Ferrari, Porsche & Co: Das verdienen Luxusautohersteller pro Auto

Ferrari, Porsche & Co: Das verdienen Luxusautohersteller pro Auto

Cash is king: Ferrari weiß in der Branche am besten, wie man mit Luxusautos richtig gutes Geld verdient.

Luxusautos gelten als die Cashcows der Autoindustrie. Eine Faustregel lautet: Je größer oder stärker das Auto, umso größer der Gewinne. Das trifft meistens auch zu. Pro verkauftem Auto können Hersteller bis zu knapp 70.000 Euro verdienen. Doch nicht alle Premium- oder Luxusautohersteller arbeitet profitabel.

Unter den Luxusmarken gibt es, wenn es ums Geldverdienen geht, nur einen Star: Ferrari. Dann kommt lange nichts. Die Marge der Italiener ist aber auch gigantisch. Pro verkauftem Fahrzeug bleiben der Autoschmiede aus Maranello vor Zinsen und Steuern 68.987 Euro übrig. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2018 hat Ferrari die Gewinne um knapp 25 Prozent ausgebaut.

Ergebnisse wie dieses hat das Center Automotive Research (CAR) der Uni Duisburg auf Basis der Bilanzen der Hersteller im ersten Halbjahr 2018 errechnet.

Ferrari verdient demnach am meisten mit seinen Autos. Dahinter folgt, allerdings mit klarem Abstand, Porsche. Bei jedem verkauften Auto sprangen für den Hersteller der noblen Sportwagenmarke aber immerhin noch 16.780 Euro vor Zinsen und Steuern heraus. Und Porsche ist es wie Ferrari gelungen, die Gewinne im ersten Halbjahr deutlich in die Höhe zu schrauben, um rund 18 Prozent.

Maserati versteht es CAR zufolge ebenfalls, ordentlich Gewinne zu machen. Pro Auto bleibt der Fiat-Tochter knapp 5.900 Euro übrig.

Doch der Verkauf von Luxusautos ist keine sichere Bank. Die VW-Tochter Bentley macht mit jedem verkauften Auto einen Verlust von 17.425 Euro. Ferrari und Bentley haben somit in ihren Bilanzen nur eine Gemeinsamkeit: Beide Hersteller haben im ersten Halbjahr 5.000 Neuwagen abgesetzt.

Tesla: 11.000 Euro Verlust pro Auto

Tesla ist das zweite prominente Beispiel, das zeigt, dass Glanz und Glamour nicht unbedingt mit hohen Gewinnen verbunden ist. Der kalifornische Autohersteller hat im ersten Halbjahr 71.000 Elektroautos verkauft. Damit allerdings nichts als Verluste eingefahren, und das nicht zu knapp.

Pro verkauftem Fahrzeug errechneten die CAR-Autoexperten bei Tesla einen Verlust von knapp 11.000 Euro. Dieser Geschäftszweig steht für 77 Prozent des Umsatzes von Tesla. Elon Musk verkauft noch Stromspeicher, manchmal auch ein paar Surfbretter und hat eine Leasing-Sparte für seine Elektroautos. Der Umsatz auf dem automotiven Geschäft betrug in den ersten sechs Monaten 4,7 Milliarden Euro. Auf Basis dessen wurde auch die Messlatte für die Einnahmen beziehungsweise Verluste pro Auto kalkuliert.

Die Gewinne der Hersteller pro Fahrzeug lassen Stauen.

BMW: Absatzstärkster Premiumhersteller macht 3.057 Euro Gewinn pro Auto

Der absatzstärkste Premiumhersteller war im ersten Halbjahr BMW mit 1,24 Millionen Fahrzeugverkäufen - inklusive der beiden Tochtermarken Mini und Rolls Royce. Im reinen Fahrzeuggeschäft konnte BMW 41,5 Milliarden Euro Umsatz erzielen und dabei vor Zinsen und Steuern einen Gewinn von 3,8 Milliarden Euro erwirtschaften. Pro Fahrzeug hat BMW damit im ersten Halbjahr 3.057 Euro Gewinn gemacht, bei einem durchschnittlichen Verkaufspreis von 33.401 Euro pro Fahrzeug.

