Stickoxide: Welche Städten in Deutschland und Österreich belastet sind

Stickoxide: Welche Städten in Deutschland und Österreich belastet sind

In Salzburg, in Graz und in Linz werden auch in Österreich die Grenzwerte immer wieder überschritten.

In Deutschland wird es wohl mit Dieselfahrverboten ernst. Welche Städte in Deutschland betroffen sind, warum in Österreich kein Fahrverbot droht und wie die heimische Politik dazu steht.

In mehreren deutschen Städten dürfte es für Diesel-Fahrer bald bitterer Ernst werden: Fahrverbote hängen nach dem jüngsten Gerichtsurteil von Leipzig in der Luft. Das Ergebnis der Untersuchungen für die Stickoxid-Werte vieler Städte wie Düsseldorf ist denn auch vernichtend. Auch das Ruhrgebiet und dutzende andere deutsche Städte wie Wuppertal könnten betroffen sein.

Auch Euro 6-Diesel könnten betroffen sein

Nicht nur dass man alte Stickoxid-Sünder in Städten wie Düsseldorf, Köln und dem Wuppertal womöglich bald nicht mehr starten darf, es droht auch ein Fahrverbot für Diesel-Aggregate der neuesten Generation und damit der umweltfreundlichsten Kategorie Euro-6. Ob auch über diese modernen Euro-6-Diesel mit Typengenehmigungen ab September 2014 bzw. Fahrzeuggenehmigungen ab September 2015 Fahrverbote verhängt werden, hängt in den betroffenen Städten in Nordrhein-Westfalen an einem seidenen Faden. Dass alle anderen Dieselmodelle bis hin zu jenen, die Euro-5-Norm (Typengenehmigung ab September 2009, Fahrzeuggenehmigung ab September 2011) vom Fahrverbot betroffen sind, dürfte fix sein.

Stickoxid-Hölle Nordrhein-Westfalen?

Dass ein Fahrverbot in Nordrhein-Westfalen kommt, dürfte jedenfalls auch nach dem jüngsten Untersuchungsergebnis nicht mehr aufzuhalten sein. Zu hoch sind die Stickoxid-Werte in diesen Städten, beziehungsweise einzelnen Stadtteilen. Der nach EU-Recht zulässige Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m3) des Reizgases Stickstoffdioxid wird dort an 60 von 127 Messstellen überschritten. Der größte Verursacher des Schadstoffs ist der Autoverkehr, wobei Diesel-Antreibe rund 80 Prozent des Stickstoffdioxids beisteuern. Entsprechend werden alle Überschreitungen an verkehrsreichen Straßen registriert.

Tausende Pendler betroffen

In der Düsseldorfer Corneliusstraße wurde etwa eine Feinstaubbelastung von 58 Mikrogramm gemessen. Um die Grenzwerte für das gesundheitsschädliche Stickoxid einzuhalten, dürften etwa von den insgesamt 46.000 Fahrten täglich etwa die 5.000 Pendler nicht mehr mit ihren Diesel-Autos in die Stadt fahren. Die Fahrverbote werden sowohl Private als auch Handwerker und Dienstleister hart treffen, die hauptsächlich Dieselautos fahren. Aber auch die Industrie des Ruhrpotts wäre betroffen, wird doch ein großer Teil der Lasten mit Lkws transportiert.

Hamburg, München und Stuttgart ebenfalls kurz vor der Umsetzung

Das scharfe Vorgehen gegen Diesel beschränkt sich jedoch nicht auf den Ruhrpott alleine. Ob in wenigen Tagen, Wochen oder vielleicht Monaten - spätestens 2018 sollen in zahlreichen Städten Deutschlands Diesel-Fahrverbote eingeführt werden. Ob nur in bestimmten Zonen oder gleich im ganzen Stadtgebiet bleibt abzuwarten. Noch heuer könnte bereits Hamburg dem Diesel in der Altstadt den Garaus machen. Weitere große Städte wie München und Stuttgart dürften folgen.


