E-Tankstellen: Streit der Anbieter geht in die zweite Runde

Im Kampf um die Marktanteile für Elektro-Tankstellen werden die Karten derzeit neu gemischt. Denn seit April steht Marktführer Smatrics mit dem neuen Verbund aus elf Stromanbietern, bei denen man nur mit einer Karte zahlen braucht, ein mächtiger Konkurrent gegenüber. Seither geben sich beide Seiten, hinter denen große Stromanbieter stehen, kämpferischer denn je. Mit gegenseitigen Anschuldigungen wird nicht gespart.

E-Tankstellen: Streit der Anbieter geht in die zweite Runde

Der Streit schwelt schon länger. Doch seit der Präsentation der neuen Elektro-Tankstellenplattform ÖHUB ist der Konflikt neu entbrannt. Durch diesen technischen Zusammenschluss können E-Autofahrer erstmals österreichweit das Ladenetz von elf Stromtankstellen-Anbietern mit nur einer Karte oder App nutzen – unabhängig davon ob man mit dem Betreiber der Ladestation einen Vertrag hat oder nicht. Die Abrechnung erfolgt direkt über den eigenen Vertragspartner im jeweiligen Bundesland. Bisher mussten Strom-Tankkunden für das Tanken der einzelnen elf Anbieter des Elektromobilitätsverbandes BEÖ (Energie AG Oberösterreich, EVN, Energie Steiermark, Energie Burgenland, Energie Graz, Innsbrucker Kommunalbetriebe, Kelag, Linz AG, Salzburg AG, Vorarlberger Kraftwerke und Wien Energie) eine eigene Karte parat haben.

Der Verbund gegen den Rest der Branche

Das neue große Netzwerk ist gut für Elektro-Tankstellen-Nutzer, schlecht für Smatrics, eine Kooperation zwischen Siemens und dem niederösterreichischen Energieversorger Verbund. Denn damit erwächst dem bisherigen Marktführer Smatrics ein mächtiger Konkurrent. „Das Alleinstellungsmerkmal von Smatrics der größte Anbieter zu sein, ist damit weg“, so Jürgen Halasz, Vorstand des Verbands für Elektromobilität Österreich (BEÖ) und erklärt: „Die bisherigen Insellösungen unserer Mitglieder haben sich so zu einem Ganzen verbunden.“
So verfügt Smatrics derzeit über 380 Ladepunkte, davon verfügen 200 über Schnelladekapazitäten von 50 kW. Damit kann ein Elektroauto in 20 Minuten vollgetankt werden. Kunden des BEÖ, die bisher nur innerhalb des Stromtankstellen-Gebiets ihres Anbieters mit einer Karte tanken konnten, stehen nun mit einem Schlag von Wien bis Vorarlberg 1.300 Ladepunkte mit einer Karte zur Verfügung. Darunter 80 Schnellladestationen. Österreichweit dominieren beim BEÖ Ladepunkte mit 11kW und 22kW.

Das große Rätsel: Woran scheitert die Kooperation?

Noch einfacher wäre es jedoch für die E-Tankstellen-Kundschaft, wenn diese sowohl das neue Angebot des BEÖ als auch das von Smatrics mit nur einem einzigen Bezahlsystem oder einer App nutzen könnten. Aber danach sieht es derzeit nicht aus. Denn jeder der Beteiligten behauptet vom anderen, nicht an einer gemeinsamen Lösung interessiert zu sein. Erst vor wenigen Tagen erklärte Smatrics-Boss Michael Fischer gegenüber trend.at: „Bisher konnten wir dem BEÖ nicht beitreten. Es ist niemand an uns herangetreten.“ Dem widerspricht nun Halasz in einem Gespräch mit trend.at. „Wir haben Smatrics angeboten dem BEÖ beizutreten, doch das wurde abgelehnt.“

Langsames Laden kostet weniger

Auch den Vorwurf, dass der Stromtankstellen-Verbund der elf Anbieter, vor allem über brustschwache Ladestationen verfüge, und damit keine ernstzunehmende Konkurrenz für Smatrics sei, wurmt BEÖ-Vorstand Halasz. Der will das nicht auf sich sitzen lassen und entgegnet:
„Wir haben zwar tatsächlich Ladepunkte, die nur mit Schukostecker bestückt sind und vergleichsweise langsam Strom laden, doch dafür ist dieser Tarif wesentlich günstiger als beim Schnellladen.“

So kostet Strom aus einem Schukostecker, der 3,7 kW liefert, bei der Wien Energie - dessen E-Mobility-Verantwortlicher Halasz ist - nur ein Drittel pro Stunde im Vergleich zum dreiphasigen Laden mittels Typ 2-Stecker und 11 kW. Dafür braucht man dann aber bis zu acht Stunden, bis das Auto vollgetankt ist. Wer sein Auto schneller, d.h. derzeit mit 50 kW laden möchte, also in 20 Minuten, zahlt dafür einen erhöhten Tarif. „Diese Form des Schnelladens wird in der Stadt aber weiterhin nicht das Mittel der ersten Wahl sein“, glaubt Halasz. „Schließlich wollen die meisten, wenn sie in der Stadt unterwegs sind, nicht nach 20 Minuten schon wieder vom Parkplatz wegfahren müssen“. Tut er das nicht, rennt der Zähler weiter. Je langsamer der Strom rinnt, umso billiger.

Teure Schnelllade-Tankstellen

Je schneller man ein strombetriebenes Auto betanken kann, umso teurer auch der Ladepunkt. Durchschnittlicher Kostenpunkt einer 50 kW-Schnelltankstelle: 80.000 bis 100.000 Euro. „Bei Einnahmen im einstelligen Euro-Bereich pro Stunde, dauert das bis sich so ein Gerät inklusiver aller Nebenkosten amortisiert“, rechnet Halasz vor. Für Park & Ride-Kunden, die viele Stunden in der Parkgarage stehen und das Auto über diese Zeit an die Zapfsäule anhängen, prüft Wien Energie für seine mit weniger Power ausgestatteten Tankstellen derzeit eigene Tarife. Dafür gibt es derzeit erste Testkunden an denen das Nutzerverhalten für das Stromtanken geprüft wird.

Geringe innerstädtische Nachfrage nach Schnelllade-Stationen

Die Wien Energie verfügt derzeit über fünf Schnellladestationen, die es derzeit unter anderem am Flughafen, in der Shopping-City Süd und in einer Innenstadtgarage gibt. „Der Bedarf an mehr solcher Stationen ist aufgrund der Erfahrungswerte derzeit aber nicht gegeben“, so Halasz.

Für E-Tankstellen-Kunden ist der Konflikt der beiden Kontrahenten jedenfalls nur schwer nachvollziehbar. Welcher der beiden wen gefragt hat oder nicht, lässt sich zwar nicht überprüfen, fest steht, die Energiebranche, allen voran der Verbund gegen den Rest der Branche, bleibt - vorerst - zerstritten. Aber nachdem beide behaupten, willens zu sein, zu kooperieren, ist eine Lösung vielleicht dennoch möglich. An Eitelkeiten und Konkurrenzdenken wird es wohl doch nicht scheitern. Zumal die beiden Konzepte, der eine bietet vor allem Schnellladestationen auf Autobahnen, der andere langsamere und dafür kostengünstigeres Tanken in Städten, eine gute Ergänzung wäre.

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