BMW-Motoren-Boss: „Dieselanteil wird um 30 Prozent sinken“

BMW-Motoren-Boss: „Dieselanteil wird um 30 Prozent sinken“

Das BMW Motorenwerk in Steyr steht in seiner 35-jährigen Geschichte so gut da wie nie zuvor. Doch die anhaltende Diskussion um Dieselmotoren könnte das Werk vor neue Herausforderungen stellen. Wie BMW-Steyr-Boss Gerhard Wölfel die Zukunft sieht und wie er darauf reagieren will.

Die Geschäfte laufen beim BMW Motorenwerk in Steyr geschmiert wie nie zu vor. "Wir erzielten mit 1,26 Millionen hergestellten Motoren das beste Ergebnis der 35-jährigen Produktionsgeschichte“, so BMW-Steyr-Motoren-Geschäftsführer Gerhard Wölfel . Das entspricht einer Steigerung von 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Dieselmotoren nach wie vor das Zugpferd

Bei 2,3 Millionen verkauften Fahrzeugen der BMW Gruppe und damit inklusive Mini weltweit bedeutet dies, dass mittlerweile jedes zweite Fahrzeug mit einem Motor aus Steyr unterwegs ist.
Der Jahresumsatz stieg jedoch vergleichsweise moderat um 2,4 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro. Die mit Abstand größte Nachfrage herrscht, trotz öffentlicher Diskussion um dessen Sinnhaftigkeit, nach Dieselmotoren. So wurden in Steyr im Vorjahr 852.400 Dieselmotoren erzeugt und 329.000 Benziner.

Wachstumsplus bei Benzinmotoren von 20 Prozent

Doch der Beliebtheit des Diesel schwindet dennoch. So legte die Nachfrage nach Dieselmotoren bei BMW in Steyr nur um knapp zwei Prozent zu. Einen regelrechten Absatzschub verzeichnet BMW Steyr aber bei Benzinmotoren. Dort betrug der Anstieg 20 Prozent. Besonders gefragt sind Benzinern mit 3- und 4-Zylindermotoren. Das größte Wachstumspotential sieht Wölfel bei 3- Zylinder-Benzinmotoren. Und es zeichnen sich für den Absatz von Dieselmotoren weitere Unwägbarkeiten ab. Zu stark ist die Kritik an gesundheits- und umweltschädlichen Dieselemission zuletzt von EU-Kommission und Medien als dass diese wieder verstummen würde.

Dieselanteil wird stark sinken

Motorenexperte Wölfel macht sich auch keine Illusionen wohin der Trend geht: „Der Dieselanteil wird in den nächsten zehn Jahren um 30 Prozent sinken.“ Das der Dieselmotor aufgrund der Probleme durch Feinstaubbelastung und höherem Stickoxid-Ausstoß als der Benziner durch diesen komplett verdrängt wird, hält Motoren-Chef aber für höchst unwahrscheinlich. „Sonst kriegen Autohersteller das Ziel im Jahr 2020 im Schnitt nur noch 95 Gramm pro Kilometer C02 auszustoßen nicht hin“, argumentiert Wölfel anlässlich der Jahrespressekonferenz in Wien. Das entspricht einem Verbrauch von 4,1 Litern Benzin und 3,6 Litern Diesel pro 100 Kilometer.

Diesel ist der sauberste Verbrennungsmotor

Der Diesel sei nach wie vor der sauberste und effizienteste Verbrennungsmotor. Will man das Ziel 95 Gramm Ziel ohne diese erreichen, müsste jeder vierte Besitzer eines Dieselautos auf Elektroantrieb umsteigen. Für ihn steht deshalb fest: "Wir stehen zu 100 Prozent hinter dem Diesel.“ Der Dieselanteil in Europa wachse weiter, 80 Prozent aller BMW und Mini, die in Europa zuletzt neu zugelassen wurden, seien Dieselfahrzeuge.

Dieselanteil schrumpft zugunsten von Autos mit E-Antrieb

Vom Rückgang des Dieselantriebs würden künftig nicht nur Benziner sondern auch Hybrid- und Elektroantrieb profitieren. Bisher sind laut BMW Austria-Chef Chris Collet sieben Prozent aller Verkäufe der Marke E- oder Hybridantrieb. "Größere Stückzahlen würden erst verkauft werden,wenn sich die Ladeinfrastruktur deutlich verbessert. „Aber das wird noch einige Jahre dauern.“ In Österreich müsste man solche Ladepunkten noch suchen, in Holland, wo der BMW-Manager zuletzt gearbeitet hat, wären sie an vielen Stellen bereits zu finden. Zielmarke von BMW ist ein Anteil von E-Antrieben von zehn Prozent.

