Erwartungen der Autoindustrie stürzen ins Bodenlose

Die weltweite Industrieproduktion leidet, vor allem daran Schuld ist der Auftragseinbruch in der Automobilindustrie. Produktion und Nachfrage gehen aber bereits seit 2018 deutlich zurück.

Erwartungen der Autoindustrie stürzen ins Bodenlose

Wann die Autoindustrie wieder in die Gänge kommt, hängt vor allem von einem Umstand ab.

Die Folgen der Corona-Epidemie treffen die Autoindustrie mit voller Wucht. Keine Industrieproduktion wurde so hart getroffen und für kaum einen anderen Industriezweig sind die Aussicht so schlecht. So erwartet die deutsche Autoindustrie in den kommenden drei Monaten einen massiven Rückgang. Der deutsche Ifo-Index für die Autoproduktion, der die Einschätzung der Automanager wiedergibt, sinkt auf minus 44 Prozent. Der Auftragsbestand geht bereits markant zurück. Der Index dazu fiel im April auf minus 77 Punkte. Parallel füllen sich die Lagerhallen. „Wir haben noch nie so schlechte Zahlen für diese Schlüsselbranche ermittelt“, sagt ifo-Experte Klaus Wohlrabe, der die Befragung der deutschen Unternehmen leitete.


Die weltweite Industrieproduktion hat jedoch bereits seit Anfang 2018 einen massiven Dämpfer erhalten, die durch die Corona-Krise noch einmal kräftig verstärkt wurde, aber längst nicht dadurch einzig ausgelöst. So ist die Nachfrage nach Kraftfahrzeugen vielerorts stark zurückgegangen mit entsprechenden Einbrüchen bei der Produktion. Da es sich hierbei um eine sehr handelsintensive Ware handelt – laut WTO-Zahlen stammten im Jahr 2017 zwölf Prozent der weltweiten Exporte von industriell gefertigten Gütern aus dem Kraftfahrzeugbau –, wurde dadurch der Welthandel stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Internationale Währungsfonds schätzt, dass 2018 ein Fünftel des Rückgangs der Weltproduktion und mehr als ein Viertel des Welthandelsrückgangs auf den Autobau zurückzuführen sind

Das Wachstum der Industrieproduktion ist bereits seit Anfang 2018 weltweit stark rückläufig und bereits im Vorjahr in die Minuszone abgerutscht.

Autoproduktion bereits seit 2018 in China und der EU auf Talfahrt
Der starke Produktionsrückgang im Kraftfahrzeugbau ist auch ein wichtiger Grund für die Schwäche der weltweiten Industrieproduktion in den drei größten Standorten der globalen Automobilproduktion, den USA, der EU und China. Doch der Beginn des Rückgangs hat allerdings nicht mit Corona begonnen, sondern schon 2018.

In China geht die Autoproduktion schon seit 2018 stark zurück, auch in Europa gab es im Vorjahr einen kräftigen Dämpfer, mit teils jeweils unterschiedlichen Gründen.

Einhergehend mit den schwachen Produktionszahlen in der Autobranche haben auch die Zulassungszahlen seit Mitte 2018 sowohl in den Industrieländern als auch in den Schwellenländern eine Vollbremsung hingelegt.

Neuzulassungen in China und Indien brechen ein
Besonders stark gehen die Neuzulassungen in China und Indien zurück, aber auch in der EU.“Die Rückgänge dürften größtenteils struktureller Natur sein“, so das ifo-Institut. So dürfte in China einen Großteil der Rückgänge das Ende der Steuerermäßigungen für Autokäufe im vergangenen Jahr, niedrigere Subventionen für Elektroautos und neue Abgasvorschriften ab Mitte 2019 einen erklären. Gleichzeitig müssen chinesische Autohersteller seit 2019 zehn Prozent ihrer verkauften Fahrzeuge mit einem Elektroantrieb ausgestatten. Diese Quote soll über die nächsten Jahre weiter steigen. Bis 2025 sollen Elektrofahrzeuge ein Fünftel aller chinesischen Autoverkäufe ausmachen.

In Indien dürfte dagegen die Krise im Schattenbankensystem für den Einbruch der dortigen Autokäufe verantwortlich sein, so das Ifo-Institut. Gerade für größere Anschaffungen wie ein Auto sind die Finanzierung durch Schattenbanken nach Angaben der Deutschen Bundesbank wichtig.

WLTP sorgte in der EU für Rücksetzer
In der EU wiederum haben Probleme mit der neuen, strengeren Abgaszertifizierung WLTP im vergangenen Herbst zu einem Rücksetzer bei den Zulassungen geführt, der in weiterer Folge auch nicht mehr nachgeholt wurde. „Für eine geringe Autokäufe sorgt auch die öffentliche Debatte um über alternative Mobilitätsangebote und Antriebstechnologien.

Übergang zur E-Mobilität bremst Wachstum in der Autobranche
Die ifo-Prognosen bleiben äußerst verhalten. „Vieles spricht dafür, dass die schwache Dynamik bei der Produktion und dem Absatz bis auf weiteres anhält und sich erst nachhaltig erholt, wenn der Übergang zur Elektromobilität deutlich weiter vorangeschritten ist. Für das laufende Jahr dürften die weltweiten Zulassungszahlen um über vier Prozent zurückgehen nach einem Rückgang von einem Prozent im Jahr 2018. "Die Autokauf-Kunden bleiben in diesem Umfeld abwartend, bei ansonsten kräftiger Konsumkonjunktur", so die Ifo-Experten.

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