E-Ladestationen: In diesen Städten ist man auf verlorenem Posten

E-Ladestationen: In diesen Städten ist man auf verlorenem Posten

In Wien kommt auf rund 22.000 Einwohner eine E-Tankstelle. Ohne Möglichkeit in der Firma oder zu Hause Strom zu tanken, ist man damit aufgeschmissen.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hat die Ladeinfrastruktur in Großstädten in Deutschland, Österreich und der Schweiz untersucht. Das Ergebnis stellt Österreich kein gutes Zeugnis aus. Es gibt noch erheblichen Aufholbedarf.

Wie steht es um die Ladeinfrastruktur in Großstädten?

Das CAR-Center der Uni Duisburg hat unter der Leitung von Ferdinand Dudenhöffer die Zahl der Stromzapfstellen in den zehn Großstädten in Österreich und der Schweiz sowie den 50 größten Städten in Deutschland eruiert und verglichen. Das Ergebnis wurde auch mit den beiden auf E-Auto-Vorbildstädten Oslo und Amsterdam verglichen. Das Ergebnis des Drei-Länder-Vergleichs ist wenig schmeichelhaft.

1 Ladestation für 10.359 Einwohner in Österreichs Städten

Besonders bitter: Im Drei-Länder-Vergleich schneiden Österreich, die Schweiz und Deutschland ähnlich schlecht ab. Wobei Österreich auf dm letzten Platz landet. Hier müssen sich 10.359 Einwohner eine öffentlichen Ladesäule teilen. In Deutschland kommen 9.344 Einwohner auf eine Ladestation, in der Schweiz 9.645 (siehe Grafik). Die fehlende Infrastruktur in einzelnen Städten ist dennoch mitunter eklatant.

Amsterdam: 1 Ladestation für 650 Einwohner

Dazu in starkem Kontrast die Modellstädten Oslo in Norwegen und Amsterdam in den Niederlande. Im Vergleich dazu teilen sich in Amsterdam 650 Einwohner eine Ladesäule. In der Schweiz teilen sich damit 15-mal mehr Einwohner eine öffentliche Ladestation. In Österreich und Deutschlands zehn größten Städten sind es gar 16 bzw. 14-mal so viele Einwohner. „Die Ladeinfrastruktur in den Großstädten der drei Länder ist stark verbesserungswürdig“, resümiert Dudenhöffer.

Bei Ladestationen pro Einwohner schneiden die E-Modellstädte Amsterdam und Oslo um einiges besser ab als Österreichs größere Städte.

Wien Schlusslicht im Hauptstadtvergleich: eine Zapfsäule für 22.046 Einwohner

Jetzt könnte man vermuten, dass zumindest in den größten Städten Österreichs, der Schweiz und Deutschland, auch die Ladeinfrastruktur am besten ist. Aber weit gefehlt. Wien ist, der mit knapp 1,9 Millionen Einwohnern die größten Stadt Österreichs, hat am wenigsten Ladesäulen pro Einwohner. Mit anderen Worten: 22.046 Wiener müssen sich eine Ladestation teilen. „Damit klafft zwischen der Landeshauptstadt und den übrigen großen Städten bezüglich der Ladeinfrastruktur eine große Lücke“, urteilt Dudenhöffer.

Klagenfurt ist top, in Wien sucht man E-Ladestationen gemessen an der Zahl der Einwohner sehr lange. Wer öffentlich laden will, muss sich eine Zapfsäule mit mehr als 22.000 Einwohnern teil.

Klagenfurt mit bester Infrastruktur für E-Autos

Klagenfurt hat dagegen sowohl im Vergleich zu anderen Städten in Österreich, aber auch im Vergleich zu den Städten in Deutschland und der Schweiz, die beste Infrastruktur. Hinter Klagenfurt folgen Dornbirn (3.711) und Villach (3.786), die auch deutliche bessere Infrastrukturen für E-Autos haben als die zweitplatzierten Städte in Deutschland und der Schweiz.

In der Schweiz ist Zürich das Schlusslicht

In der Schweiz hat St. Gallen die meisten Zapfsäulen pro Einwohner (1 Säule pro 2.992 Einwohner), vor Lugano (1 Säule pro 5.026 Ew) und Bern (1 Säule pro 8.523 Ew). In Zürich, der größten Stadt des Landes, kommen auf eine Ladesäule 18.139 Einwohner.

Größten Städte haben die geringste Infrastruktur

Die Vorzeigestädte in den drei deutschsprachigen Ländern sind dünn gesät. „Es braucht mehr Engagement in den Großstädten für Ladeinfrastruktur“, fordert daher Dudenhöffer. Der Drei-Ländervergleich zeige auch, dass die größten Probleme zur Umsetzung der Elektromobilität in den Großstädten liegen. Ausgerechnet dort, wo die Elektroautos ihre größten Vorteile entfalten könnte.

Vom Durchbruch noch weit entfernt

Und Duddenhöffer kommt zu einem weiteren, wenig überraschenden Ergebnis: „Vom Durchbruch der Elektromobilität sind Österreich, Deutschland und die Schweiz noch weit entfernt. Sowohl gemessen an den Marktanteilen von Elektroautos als auch von Plug-In Hybriden.“

Interview
Klaus Bischoff, Chefdesigner der Marke Volkswagen

Auto & Mobilität

VW-Chefdesigner Bischoff: "Unser neuer Job heißt Vereinfachung"

Ferrari, Porsche & Co: Das verdienen Luxusautobauer pro Auto

Auto & Mobilität

Ferrari, Porsche & Co: Das verdienen Luxusautobauer pro Auto

Auto & Mobilität

Strengere Abgastests sorgen für Boom bei Neuwagenkauf