Werk in Steyr kann flexibel reagieren

Für das Werk in Steyr selbst sieht Wölfel durch den möglichen Wandel hin zu Benzinern und auch Benzin-Hybrid-Modellen keine Gefahr. "Wir haben drei Produktionslinien und können extrem flexibel auf die Nachfrage reagieren und die Produktion sogar jeden Tag aufs Neue um zehn Prozent und mehr ausdehnen oder senken." Selbst wenn nur noch die Hälfte der Motoren als Diesel das Laufband verlassen, sei das kein Problem.

Steigende Nachfrage nach 6-Zylinder-Motoren

Bei größeren Motoren, etwa 6-Zylindern, erwartet er auch in Zukunft eine höhere Nachfrage nach Diesel als nach Benzinern. Gerade bei Langstrecken würde sich die Effizienz eines Diesels bemerkbar machen. Nicht nur kleine Motoren werden stärker als Benziner nachgefragt, „6-Zylinder-Motoren werden aber ebenfalls wieder öfter bestellt“, bemerkt Wölfel.

Weitere Reduktion des C02-Ausstoßes von 30 Prozent gefordert

Schon heute seien Hersteller weltweit von Regulatoren unter Druck entsprechende Anstrengungen zu unternehmen, den Verbrauch zu drosseln. „94 Prozent unserer Fahrzeuge unterliegen strengen Emissionsvorschriften“, erläutert Wölfel. Mit dem Ziel bis 2020 den C02-Ausstoß von 95 g/Km in vier Jahren zu reduzieren, zählt Europa zum Spitzenreiter. Doch unabhängig von den unterschiedlichen Vorgaben einzelner Länder würden allesamt in den nächsten Jahren eine Verbesserung von 25 bis 30 Prozent der Emissionen vorschreiben. Das weitere Etappenziel der EU ist es den Ausstoß auf 75 g/km zu reduzieren. Wölfel: „Wir arbeiten in unserem Motorenwerk in Steyr daran das Maximum herauszuholen.“

Ziel Stickoxid-Emission um 90 Prozent zu drosseln

Bis 2030 sollen die Stickoxide (NOx) gar um 90 Prozent reduziert werden. „Technisch ist noch viel möglich“, prognostiziert Wölfel und setzt nach: „Es muss aber auch betriebswirtschaftlich vertretbar sein“. Er erwartet, dass der Verbrennungsmotor in den nächsten zwei Jahrzehnten der bestimmende Antrieb sein wird.

Feinstaub das geringste Problem

Probleme macht auch der Feinstaub, die durch den Betrieb von Dieselmotoren entstehen. Dafür legt die Euro-6-Norm strenge Grenzwerte fest. Sie dürfen seit 2014 nur noch 4,5 Milligramm Partikel pro Kilometer bei Neuwagen ausstoßen. Laut Wölfel liegt bei BMW Modellen die Feinstaubbelastung jedoch bereits nahezu bei Null.

Massive Fortschritte bereits erzielt

Bereits in den vergangenen Jahrzehnten haben die Euro- Normen die Emissionen im Straßenverkehr drastisch reduziert. So stoßen Diesel- Fahrzeuge in den Testzyklen heute etwa 99 Prozent weniger Partikel aus als noch 1990. Die Stickoxid- Emission liegt bei einem modernen Selbstzünder 98 Prozent unter dem Wert von Anfang der 1990er-Jahre. Benziner haben generell weniger Probleme mit den Stickoxid- Emissionen. Dafür stoßen die neuen Direkteinspritzer aber nun kleinere, ebenfalls gesundheitlich problematische Feinstaub- Partikel aus.

Angaben über Normverbrauch nähern sich stärker der Realität an

Die Verschärfungen für Abgasnormen erfordern auch Investitionen in neue Fahrzeugprüfstände. Bei BMW in Steyr macht man dafür bis Jahresende 100 Millionen Euro locker. Es wird in 30 neue Prüfstände investiert, die den deutlich höheren Anforderungen für Verbrauchsmessungen, Akustik oder Vibrationen gerecht werden. „Durch die neuen Vorgaben werden auch Angaben über den tatsächlichen Verbrauch immer besser und damit realistischer“, erläutert Wölfel.

Die Nachfrage nach dem BMW i3, derzeit in Österreich bei E-Autos die Nummer zwei am Markt, könnte kräftig steigen.

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