Daimler hat mit den Marken Mercedes und Smart, zwar mit 1,18 Millionen Fahrzeugen etwas weniger Neuwagen als BMW verkauft, aber zu durchschnittlich höheren Preisen als BMW. Der Durchschnitts-Neuwagen ging für 38.458 Euro weg und brachte Mercedes einen Gewinn von 3.343 Euro - pro verkauftem Wagen.

Überraschend hoch auch der Durchschnitts-Preis bei Audi von 37.851 Euro. Ebenfalls stattlich der Durchschnittsgewinn von 3.347 Euro. Wenn bei Audi auch die Lamborghini-Verkäufe, Teilelieferungen nach China sowie Motorenverkäufe an Konzernmarken aus Győr beim Umsatz mitberücksichtigt werden müssen. Daher ergibt sich für Audi beim Durchschnitts-Preis als auch Durchschnitts-Gewinn pro Neuwagen ein höherer Wert. Dennoch ist die Leistung der Ingolstädter respektabel.

Jaguar Land Rover mit magerem Gewinn

Weniger rosig ist die Gewinn-Bilanz von Jaguar Land Rover (JLR). Noch bis vor kurzem galt das britische Unternehmen als Vorzeigeunternehmen des indischen Tata-Konzerns. Hohe Profitabilität und hohes Wachstum brachten bis ins Jahr 2015 große Erfolge. Doch seit der China-Markt 2015 eingebrochen ist, geht es mit dem Wachstum bergab. Von 2016 bis 2017 lag es jährlich nur bei sechs Prozent. CAR-Professor Ferdinand Dudenhöffer: „Zu wenig für die großen Investitionen in ein eigenes China-Werk.“

Auch im ersten Halbjahr 2018 sieht es nicht viel besser aus. Mit rund 71.700 Verkäufen in China betrug das Wachstum 6,8 Prozent. In England und Europa verkauften die beiden Schwesternmarken rund 129.300 Fahrzeuge. Dudenhöffer: „Durch das langsamere Wachstum, hohen Investitionen und dem BREXIT-Stammland England ist der Hersteller aus seiner Erfolgsspur gefallen.“ Der Gewinn pro Fahrzeug lag gerade noch 779 Euro. „Ein dünner Gewinn, trotz des hohen Fahrzeug-Durchschnittspreises von 45.652 Euro. 1,7 Prozent Marge ist keine „Premium-Leistung“, so der Autoprofessor.

Die Verkäufe der Marken Jaguar und Land Rover gehen seit 2016 merklich zurück.

Zu viele Modelle für zu wenige Gesamt-Verkäufe

Das CAR-Institut in Duisburg stellt in ihrer Untersuchung dazu fest: „Auch Premium-Hersteller brauchen Skaleneffekte , wenn sie in ihrem Segment erfolgreich sein wollen. So hat Jaguar sechs Modelle mit zum Teil noch verschiedenen Varianten. Hinzu kommt ein Elektroauto, der neue i-Pace, das derzeit nur in kleinen Volumen verkauft wird. Im letzten Jahr hat Jaguar 180.000 Neuwagen verkauft, mit anderen Worten gerade mal 30.000 Neuwagen pro Modelllinie. Dudenhöffer: „Das ist wenig im Vergleich mit den Wettbewerbern wie BMW oder Mercedes. Jaguar hat ein strukturelles Problem, das in der Vergangenheit durch das schnelle Wachstum der Gruppe verdeckt wurde: zu viele Modelle für zu wenige Gesamt-Verkäufe.“ Jaguar würden Skaleneffekte fehlen. Damit sind die Investitionen in Jaguar eher zu groß. Hohe Abschreibungen zehren den Gewinn auf.

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