Dieselgipfel bringt Ökoprämie und freiwillige Updates

Dieselgipfel bringt Ökoprämie und freiwillige Updates

Autoimporteurssprecher Günther Kerle und Verkehrsminister Jörg Leichtfried präsentierten das Ergebnis des Autogipfels.

Die österreichischen Automobilimporteure und das Verkehrsministerium sind heute, nach deutschem Vorbild, zu einem Dieselgipfel zusammengetreten. Man einigte sich auf Ökoprämien der Hersteller und freiwillige Software-Updates für Autos der Abgasnormen Euro 5 und Euro 6. Es gibt das Bekenntnis, keine Fahrverbote zu verhängen.

Ranghohe österreichische Vertreter von Audi, BMW, Mercedes, Porsche, Volkswagen, Seat, Škoda, Hyundai, Mitsubishi, Opel, Kia, Ford, Renault sind mit Verkehrsminister Jörg Leichtfried zum Dieselgipfel zusammengetreten, um Maßnahmen zu ergreifen, die den Schadstoffausstoß - verursacht durch Dieselmodelle - zu reduzieren.

Herausgekommen sind folgende Punkte:

1. Bis 2030 soll sich jeder ein abgasfreies Auto leisten können, dieses soll gleichwertig mit einem Verbrennungsmotor sein

Das bedeutet, dass nicht nur die Ausstattung gleichwertig sein soll, sondern unter anderem auch genügend Ladestationen zur Verfügung stehen sollen, damit etwa Elektroauto-Fahrer in ihrer Mobilität nicht eingeschränkt sind.

2. Kein Fahrverbot und kein Verbot von Verbrennungsmotoren – auch nach 2030 nicht

„Die Politik sollte Grenzwerte für Schadstoffemissionen vorgeben und die Techniker sollen versuchen, das zu erfüllen. Aber es wird keine Verbote von Verbrennungsmotoren geben. Die Käufer sollen auch in Zukunft unter mehreren Antriebsvarianten wählen können“, so Minister Leichtfried. Ökoautos sollen in Zukunft, laut Leichtfried, nicht mehr kostet wie Verbrennungsmotor oder sogar weniger, damit der Kaufanreiz größer sei.


Es besteht die Gefahr, dass Kunden nun einem unüberschaubaren Stückwerk an Prämien und Anreizen gegenüberstehen

3. Eine Ökoprämie für alle, die ein Modell mit weniger Ausstoß als ihr bisheriges wählen

Einzelne Hersteller bieten künftig gemeinsam mit den Händlern der jeweiligen Marke für bestimmte Modelle eine individuelle Ökoprämie an.

„Wir haben es allerdings nicht geschafft uns auf eine einheitliche Ökoprämie zu einigen“, bedauert Günther Kerle, Sprecher der Automobilimporteure in Österreich. Kritisch sieht das auch der Verkehrsclub Arbö. „Wir hätten uns einheitliche, verpflichtende Prämien aller Automobilhersteller gewünscht. Es besteht nun die Gefahr, dass Kunden einem unüberschaubaren Stückwerk an Prämien und Anreizen der verschiedenen Marken gegenüberstehen. Die Suche nach dem passenden Fahrzeugangebot darf für die Konsumenten nicht zum Rate- und Glücksspiel werden“, ärgert sich Arbö-Generalsekretär Gerald Kumnig. Weiterer Schwachpunkt des Gipfels: Nicht alle Hersteller haben daran teilgenommen.


Die Prämie dient nicht dazu, die Lager der Autohändler zu leeren.

Eine Ökoprämie darf jedoch nur jenen Autokäufern gewährt werden, die ein altes Modell gegen ein neues eintauschen, das einen geringeren Schadstoff-Austoß aufweist als das alte. Die meisten Hersteller beginnen nun jedoch erst zu überlegen in welcher Höhe und auf welche Eintauschfahrzeugen sie eine Prämie gewähren. „Je früher alte Modelle so aus dem Verkehr gebracht werden, umso rascher werden Feinstaub und NOx-Ausstoß reduziert“, argumentiert Kerle. Minister Leichtfried betont jedoch: "Die Prämie dient dazu ökologischere Fahrzeuge zu fördern und nicht dazu die Lager der Autohändler zu leeren."

