Deutsche Autobauer sitzen auf 460 Milliarden Dollar Schulden

Die Verschuldung der 900 größten Firmen der Welt ist auf einem neuen Rekord. Weltweit das am meisten verschuldete Unternehmen ist VW, auch andere deutsche Autobauer sind im Ranking ganz vorne. Die Prognosen für 2020 sind schlecht.

Deutsche Autobauer sitzen auf 460 Milliarden Dollar Schulden

Nur 2019 sind die Schulden der weltweit 900 größten Unternehmen um 625 Milliarden Dollar gestiegen.

Es sind nur schwer fassbare Zahlen, die die Investmentgesellschaft Janus Henderson in ihrem aktuellen Schuldenindex (JHCDI) präsentiert. Die 900 größten Unternehmen der Welt stecken tief in Schulden. Der größte Anteil entfällt allerdings auf relativ wenige. So haben nur 25 Unternehmen im vergangenen Jahr zusätzlich 410 Milliarden Dollar aufgenommen. Dies entspricht einem Drittel des Anstiegs der Kredite aller Unternehmen. Die zehn der am meisten verschuldeten Unternehmen davon haben sich 1,3 Billionen Dollar gepumpt.

Rekordschulden
Weltweit haben die Firmen im Index damit im Vorjahr 8,3 Billionen Dollar an offenen Krediten in ihren Bilanzen schlummern. Ein neuer Rekord und ein Kreditzuwachs von 8,1 Prozent gegenüber 2018. Global stieg somit die Nettoverschuldung letztes Jahr um 625 Milliarden Dollar und damit so stark wie in keinem anderen der letzten fünf Jahre.Das noch bevor die Pandemie die Unternehmen zu weiteren Schuldenmachen gezwungen hat.

VW: Das am meisten verschuldete Unternehmen der Welt
Schuldenkaiser Nummer eins weltweit ist 2019 der Volkswagen-Konzern. Diese stehen mit 192 Milliarden Dollar in der Kreide. Zum Vergleich: Im Vorjahr machte der Konzern einen Gewinn von gut 13 Milliarden Dollar, bei einem Umsatz von 253 Milliarden Dollar. Was nicht weit hinter der Staatsverschuldung Südafrikas oder Ungarns ist und laut den Investmentexperten nicht nur auf hohe Investitionen in die Elektromobilität und andere Zukunftsthemen zurückzuführen ist, sondern teilweise auch auf das Finanzdienstleistungsgeschäft. Der Konzern scheint bereits seit 2014 unter den zehn größten Schuldnern auf, bereits 2017 auch an erster Stelle.

Keine Firma der Welt ist so hoch verschuldet wie der Volkswagen-Konzern.

Fünf Autohersteller unter den Top-10
An dritter Stelle ist mit Daimler ebenfalls ein deutscher Autokonzern. Die Stuttgarter haben Fremdkapital von 151 Milliarden Dollar in ihren Büchern. Dass es sich bei den Autobauern um eine kapitalintensive Branche handelt, zeigt sich auch dadurch, dass sich unter den zehn meistverschuldeten Konzernen weltweit fünf Autofirmen finden. BMW weist einen Schuldenstand von 114 Milliarden Dollar aus, bei Toyota sind es 138 Milliarden Dollar und bei Ford 122 Milliarden Dollar. Insgesamt haben die deutschen Autobauer Schulden in Höhe von 457 Milliarden Dollar angehäuft.

Hälfte der Schulden entfällt auf US-Firmen
Am meisten verschuldet sind aber US-Firmen. Sie sitzen auf der Hälfte aller Firmenschulden im Index. Danach kommen aber schon die Europäer (ohne UK). Die Asiaten dagegen plagen kaum Geldsorgen. Sie haben nur vier Prozent Anteil am Schuldenkuchen. Generell sind die Firmen in Schwellenländern mit acht Prozent nur moderat verschuldet. In Krisenzeiten wie diesen ein nicht zu vernachlässigender Vorteil.

