Elon Musk will Tesla-Fabrik in Deutschland bauen

Elon Musk will Tesla-Fabrik in Deutschland bauen

Tesla "Made in Germany": US-Starunternehmer Elon Musk will in der Nähe der deutschen Hauptstadt Berlin das erste europäische Werk des Elektroauto-Herstellers errichten.

Tech-Milliardär und Tesla-Chef Elon Musk will in Deutschland eine Tesla-Giga-Fabrik errichten. Bei der Verleihung des "Goldenen Lenkrads" für den Tesla 3 als bestes Mittelklasse-Auto 2019 gab er bekannt, dass in einer neuen Fabrik in Deutschland Batterien, Antriebsstränge und Fahrzeuge gebaut werden sollen. "Giga Berlin", schrieb er via Twitter - garniert mit schwarz-rot-goldenen Herzchen und dann "Will build batteries, powertrains & vehicles, starting with Model Y".

Die Wahl für den Europa-Stützpunkt ist eine handfeste Überraschung, die in der Region schon jetzt für große Euphorie sorgt. Grundsätzlich stellt sich in der Autonation Deutschland aber sofort auch die Frage: Ist es eine Kampfansage an die heimische Industrie, die bei der E-Mobilität noch hinterherhinkt? Oder profitieren am Ende alle?

Als Standort für die Fabrik wurde die rund 35 Kilometer entfernt von Berlin gelegene Gemeinde Grünheide ausgewählt. Die Gemeinde liegt in der Nähe des in Bau befindlichen Hauptstadtflughafens BER. Die geplante Fabrik könnte bis zu 8.000 Arbeitsplätze bringen. Deutschlands Wirtschaftsminister Peter Altmaier bezeichnete Teslas Entscheidung als "Meilenstein" für den Ausbau der E-Mobilität

Dimensionen der Giga-Fabrik

Die Tesla-Investitionen sollen in mehrfacher Milliardenhöhe liegen. Der Start der Bauarbeiten ist für das erste Quartal 2020 geplant. Subventionen sind im Rahmen von EU-Beihilfen geplant.

Noch unkonkret sind weitere Pläne für Berlin. Bekannt wurde nur, dass Tesla dort ein Forschungs- und Entwicklungszentrum gründen will. Wie viele Beschäftigte dort tätig sein werden und wo das Zentrum errichtet werden könnte, blieb offen.

Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer dämpfte allerdings die politische Euphorie. Die Zahl der Arbeitsplätze in der künftigen Fabrik sollte man nicht überschätzen, sagte er. "Die Zellfabrikation ist hochautomatisiert. Da zählen Energiekosten deutlich mehr als Arbeitskosten." Nach der Ankündigung Teslas sei zudem zu überlegen, welchen Sinn die eine Milliarde Euro noch habe, die in eine deutsche Lithium-Ionen-Fabrikation gesteckt werden soll.

Kann Tesla liefern?

Doch kann Musk, dessen Unternehmen bis jetzt kaum Geld verdient und ehrgeizigen Zielen häufig hinterher hängt, halten, was er verspricht? In welchem Ausmaß profitiert der Standort durch Jobs und Investitionen? Und: Was bedeutet der Vorstoß für die deutschen Ambitionen in Sachen Elektroautos?

"Ich bin der Meinung, dass Konkurrenz das Geschäft belebt und die deutschen Premiumhersteller dadurch sicher zu stärkerer Leistung animiert werden", sagt Auto-Analyst Frank Schwope von der NordLB Bank. Das Werk sei ein starkes Signal für E-Mobilität, könne gerade bei BMW und Daimler zu höheren Zielen führen. "Es zeigt zudem, dass man auch in Deutschland noch neue Werke eröffnen kann, wenn das Produkt stimmt."

Sicher ist: Die Ankündigung erhöht den Druck auf die Deutschen, bei dem Zukunftsthema in die Gänge zu kommen. "Europa ist ein Kernmarkt, Deutschland der Standort schlechthin", sagt Stefan Reindl, Chef des Instituts für Automobilwirtschaft (IfA) in Geislingen. "Aber die Wahl Berlins ist auch ein wenig der Symbolpolitik des Herrn Musk geschuldet. Der will mittendrin sein." Andere Regionen, die sich Hoffnungen machten - etwa das Emsland in Niedersachsen -, haben das Nachsehen. Im Wirtschaftsministerium in Hannover zeigte man sich zerknirscht, man sei bis zur letzten Minute im Gespräch gewesen.