Dieselfahrern soll endlich klar und deutlich gesagt werden, wie es weitergeht

In Österreich herrscht Unklarheit und Verunsicherung

Auch in Österreich ist die Situation nicht einfach, wenn auch längst nicht so prekär wie in Deutschland. Käme es hierzulande zu einem Fahrverbot, etwa für ältere Modelle, wären alleine mehr als eine Million Dieselfahrzeuge betroffen, die maximal die Euro 4-Norm erreichen. „Damit würden die Besitzer von Dieselautos die Rechnung für die Verfehlungen der Industrie zahlen“, ärgert sich Arbö-Generalsekretär Gerald Kumnig und fordert für Österreich: „Den betroffenen Dieselfahrern soll endlich klar und deutlich gesagt werden, wie es weitergeht und was jetzt passiert. Ständig nur von neuen Softwareupdates sprechen, mögliche Fahrverbote ankündigen und Angst schüren, indem ein möglicher Verlust der Fahrzeugzulassung in den Raum gestellt wird, ist in keinster Weise konsumentenfreundlich, sondern sorgt nur für Verunsicherung.“ Das empfindet auch Raiffeisen-Leasing-Chef Renato Eggner so: "Es muss klar definiert werden, welche Fahrzeugklassen und welche Städte auch in Österreich betroffen sind oder eben nicht". Solange es darüber keine klaren Regeln gibt, wäre auch ein Preisverfall von Dieselautos nicht aufzuhalten.

In Österreichs Städten werden Stickoxid-Grenzwerte ebenfalls überschritten

Laut dem täglichen Luftgütebericht des Umweltbundesamtes werden auch in Österreich in vielen Städten die Grenzwerte überschritten. Spitzenreiter ist heute am 26. November in der Stadt Salzburg der Stickoxid-Wert (N02), gemessen am Halbstundenmittelwert, 73 Mikrogramm pro Kubikmeter. Der zulässige Grenzwert beträgt 40 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Nicht minder Stickoxid-belastet ist der Ballungsraum Linz mit 71 Mikrogramm pro Kubikmeter. Über dem Grenzwert im Halbstunden-Mittelwert sind Innsbruck (59), aber auch der Ballungsraum Graz (54). Wer sich die gesundheitsschädlichen Oxide sparen will, sollte im übrigen auch die Inntalautobahn meiden, dort zeigen aktuelle Messungen einen NO2-Gehalt von 91 Mikrogramm. Im Tagesmittel betrachtet sieht die Lage jedoch generell deutlich besser aus. Spitzen werden so geglättet. Innenstädte sind - bis auf einzelne Gebiete in Graz - keine betroffen.

In Wien ist aktuell der Hietzinger Kai die größte Verkehrshölle mit 52 Mikrogramm. Am Stephansplatz braucht man dagegen keine Sorge wegen des NO2-Gehalts der Luft haben, denn dort liegt der gemessene Stickoxid-Wert bei moderaten 21 Mikrogramm. In Graz ist der Wert derzeit bei der Kreuzung Kärntnerstraße - Alte Poststraße am höchsten: Dort werden 54 Mikrogramm gemessen, gefolgt von der Gegend um den Griesplatz (47). Der tägliche Luftgütebericht des Umweltbundesamtes zum Nachlesen finden Sie hier.