Erste Ökoprämien

Der VW-Konzern hat als erster Ökoprämien-Modelle für einzelne Konzern-Marken präsentiert:

  • Audi: Audi bietet Kunden in Österreich, die von ihrem bisherigen Fahrzeug mit Dieselmotor der Abgasnorm Euro 1 bis Euro 4 auf einen Audi mit Euro 6-Standard wechseln, eine Prämie. Diese ist modellabhängig gestaffelt – je nach Fahrzeugklasse des gewählten Neuwagens beträgt diese zwischen 2.000 Euro und 10.000 Euro. Alternative Antriebe wie Plug-In-Hybride und Erdgasfahrzeuge erhalten eine höhere Förderung als bisher. Für einen A3 e-tron gibt es beispielsweise 5.000 Euro Verschrottungsprämie und 1.000 Euro Porsche Bank Finanzierungsbonus.
  • Škoda: Škoda bietet seinen Kunden ebenfalls ab sofort Anreize, alte Fahrzeuge mit Euro 1 bis Euro 4 Norm gegen umweltfreundlichere Fahrzeuge einzutauschen. Je nach Modell pendelt die sogenannte Verschrottungsprämie zwischen 1.000 Euro (Škoda Citigo) und 4.500 Euro (Škoda Superb). Die Aktion ist nicht mit anderen kombinierbar.
  • SEAT: bietet ab sofort allen Kunden eine Verschrottungsprämie von bis zu 7.000 Euro bei Kauf eines Neufahrzeugs an. Für Dieselmodelle mit Abgasnorm Euro 5 und 6 werden Software-Updates durchgeführt.

4. Freiwillige Updates sollen Schadstoffe um bis zu 30 Prozent reduzieren

Erste Hersteller, darunter VW, Mercedes, Renault und voraussichtlich auch BWM, erklärten sich am Dieselgipfel bereit für Modelle der Abgasnorm Euro 5 und Euro 6 Updates anzubieten, die die Emissionen laut Importeurssprecher Kerle um bis zu 30 Prozent reduzieren.

Im Gegensatz zu den Updates, die der VW Konzern an Dieselmodellen durchführen muss, sind diese Updates allerdings eine freiwillige Leistung der Hersteller.

Zur Vorgangsweise: Wenn das Update des jeweiligen Herstellers am Markt ist, wird dieses während des Service durchgeführt. Die Kunden werden darüber informiert, ob sie es installiert haben wollen oder nicht. Kunden müssen dazu auch nicht extra in die Werkstatt, sondern erhalten diese Verbesserung, falls gewünscht, voraussichtlich beim nächsten Service kostenlos dazu. Anders bei Kunden des VW-Konzerns. Die betroffenen Fahrzeughalter werden angeschrieben und zur technischen Umrüstung eingeladen. Die Umrüstung dauert rund 30 Minuten.

Gestartet werden dürften diese Updates bei vielen Herstellern aber erst im Frühjahr 2018. „Die Software dafür müssen die Hersteller schließlich erst entwickeln“, erklärt Kerle. Denn nur ein Filter am Auspuff reiche dafür nicht.

Betroffen von dieser freiwilligen Update-Aktion sind laut Schätzungen der Autoimporteure rund 250.000 bis 280.000 Autos. Weitere rund 390.00 Autos werden bereits upgedatet, allerdings betrifft das nur Modelle des VW-Konzerns und diese Updates sind gesetzlich vorgeschrieben. 80 Prozent dieser Modelle sind bereits umgerüstet. Rund 122.000 weitere Fahrzeuge, die vom VW-Konzern stammen, könnten nun zusätzlich vom freiwilligen Update profitieren.

Die Updates werden den Vertretern der Autokonzerne keine negativen Einflüsse auf Teile, Motor und Sonstiges haben.

Autoimporteure zufrieden, Umweltschutzorganisation enttäuscht

Die Importeure sind mit dem Ergebnis des Gipfels zufrieden. "Wir gehen mit einem guten Gefühl nach Hause", resümiert Kerle.

Die Umweltschutzorganisation Global 2000 befindet dagegen, dass wirksame technische Nachrüstung völlig fehlen. Allerdings wird die Technik für die Verbesserung des Schadstoffausstoßes erst entwickelt. Der generell autokritische Verein VCÖ bemängelt, dass die geplante Reduktion der Schadstoffe von 30 Prozent zu gering sei. Ein Update sei zu wenig. Gefordert seien vielmehr eine Nachrüstung der Abgasreinigung. Sie fordern zudem einen Ausstieg aus Benzin- und Dieselautos im Jahr 2030.

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