Erdgas-Lkw: Umweltschonend, aber unbeliebt beim Staat

Erdgas-Lkw: Umweltschonend, aber unbeliebt beim Staat

Seit 2017 gibt es in Österreich die erste Erdgastankstelle für Schwertransporter.

Vertreter der Wirtschaftskammer und der Gaswirtschaft wollen mehr mit Erdgas betriebene Schwertransporter auf die Straße bringen. Doch die Regierung weigert sich bisher solche Lkws zu fördern. Was die Vorteile von Erdgas-Lkws für das Klima sind, was diese im Vergleich zu Diesel-Trucks kosten, wie hoch der Spritpreis ist, wie groß die Reichweiten sind, wie viele Tankstellen es gibt und was die Branche von der Politik fordert.

Die österreichische Transportbranche blickt neiderfüllt nach Deutschland. Dort sind Lkws, die mit Erdgas betrieben werden, seit Anfang des Jahres auf Autobahnen von der Mautgebühr befreit. Seit Mitte des Vorjahres wird der Kauf eines erdgasbetriebenen Schwer-Lkws mit 12.000 Euro gefördert.

Österreich ohne Förderung
In Österreich gibt es solche Erleichterungen für Lkws, die mit Erdgas betankt werden nicht. Sehr zum Missfallen der Branche. „Derartige Förderungen fehlen in Österreich“, ärgert sich Alexander Klacska, Wirtschaftskammerobmann der Sparte Transport und Verkehr. Finanzielle Kaufanreize gibt es hierzulande nur für Lkws, die mit Wasserstoff oder Strom betriebenen werden.

Erdgas: Kaum Feinstaub und Rußpartikel und viel weniger Stickoxide und NOx
Ein Umstand, der für die Branche nicht nachvollziehbar ist. Vor allem da die Vorgaben bei den Schadstoffemissionen immer weiter sinken und der Kraftstoff geringere Treibhausgasemissionen als jeder andere Kohlenwasserstoffkraftstoff erzeugt. Dabei ist es Ziel der österreichischen Bundesregierung, bis 2030 insgesamt 7,2 Millionen C02 einzusparen. Erdgas betriebene Transporter stoßen im Schnitt 20 Prozent weniger C02 als Dieselmodelle aus. So spart ein gasbetriebener Lkw gegenüber einem Diesel-Truck im Jahr im Schnitt 20.000 Kilogramm CO2.

Bei Feinstaub ist die Belastung gar um 95 Prozent geringer als bei Diesel-Fahrzeugen. Bei Stickoxiden (NOx) ist die Belastung laut RAG Austria um 77 Prozent niedriger. Die Lärmbelästung ist nur halb so hoch, als bei einem Modell mit Dieselantrieb. Und nach Angaben des Fachverbandes für Gas und Wärme sind im Vergleich zu herkömmlichen Kraftstoffen auch die Gesamtbetriebskosten deutlich niedriger.

Erdgas-Trucks: Praktisch kein Ausstoß von Feinsstaub, kaum NOx-Belastungen und sehr geräuscharm.

Preis für Erdgas-Lkw um rund 30 Prozent höher
Bisher sind in Österreich aber erst wenige Lkws mit diesem alternativen Antrieb ausgestattet. Eine der Hürden ist der Preis. Im Schnitt kostet ein Schwertransporter mit konventionellem Antrieb ohne Zugmaschine 30.000 Euro. „Für ein erdgasbetriebenes Modell zahlt man um 20 bis 30 Prozent mehr", sagt Markus Mitteregger, Chef des heimischen Gasriesen RAG gegenüber trend.at.

Lohnt sich ab 10.000 Kilometer pro Monat
Ob sich ein erdgasbetriebener Schwer-Lkw für einen österreichischen Betrieb rechnet, hängt nach Erfahrung des RAG-Chefs vor allem mit der monatlich gefahrenen Zahl der Kilometer zusammen. „Ab 10.000 bis 14.000 Kilometer geht die Rechnung auf“, so Transport-Experte Klacska. Das Tanken ist günstiger als bei einem Diesel. Der Preis für ein Kilo Erdgas beträgt rund einen Euro. Für die Betankung eines Schwer-Lkws braucht man im Schnitt rund 560 Kilo.