Im Herz der Autonation Deutschland

Mit der Expansion rückt Tesla direkt ins Hoheitsgebiet von VW, BMW und Daimler vor, wo Volkswagen in den kommenden Jahren Milliarden in den Aufbau einer rein elektrischen Fahrzeuggeneration steckt. Die kürzlich im Werk Zwickau gestartete ID-Serie soll die E-Mobilität massenkompatibel machen - mit Einstiegspreisen unter 30.000 Euro pro Auto und mehreren hundert Kilometern Reichweite. Außerdem ist ab 2020 der Bau einer eigenen Batteriezellfabrik geplant. Ausgerechnet jetzt will der große US-Konkurrent im heimischen Revier mitproduzieren.

VW-Chef Herbert Diess jedenfalls sieht da kein besonderes Problem. "Wir teilen beide eine Vision", sagte Diess mit Blick auf die schärferen CO2-Regeln und Notwendigkeit, das E-Auto auch aus Klimaschutzgründen aus der Luxus-Nische zu bekommen. Auf der Bühne wandte er sich direkt an Musk: "Ich danke dir für deine Pionierarbeit, dafür, dass du uns mitziehst und antreibst. Elon ist wirklich ein Innovator."

Bei Ankündigungen von Musk ist jedoch Vorsicht geboten. Oft hat sich Tesla mit den ehrgeizigen Vorgaben schwergetan, Zeitpläne wurden häufig nicht eingehalten. Beim Model 3 - Teslas erstem günstigeren E-Auto, das der Firma den Weg in die Mittelklasse ebnen soll - rumpelte es beim Start gewaltig. Musk sprach angesichts der Schwierigkeiten von einer "Produktions- und Auslieferungshölle". Branchenexperte Reindl glaubt denn auch nicht, dass die Amerikaner den Deutschen im Volumengeschäft schon das Wasser reichen können.

E-Mobilität am Wendepunkt

Derzeit ist Tesla zwar Marktführer bei reinen E-Autos in Deutschland. Bis Ende Oktober wurden 9.301 Autos der Marke Tesla neu zugelassen. Aber die Produktionspläne etwa von VW stoßen schon in andere Dimensionen vor: Mittelfristig sind für den ID.3 330.000 Stück pro Jahr geplant, die dann freilich weltweit verkauft werden sollen.

Bei Daimler kommen - die Marke Smart mitgerechnet - bis Ende 2022 zehn reine E-Modelle auf den Markt. Man sieht einen Produktionsstart von Tesla in Deutschland daher eher als Ansporn denn als Bedrohung. Der Präsident des deutschen Autoverbands VDA, Bernhard Mattes, nimmt es sportlich: "Sollten die Pläne in einigen Jahren umgesetzt werden, bedeutet dies einen weiteren Schub für die Elektromobilität."

Zuletzt lieferte auch Tesla selbst positive Nachrichten. Beim Model 3 ist man inzwischen weitgehend in der Spur, beim Nachfolger Model Y geht es nach eigenen Angaben schneller voran als geplant. Auch beim ersten Werk außerhalb der USA - der "Gigafactory 3" in Shanghai - liegt man über Plan und hat bereits mit der Testproduktion begonnen. Trotz des Expansionsaufwands hatte Musk die Kosten zuletzt besser unter Kontrolle, so dass im dritten Quartal ein Gewinn übrig blieb.

"Für die Region Berlin-Brandenburg ist das geplante Werk ein Glückstreffer, der mit Zulieferern sicherlich 5.000 bis 10.000 neue Arbeitsplätze schaffen kann", sagt Schwope. Der Wettbewerb um hochqualifizierte Experten und Ingenieure könnte aber an Schärfe gewinnen - Tesla gilt bei vielen Fachkräften nach wie vor als hip. Der Tesla-Zulieferer Continental glaubt, es dürfte auch entscheidend sein, ob Musk neben dem geplanten "Ingenieurs- und Designzentrum" in Berlin auch tatsächliche Ressourcen für Forschung und Entwicklung in Deutschland ansiedelt.

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