Co2-Ziele 2025: Diese gewaltige Investitionen in E-Autos und Infrastruktur sind notwendig

Co2-Ziele 2025: Diese gewaltige Investitionen in E-Autos und Infrastruktur sind notwendig

In nur wenigen Jahren müssen Autohersteller die C02-Emissionen ihrer Modellpalette kräftig senken, um nicht Strafen in Milliardenhöhe zu riskieren. Unternehmensberater McKinsey hat ausgerechnet, welche Investitionen für Modelle und Infrastruktur dafür nötig sind und wie durch künstliche Intelligenz Rabatte besser eingesetzt werden können.

Unruhige Zeiten für die Autoindustrie: Eine weltweit nachlassende Autokonjunktur, Handelskonflikte und der Übergang zur Elektromobilität drohen zu einem perfekten Sturm zu werden. Schon jetzt finden sich in den Bilanzen vieler Hersteller und Zulieferer starke Bremsspuren. Bis 2021 müssten die Hersteller zum Erreichen der CO2-Ziele in der Europäischen Union mehr als zwei Millionen E-Autos verkaufen – 2018 waren es lediglich 200.000 Stück.

Strafen in Milliardenhöhe drohen
Werden die Flottengrenzwerte verfehlt, drohen Strafzahlungen von über 15 Milliarden Euro. Um dieses Extremszenario zu vermeiden, hat die Branche reagiert: Bis 2025 bringen die Hersteller mehr als 300 neue batterieelektrische Autos auf den Markt. Dies geht aus der neuen Studie „Mastering new mobility” hervor, der Unternehmensberater von McKinsey veröffentlicht.

Die Autohersteller haben 2018 mit rund 120 Milliarden Euro Gesamtgewinn und einer EBIT-Rendite von 6,3 Prozent erneut Rekorde eingefahren. Seitdem hat sich die Konjunktur jedoch massiv eingetrübt. „Die Industrie hat viele Baustellen, die sie gleichzeitig bearbeiten muss. Sie muss als Reaktion auf die abkühlende Autokonjunktur die Kosten weiter senken und gleichzeitig massiv in E-Mobilität, Connectivity und autonomes Fahren investieren“, sagt Andreas Tschiesner, Leiter der europäischen Automobilberatung von McKinsey.

Sinkende Gewinne erwartet
Doch mit Gewinnen und Margen in dieser Höhe soll es bereits 2019 vorbei sein.


Branche hat bereits 275 Milliarden in E-Autos investiert
Dass die Branche ihr Geschäftsmodell inzwischen massiv verändert, zeigt ein Blick auf die Investitionen in E-Mobilität: Mehr als 275 Milliarden Euro wurden bereits in modulare Plattformen und neue Modelle gesteckt. Knapp 60 batterieelektrische Modelle sind für 2020 angekündigt, 45 weitere für 2021 und 61 Modelle für 2022 – die meisten davon noch im Segment der mittleren und großen Fahrzeuge. Tschiesner: „In den größeren Segmenten fällt es Herstellern tendenziell leichter, positive Deckungsbeiträge zu erzielen.“ Neben einer Kostensenkung, vor allem bei der Batterie, müsse auch die Lieferkette neu organisiert werden. Für über zwei Millionen E-Autos benötige Europa eine Batteriekapazität von etwa 110 Gigawattstunden (GWh). Aktuell liegt sie bei 25 GWh.

In Europa fehlen 400.000 öffentliche Ladestationen
Zusätzlich müssen bessere Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit die E-Mobilität den Durchbruch schafft. So macht sich jeder zweite Kunde Sorgen um die Reichweite und Ladeinfrastruktur. Laut McKinsey fehlen in Europa bis zu 400.000 öffentliche Ladestationen.

Mehr Kooperationen als bisher nötig abseits klassischer Bereiche nötig
Die Studie nennt einen weiteren Erfolgsfaktor für den Übergang von der Auto- zur Mobilitätsindustrie: Kooperationen. „Zusammenarbeit ist für die Autoindustrie eigentlich nichts Neues“, erläutert Timo Möller, Leiter des McKinsey Center for Future Mobility. „Doch um technologisch auch in neue Gebiete wie Software, künstliche Intelligenz oder digitale Angeboten mit den Digitalkonzernen mitzuhalten, müssen sich Autohersteller und -zulieferer noch stärker öffnen.

Autoindustrie und Digitalkonzerne sollen auf Augenhöhe kooperieren
“Seit 2014 haben die Hersteller (OEMs) mehr als 250 Kooperationen geschlossen – mit 94 die meisten noch in klassischen Feldern wie dem Verbrennungsmotor. Doch auch die notwendigen Investitionen in E-Mobilität lassen sich auf mehreren Schultern leichter stemmen: Hier gibt es bereits 65 Kooperationen, 26 davon zwischen den Autoherstellern. 15 Zulieferer entwickeln bereits E-Achsen – also eine fertige Einheit aus Achse, Motor und Getriebe, die sie den Herstellern als Komplettlösung anbieten können. Auf dem Gebiet der Connectivity, autonomes Fahren und Shared Mobility überwiegt bei Autoherstellern hingegen die Zusammenarbeit mit Technologiekonzernen. Möller: „An die Stelle der klassischen Beziehung zwischen Zulieferern und Herstellern werden in Zukunft Mobilitäts-Ökosysteme treten, in denen sich die klassische Autoindustrie und die Digitalkonzerne auf Augenhöhe begegnen werden.“

Industrie 4.0 spart Kosten
Um Kosten zu sparen und so mehr Geld für Innovationen zur Verfügung zu haben, sind laut einer Umfrage unter Automanager, stoßen bereits rund 60 Prozent der Befragten an ihre Grenzen. "Künstliche Intelligenz und die Industrie 4.0 versprechen jedoch zusätzliches Einsparungspotential, so die Autoren der Studie. So würden Hersteller vielfach viele neue Lösungen fehlschlagen, weil sie aufgrund mangelnder fundierter oder inhomogener Daten gefällt werden würden. Durch Big Data Programme können Daten verlinkt und harmonisiert werden. Diese würden automatisierte Echtzeitdaten liefern und so die Effizenz fördern.

Durch künstlicher Intelligenz Rabatte und Aktionen gezielter einsetzen
Ein anderes Beispiel: Im Schnitt wenden Autohersteller 10 bis 20 Prozent ihres Gewinns für Rabatte auf, einer der heute am wenigsten gemanagte Ausgaben in der Branche. "Künstliche Intelligenz hat das Potential diese Kosten signifikant zu senken und auch die Zeit in der Neuwagen auf Halde stehen zu reduzieren. Wird die Nachfrage besser vorhergesagt, können die Hersteller besser planen, die Auslieferungen besser steuern und gezielter als bisher Rabatte und Promotions einsetzen.

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