Zentralbanken haben ihr Ziel erreicht – zu welchem Preis?
Befeuert wurde das Kreditwachstum in den USA, Europa und auch Japan, der letzten Jahre durch extrem niedrige Zinsen und damit verbundene günstige Kredite. Das wollten die Zentralbanken mit ihren Maßnahmen zur Stimulierung auch bewirken. In der aktuellen Krise könnte sich diese Schuldenlast für viele Unternehmen jedoch als nur schwer stemmbarer Mühlstein erweisen.

Seit 2014 steigen die Schulden rapide.

Schulden steigen viel schneller als die Gewinne
Die im Schuldenindex für Firmen von Janus enthaltenen 900 größten Nicht-Finanzunternehmen der Welt sind derzeit um 37 Prozent höher verschuldet als 2014. Die Schulden steigen zudem viel schneller als die Gewinne. Der Vorsteuergewinn dieser Unternehmen ist um neun Prozent auf 2,3 Billionen Dollar gestiegen. Der Verschuldungsgrad, also das Verhältnis zwischen Fremd- und Eigenkapital, ist 2019 ebenfalls auf den Rekordwert von 59 Prozent geklettert. Gleichzeitig markierte der für die Bedienung von Zinsverbindlichkeiten verwendete Gewinnanteil einen neuen Höchststand.

Hälfte der Firmen haben Anleihen begeben
„All diese Trends haben sich mit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie 2020 verstärkt“, so die Janus Henderson-Analyse. Für Anleger in Unternehmensanleihen bedenklich: Die Hälfte der im Index enthaltenen Unternehmen entfällt auf Firmen, die Anleihen begeben haben. Nur zwischen Januar und Mai wurden Anleihen im Wert von 384 Milliarden Dollar ausgegeben, was einem Anstieg von 6,6 Prozent im Vergleich zum Emissionsvolumen Ende Dezember entspricht. Die Bankkredite sind ebenfalls rasant gestiegen.

Google-Mutter sitzt auf über 100 Milliarden Dollar Cash
Doch nicht alle Unternehmen setzen auf Fremdkapital. Ein Viertel der Unternehmen im Janus Henderson Index ist schuldenfrei, einige verfügen sogar über enorme Barreserven. An der Spitze steht hier der Google-Mutterkonzern Alphabet mit 104 Milliarden Dollar. Aktionäre mögen diese vorsichtige Haltung häufig nicht und hätten möglicherweise bessere Verwendungsmöglichkeiten für dieses Kapital. Janus Henderson schätzt, dass die Netto-Fremdmittel 2020 um bis zu eine Billion Dollar steigen könnten, was einem Plus von zwölf Prozent entsprechen würde.


Viel wird davon abhängen, inwiefern frisch beschafftes Kapital ausgegeben oder als Barreserve gehalten wird

Sinkende Dividenden und Aktienrückkäufe, weniger übernahmen und Investitionen
An sich sind Kredite nichts Schlechtes, solange sie angemessen sind, da sie die Aktionärsrenditen erhöhen können. Anleihen bieten interessante Anlagemöglichkeiten. Angesichts niedriger Zinsen sind die Unternehmen im Großen und Ganzen in der Lage, ihre Schulden zu bedienen. Anleger könnten jedoch in der aktuellen Lage Unternehmen mit solidem Cashpolster wieder zu schätzen lernen.
Denn die Verschuldung wird weitergehen. „Durch die weltweite Rezession werden die Gewinne und Cashflows stark zurückgehen. Der Fremdmittelbedarf wird enorm sein“, so Daniela Brogt von Janus Henderson in Österreich. Das ändert auch nichts daran, dass die Unternehmen im Index ihre diesjährigen Dividenden um 140 bis 300 Milliarden Dollar kürzen, ihre Aktienrückkäufe drastisch reduzieren, Übernahmen auf Eis legen und die Investitionsausgaben senken werden, erwartet Brogt. Viel wird davon abhängen, inwiefern frisch beschafftes Kapital ausgegeben oder als Barreserve gehalten wird und in welchem Umfang Unternehmen neue Aktien ausgeben, um ihre Bilanzen zu stärken.

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