Viele deutsche Händler nehmen keinen Diesel mehr in Zahlung

Viele deutsche Händler nehmen keinen Diesel mehr in Zahlung

Die Abwärtsspirale am Dieselgebrauchtwagenmarkt beginnt sich zu drehen.

Das Diesel-Drama in Deutschland spitzt sich langsam aber sicher zu. Noch sind Dieselfahrverbote zwar erst geplant, doch am Gebrauchtwagenmarkt sind die Vorboten schon zu spüren. Viele Händler winken bei gebrauchten Dieselautos überhaupt ab. Sogar die Existenz vieler Händler könnte auf dem Spiel stehen. Österreich dürfte nicht verschont bleiben.

Die Urteil, dass Fahrverbote für Dieselautos, in deutschen Städten, in denen Schadstoff-Grenzwerte überschritten werden, zulässig sind, zeigt erste Wirkung: Zwar nicht auf der Straße, aber am Gebrauchtwagenmarkt. 87 Prozent der deutschen Händler können Diesel-Gebrauchtwagen nur noch mit höheren Abschlägen verkaufen. 22 Prozent der Händler gehen sogar schon so weit, gar keine Diesel-Gebrauchtwagen mehr in Zahlung zu nehmen. Das geht aus aktuellen Zahlen des Dieselbarometers der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) hervor. Dazu werden 698 Online-Interviews mit Autohändlern in Deutschland durchgeführt.

Markt für Euro-Norm-5 Diesel bricht ein

Der Barometer der monatlich erstellt wird, zeigt wie schlecht der März am Gebrauchtwagen-Markt verlaufen ist. Besonders auffällig: Drei Jahre alte gebrauchte Dieselautos der Schadstoffklasse Euro-Norm-5 werden von Käufern am stärksten gemieden. Das Diesel-Barometer, das auf Basis von Händlerbefragung erfolgt, zeigt einen Nachfrage-Rückgang von 26 Prozent. Wer sich einen Neuwagen zulegt, geht immer öfter Nummer Sicher und kauf einen Benziner. 58 Prozent der Autohäuser melden, geringe Absätze bei neuen Dieselautos.

Private und Firmenkunden kaufen weniger Diesel

87 Prozent der Autohändler in Deutschland melden deutlich weniger Diesel-Verkäufe an Privatkunden. Nicht nur verunsicherte Privatkunden lassen immer öfter von Dieselfahrzeugen, auch Gewerbekunde, der wichtigste Absatzkanal für Dieselautos, geht das Interesse für Dieselfahrzeuge deutlich zurück. Die Folge: Dieselfahrzeuge türmen sich auf den Höfen der Autohändler. Die Standzeiten beim Händler sind seit dem vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Von 97 Tagen im Jänner 2017 auf 103 Tage im März 2018. Das geht ins Geld. Die Standzeiten pro Auto betragen bei Händlern im Schnitt 28 Tage.

Dieselautopreisverfall gefährdet Existenz der Händler

Je nachdem wie klamm die Händler bereits sind, fallen auch die Preisabschläge entsprechend aus. Noch halten sie sich zwar in Grenzen. Drei Jahre alte Dieselautos mit einer jährlichen Laufleistung von 20.000 Kilometer pro Jahr, kosten im Schnitt derzeit 53,4 Prozent weniger als der Listenpreis. Zu Beginn des Vorjahres gab es dafür noch 56 Prozent vom Listenpreis.
Allerdings gaben 57 Prozent der befragten Händler im März 2018 an, bereits deutlichere Nachlässe auch auf Diesel-Neuwagen zu geben, 61 Prozent bilden Rückstellungen für drohende Verluste. Doch schon jetzt haben Händler nach Einschätzung von DAT-Geschäftsführer Jens Nitzschmann bei der Vermarktung von Diesel-Gebrauchtfahrzeugen keine Chance auch nur ihre Kosten zu decken.

Urteil sorgt für erhebliche Verunsicherung

Seit im Februar ein deutsches Gericht zu dem Urteil kam, dass Fahrverbote zulässig sind, ist auch Beratungsaufwand im Handel deutlich gestiegen. 93 Prozent der befragten Händler gaben an, das Urteil hätte zu noch mehr Verunsicherung bei den Kunden geführt.

Bleibt der österreichische Markt von diesen Entwicklungen verschont?

Dass sich der österreichische Markt von dieser Entwicklung wird abkoppeln können, glaubt Andreas Kostelecky, Chef von Mitsubishi Österreich, nicht. "Das ist eine Illusion." Der Preisdruck auf Dieselfahrzeuge, der sich derzeit in Deutschland aufbaut, wird auch über die Grenzen schwappen, erwarten auch andere Branchenkenner.

C02-Werte steigen

Geht ein Problem, kommt jedoch im Fall des Verbrennungsmotors, ein anderes. Erstmals seit Jahren sind laut einer Analyse der Europäischen Umweltagentur EEA die klimaschädlichen CO2-Emissionen von Neuwagen in der EU wieder leicht gestiegen. Die EEA analysierte die Werte der Neufahrzeugflotten von 17 Mitgliedstaaten.

Dieselanteil sinkt deutlich

Die Umweltagentur hat zudem einen weiteren Trend festgestellt. Erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen durch die EEA waren Benziner die meistverkauften Autos. Sie haben derzeit in der EU einen Marktanteil von 53 Prozent - gegenüber Diesel mit nur noch 45 Prozent.

SUVs sind das eigentliche Problem

Neben dem steigenden Anteil an Benzinern zählt der große Anstieg schwere SUVs zu den Hauptschuldigen. Die Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) führt den Anstieg der CO2-Emissionen auf den großen Anstieg der Verkäufe von schweren SUVs zurück, wenn auch viele von Dieselmotoren angetrieben werden. Die durchschnittlichen Emissionen von Dieselautos stiegen laut EEA von 116,8 auf 117,9 Gramm pro Kilometer.

Benziner stoßen im Schnitt mit 121,6 Gramm CO2 je Kilometer nach wie vor deutlich mehr Kohlendioxid aus.


Bis 2021 dürfen neue Pkw im Schnitt der Flotte eines Herstellers nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen, ansonsten drohen Strafzahlungen. Aber kaum einem Hersteller drohen ab 2021 Strafen. "Dank einer Welle spritsparender Modelle, die ab 2019 eingeführt werden, sollen die CO2-Emissionen zwischen 2019 und 2022 deutlich abfallen", so Greg Archer von T&E.

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