosten abdecken. Und die Preise dafür sinken laufend. Damit wird das Ziel verfolgt, das Geschäft anderer Anbieter auf dem Markt zu schädigen und zu zerstören“, behauptet Radim Jančura, Gründer und CEO von RegioJet. Für den Fall, dass Flixbus "diese wettbewerbsverzerrenden Aktivitäten nicht einstellt, sehen wir uns gezwungen, gerichtlich gegen das Unternehmen vorzugehen", setzt Jančura nach.

Flixbus nennt hohe Kosten der Konkurrenz für Gratis-Service als Grund für teurere Tickets

In einer Stellungnahme gegenüber trend.at erklärt Fixbus jedoch bisher keine außergerichtliche Forderung von RegioJet und anderen Mitbewerbern erhalten zu haben. "Flixbus arbeitet mit einem Preissystem, dass sich an Fahrtzeit und Busauslastung orientiert sowie auf attraktiven Preisen und zeitlich begrenzten Kampagnen basiert. Wir halten uns hierbei stets an die gesetzlichen Bestimmungen des jeweiligen Landes", begründet David Krebs von Flixbus die Preispolitik des Transportunternehmens.
Als Grund für die günstigeren Preise als "die meisten unserer Wettbewerber" nennt Flixbus vielmehr die höheren Kosten der anderen. "Durch kostenlose Serviceangebote sind unsere Wettbewerber zu höheren Preisen als wir gezwungen", so Flixbus-Sprecher Krebs.


Nur noch in Tschechien keine marktbeherrschende Stellung


RegioJet hat sich auch mit der Bitte an die EU-Kommissarin Vestager gewandt, die Ermittlungen zur Situation des Markts für Langstrecken-Busfahrten in Tschechien in die Wege zu leiten. Jančura: "Der tschechische Markt ist der letzte in der EU, in dem Flixbus keine marktbeherrschende Stellung oder ein Monopol erreicht hat." Das Münchner Start-up Flixbus existiert seit 2011, legte seither aber eine rasante Expansion hin. Nun ist auch die Europäische Parlament ist ebenfalls mit der Causa befasst. Dieses fordert bereits Untersuchungen über die Vorgehensweise von Flixbus, auch in anderen europäischen Ländern.


30 Prozent Gewinnbeteiligung an Ihren Tickets oder Sie werden verdrängt

Flixbus soll RegioJet auch gedroht haben: „30 Prozent Gewinnbeteiligung an Ihren Tickets oder Sie werden verdrängt“, erzählt Jančura von RegioJet. "Wir werden defacto von Flixbus erpresst", setzt der Gründer nach.


Nationalen und europäische Institutionen müssen untersuchen, ob hier ein unfairer Wettbewerb stattfindet oder nicht

Das Europäische Parlament hat zu dem Fall bereits eine erste Stellungnahme abgegeben: „Alle Informationen hinsichtlich Flixbus im Zusammenhang mit nicht kostendeckenden Preisen, die einen gesunden Wettbewerb einschränken und bedrohen, sehe ich aus der Perspektive meiner Arbeit im Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments als einen Grund dafür, eine Debatte zu diesem Thema anzustoßen“, so Martina Dlabajová, Mitglied des Europäischen Parlament.


Marktbegleiter unter Druck zu setzen oder sie zu einer Kooperation zu zwingen, ist inakzeptabel

Die EU Parlamentarierin weiter: „Wenn ein Unternehmen versucht, Marktbegleiter unter Druck zu setzen oder sie zu einer Kooperation zu zwingen, dann ist das ein inakzeptabler wirtschaftlicher Druck, der in erster Linie dazu führt, dass die Kunden geschädigt werden, sich die Qualität der Dienstleistungen verschlechtert und die Preise steigen." In mehreren der 27 EU-Ländern in denen Flixbus tätig ist, ist das Unternehmen bereits Marktführer, unter anderem auch weil viele Mitbewerber eliminiert wurden." Dlabajová: "Ich glaube, dass die nationalen und europäischen Institutionen untersuchen müssen, ob hier ein unfairer Wettbewerb stattfindet oder nicht“.

ÖBB-Busneustarter von Flixbus geschluckt

Gegenüber Flixbus in Österreich gibt es zwar keine ähnlich massiven Vorwürfe wie derzeit in Tschechien, aber erhöhten Konkurrenzdruck verspürt RegioJet-Boss Jančura auch in Österreich. "Als wir Anfang Jänner 2018 die Zugstrecke Wien - Prag neu angeboten haben, hat Flixbus sofort seine Preise gesenkt." Nach dem Markteintritt von Flixbus ist jedenfalls auch in der österreichischen Busverkehrsbranche kein Stein auf dem anderen geblieben. Das haben auch alteingesessene Busunternehmen zu spüren bekommen. Renommierte Austro-Busunternehmen wie Blaguss sahen sich nach dem Markteintritt von Flixbus rasch zur Kooperation gezwungen, ebenso Busspezialist Dr. Richard. Die ÖBB, die 2016 mit der Gründung des Billigbus-Unternehmens Hellö noch tapfer versucht hat gegenzuhalten, musste bereits 2017 vor Flixbus kapitulieren und steht seither im Eigentum des neuen Fernbusgiganten.

Tschechischer RegioJet – letzter Stolperstein für Flixbus in Europa

In Tschechien wehrt sich nun RegioJet nach Leibeskräften gegen Flixbus, das seit dem Vorjahr im Nachbarland aktiv ist. „Nachdem Flixbus beinahe alle nicht-staatlichen Busunternehmen entweder integriert oder vom Markt verdrängt hat, sind wir zum zweitgrößten nicht-staatlichen Verkehrsunternehmen der EU – und somit zum letzten Stolperstein für Flixbus aufgestiegen“, analysiert RegioJet-Boss Jančura. Laut RegioJet ist die Servicequalität in Tschechien schwach. Erst fünf bis zehn Prozent der Reisenden würden dort zu Flixbus wechseln.

In Deutschland, wo Flixbus mittlerweile einen Marktanteil von rund 95 Prozent besitzt, also praktisch eine Monopolstellung hat, ist RegioJet ebenfalls der zweitgrößte nationale Busbetrieb und das obwohl RegioJet mit Dresden - Berlin nur eine innerdeutsche Verbindung anbietet.

RegioJet kämpft gegen die Marktmacht Flixbus

In Deutschland ist Flixbus quasi Monopolist. Nach der Übernahme von Postbus im Jahr 2016 hält Flixbus über 90 Prozent am deutschen Fernbusmarkt. Laut RegioJet sinkt in Deutschland aufgrund der Marktmacht von Flixbus bereits die Qualität und die Leistung von Langstrecken-Busunternehmen. Reisende würden daher öfter lieber wieder mit dem Zug fahren. RegioJet will deshalb die Busverbindungen in Deutschland ausweiten.

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