Mit einem Tank bis zu 1.600 Kilometer
Neben geringerer Belastung für die Umwelt und vergleichsweise günstigem Sprit, bieten erdgasbetriebene Schwer-Lkws noch einen weiteren Vorteil: Mit der neuen Generation von Erdgas-Lkws kommt man mit einer Tankfüllung bis zu 1.600 Kilometer. So eine weite Strecke mit nur einer Tankfüllung schafft beispielsweise der neue Stralis NP von Iveco, ein für den Fernverkehr konzipiertes Fahrzeug mit LNG-Erdgas-Antrieb.

Erdgas ist nicht gleich Erdgas
Erdgas ist aber nicht gleich Erdgas. Pkws und Kleintransporter, die mit Erdgas fahren, tanken CNG. Bei diesem Compressed Natural Gas (CNG) handelt es sich um komprimiertes Gas. Für Schwertransporter, die für den Fernverkehr entwickelt wurden, wird dagegen LNG (Liquefied Natural Gas) verwendet. Das ist verflüssigtes Erdgas, für das eine spezielle Tankvorrichtung notwendig ist. Der Vorteil: Durch die Verflüssigung des Gases kann das Tankvolumen um den Faktor 600 verringert werden. Der Tankbehälter ist deshalb, trotz der hohen Reichweite, ähnlich dimensioniert wie ein Dieseltanks.

Naturprodukt oder synthetisch erzeugt
Erdgas ist ein fossiles Naturprodukt, das aber auch synthetisch hergestellt werden kann. Die RAG ist in Österreich der einzige Anbieter, der dieses synthetische Verfahren beherrscht. „Wir verfügen über den viertgrößten Gasspeicher Europas, haben aber vor zehn Jahren begonnen, Erdgas nicht nur zu importieren, sondern auch herzustellen“, erläutert RAG-Vorstand Mitteregger. Dieses synthetisch hergestellt Erdgas wird nach ökologischen Kriterien erzeugt. So wird dieses "grüne Erdgas" durch Wind- und Strom zunächst zu Wasserstoff und dann in synthetisiertes Erdgas umgewandelt.

Nur zwei Tankstellen für ein ganzes Land
LNG-Tankstellen gibt es in Österreich allerdings erst eine und das erst seit knapp zwei Jahren. Diese steht in Ennshafen bei Linz In wenigen Wochen soll in Hart nahe Graz eine weitere Tankstelle eröffnet werden. Weitere geplante Standorte sind bei Eisenstadt, Wien, Salzburg, Innsbruck, Bregenz und Klagenfurt. „Wie schnell die Projekte umgesetzt werden, hängt aber auch davon ab, ob die Regierung bereit ist, LNG-Lkws zu fördern“, stellt RAG-Boss Mitteregger klar. Europaweit sind es knapp 170 Erdgas-Tankstellen für Fernlaster. Für Pkw-Fahrer, die mit Erdgas unterwegs sind, sieht die Situation übrigens ganz anders aus. Diese können alleine in Österreich mit knapp 170 Tankstellen das dafür nötige CNG tanken.

So arrangieren sich die Frächter damit
Trotz der geringen Zahl der Tankstellen, haben sich laut RAG die betreffenden Frächter relativ gut damit arrangiert. „Firmen, die LNG-Lastwagen besitzen, benutzen meist dieselben Routen und teilen sich das Tanken recht gut ein“, erläutert Mitteregger, wie das reibungslose Tanken auch bei langen Strecken funktioniert.

Tankstellengeschäft nicht gewinnbringend
Noch ist der Betrieb von LNG-Tankstellen für die RAG kein Geschäft, wenn der Umsatz in den vergangenen Monaten auch deutlich gestiegen ist. „Unser Umsatz hat sich 2018 verfünffacht“, resümiert Mitteregger. Grund dafür sei, aufgrund der Förderungen in Deutschland, die steigende Zahl an LNG-Transporter. Wenn das Wachstum auch auf niedrigem Niveau erfolgt. Europaweit fahren erst 3.000 davon durch die Lande.


Erdgas gehört, vor allem bei Lkws, die Zukunft.

Die vergünstigte Mineralölsteuer in Deutschland hat die Preise für LNG-Sprit auch in Österreich unter Druck gebracht, wo die RAG die Preise sich gezwungen sah, die Preise nach unten anzupassen. Mitteregger: „Aber irgendwann muss es sich rechnen." Doch er ist zuversichtlich. „Erdgas gehört, vor allem bei Lkws, die Zukunft.“

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