Österreichs Städte mit wesentlich geringerer N02-Belastung

Diese Halbstundenmittelwerte sind zwar teilweise hoch, aber für die EU nicht entscheidend. Sie achtet bei der Höhe des Stickstoffdioxid (NO2)-Ausstoßes auf den Jahresmittelwert. (Stickstoffdioxid ist der Immissionswert und entsteht vor der Umwandlung in Stickoxide wie (NOx). Der Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter darf demnach nicht überschritten werden. In Österreich wurde der Grenzwert sogar niedriger angesetzt und beträgt 35 Mikrogramm. "Diese niedrigere Grenze gilt als Vorwarnstufe für die Landeshauptleute, die dann Maßnahmen ergreifen müssen, damit der EU-Grenzwert nicht überschritten wird", erläutert Helmut Hojesky, Abteilungsleiter Klimaschutz und Luftreinhaltung im Umweltministerium. 2016 wurde der EU-Grenzwert zwar in der Stadt Salzburg am Rudolfsplatz, in Graz Don Bsco und in Linz am Römerberg überschritten, aber der erhöhte Wert lag stets nur geringfügig über der 40-Mikrogramm-Marke. Dieser findet sich im Jahresbericht des Umweltbundesamtes.
Zum Vergleich: In Hamburg liegen die Werte in mehreren Stadtteilen zwischen 50 und 66 Mikrogramm. In Stuttgart lag das Jahresmittel 2016 an bestimmten Stellen bei knapp 60 Mikrogramm. Aber auch andere Städte in Baden-Württemberg wie Heilbronn, Ludwigshafen oder Mannheim weisen Stickstoffdioxid-Werte zwischen 50 und 60 Mikrogramm auf.


Politik mit Augenmaß ist gefordert

Preise für Dieselfahrzeug auch in Österreich unter Druck

Je häufiger und intensiver über Dieselfahrverbote diskutiert wird, umso stärker geraten die Gebrauchtwagenpreis für die Autos, die mit diesem Sprit befüllt werden unter Druck. In Österreich herrscht aber noch Ruhe vor dem Sturm. Aber Insidern zufolge dürfte mit den Fahrverboten in Deutschland auch was die Preise betrifft, der Stein ins Rollen kommen. Wenn in vielen Städten Diesel-Motoren zum Stillstand verurteilt werden, wird Wertvernichtung im großen Stil einsetzen - auf Kosten der Autobesitzer. Dessen sollte man sich zumindest bewusst sein. Auch wenn man einen Euro-6-Diesel besitzt und der noch gar nicht viele Kilometer gefahren wurde. Siehe auch trend.at-Artikel "Gebrauchte Dieselautos: Der große Preisverfall droht demnächst". Christian Pesau, Geschäftsführer des Verbandes der Automobilimporteure in Österreich, fordert daher "Eine Politik mit Augenmaß." Fahrverbote für Dieselfahrzeuge mit der Euro-Norm-5 hält er für "Wahnsinn" - angesichts des hohen technischen Standards und des bei einem Fahrverbot für diese Modelle zu erwartenden Wertverlusts.

Politik sieht keinen Handlungsbedarf

Im Umweltministerium sieht man die Dieseldebatte in Deutschland jedoch ohnehin gelassen. "Österreich liegt unter den EU-Emissionsvorgaben. Wir erreichen den Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm in Österreich nicht", heißt es auf Anfrage von trend.at aus dem Umweltministerium. Insgesamt werden von den insgesamt 114 Messstationen für NOx-Werte im Jahr nur elf Mal die Grenzwerte überschritten. Aufgrund der derzeitig vergleichsweise insgesamt geringen N0x-Belastung sieht man im Umweltministerium auch keinen Handlungsbedarf. Fahrverbote sind damit in Österreich nicht in Sicht.

Den rechtlichen Rahmen für die Umsetzung der EU-Regelung gibt in Österreich das Immissionsschutzgesetz - Luft vor. Demnach hängt es davon ab, an wie vielen Tagen im Jahr die Grenzwerte für Stickoxide von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter überschritten wird. So wurden die Werte seit Jahresbeginn nur in Graz in der Gegend Don Bosco öfter als erlaubt überschritten, ebenso in Graz Süd Tiergartenweg. Die Überschreitungsstatistik finden Sie hier.

Auto & Mobilität

Diesel: Auch für Euro-6-Autos drohen Fahrverbote

Auto & Mobilität

Gebrauchte E-Auto-Akkus: Recycling für tickende Umweltbomben

Auto & Mobilität

So funktionieren die digitale Vignette und das neue Abo