Click & Buy: Die Autohändler erfinden sich in der Krise neu

Bisher war der Online-Neuwagenhandel tabu. Zu sehr fürchtete man die Händler zu verärgern. Doch jetzt, während des Shutdowns, bieten erste Hersteller und Händler ihre Ware online zum Verkauf an. Welche Konzepte es gibt und was die Branche nun dringend fordert.

Click & Buy: Die Autohändler erfinden sich in der Krise neu

Das erste Monat im Zeichen von Corona könnte für die Autoindustrie verheerender kaum sein. Noch nie in der Geschichte der Branche wurde im März ein so niedriges Ergebnis einfahren. Frankreich verbuchte bei den Neuzulassungen ein Minus von 72 Prozent, in Spanien lagen die Verkäufe im März 69 Prozent unter Vorjahr und in Italien brachen sie um 85 Prozent ein. In Österreich betrug der Nachfragerückgang, laut aktuellen Rohdaten, 66 Prozent.

Erlaubnis Auto zu verkaufen, aber Verbot diese anzumelden
In der Corona-Krise sind schließlich auch den Autohändlern die Hände gebunden. Kundenempfang in den Schauräumen ist per Strafe untersagt. Selbst ein Auto auch nur anzumelden, ist unmöglich. Denn die Zulassungsstellen wurden ebenfalls großteils dicht gemacht. Nur Fahrzeuge, die dazu dienen die Versorgung der Menschen aufrechtzuerhalten, wie etwa Einsatzfahrzeuge, dürfen angemeldet werden. Auch hinterlegte Nummerntafeln, etwa für Motorräder, können derzeit nicht abgeholt werden. Eine Maßnahme, die den Autoverkauf, auch wenn dieser nach wie vor erlaubt ist, praktisch zum Erledigen bringt. "Das obwohl wir kontaktlose Übergabe und eine komplette Desinfektion der Fahrzeuge garantieren können", so Christian Pesau, Sprecher der Autoimporteure.

Aber wie reagiert der Autohandel auf den Shutdown der Schauräume und den physischen Verkaufsstop? Viele, aber alle Hersteller und deren Händler warten nur ab, bis sie die Pforten ihrer Autohäuser wieder öffnen dürfen, sondern ergreifen selbst Initiative und versuchen neue, kreative Wege zu gehen, Autos über andere Absatzkanäle anzubieten. Wie in vielen anderen Branchen wagt so mancher Händler die ersten zaghaften Versuche online mit dem Kunden zu interagieren, sie zu beraten, Modelle zu reservieren oder gar einen Kauf online abzuschließen. Denn auch wenn die Zulassung der Autos erst mit der Wiedereröffnung des Handels und damit der Zulassungsstellen stattfinden darf, dürfen Fahrzeuge für Kunden schon derzeit reserviert oder auch verkauft werden, sowohl Neufahrzeuge als auch Gebrauchtwagen, Jungwagen und lagernde Autos.

Audi: Kunden per Video-Chat Modelle präsentieren
Zu den erfinderischen Herstellern in Sachen Kundenkontakt in der Krise herzustellen, zählt Audi.
Kaufwillige können sich online per Videoschaltung von einem Verkäufer beraten lassen. Dazu braucht man sich auf der audi.at nur für einen Beratungstermin registrieren. Um mit dem Händler in Kontakt zu treten, wird ein Link verschickt, der zum vereinbarten Zeitpunkt angeklickt wird. Und schon steht der Händler, ausgestattet mit einer Kamera, bereit das vorher vom Kunden ausgewählte Modell live im Schauraum zu präsentieren und Auskunft über das Auto zu geben. So lässt sich, wie der trend testete, unkompliziert von zu Hause aus das Modell von außen besichtigen, Details des Innenraums begutachten und dabei noch etwas über die Eigenschaften des Modells erzählt zu bekommen, oder, wie bei einem Gespräch im Schauraum, Fragen stellen. Als Kunde selbst ist man bei diesem Chat nicht sichtbar. Dieser neue Weg Autos zu präsentieren, könnte auch nach der Corona-Krise Schule machen. Bequemer und effizienter kann man sich kaum über ein Modell vorab informieren. Sagt einem der erste Eindruck des Modells und die Informationen, die man darüber erhält zu, kann man sich – Post-Corona – noch immer in einen Schauraum begeben.

1.000 Euro Bonus bei Online-Reservierung
Generell zählt der VW-Konzern, zu dem auch Audi gehört, in der Krise zu den aktivsten. Um in dieser Phase des Stillstandes des physischen Geschäfts, Kunden bei der Stange zu halten und ihnen die Reservierung eines Modells schmackhaft zu machen, werben sowohl Audi als auch VW und Skoda mit einem „Online Deal“. Wer jetzt beispielsweise einen Audi oder VW reserviert, erhält eine Prämie von 1.000 Euro. Den Neuwagen kann der Kunden dann bis Ende Juni 2020 abholen. Bei einer dafür nötigen Online-Reservierung muss der Kunde online die Autorisierung, je nach Marke zwischen 100 und 500 Euro von der Kreditkarte des Kunden zunächst zu „blocken“.

Zusätzlich: Rabatt auf Lagerware
Bei Skoda sind derzeit über 3.200 Stück als Lagerware verfügbar. Je die Hälfte sind online reservierbar oder werden zu einem Sonderpreis angeboten. Im günstigsten Fall sind Rabatte um über 2.200 Euro drinnen.

VW offeriert online über 1.000 Neuwagen, die auf Lager sind. Infos dazu finden sich auf der VW Homepage. Zum Online-Bonus von 1.000 Euro kommt noch ein Rabatt von bis zu 2.400 Euro hinzu.

Virtuelle Werksführung mit Guide
Es wird aber nicht nur die Modelle angeboten. Um die Kunden bei Laune zu halten, hat sich Audi noch etwas anderes einfallen lassen. Unter www.audi.stream gibt es virtuelle Werkführungen. Der Online-Rundgang wird laut Hersteller mit erfahrenen Tourguides durchgeführt. Es gibt zwei Möglichkeiten mit dem Guide in Kontakt zu treten. Beim Sendeformat live & talk sieht und hört der Kunde das Programm live und kann direkt mit dem Guide sprechen. Bei live&chat sieht die Führung zwar auch live, kann die Fragen aber nur via Chat übermitteln. In beiden Fällen lässt sich so vom Sofa aus sowohl die Produktion eines Audi erleben als auch die Reservierung für den Kauf online abschließen.

Hyundai liefert nach Hause und bietet zwei Jahre gratis Service
Der koreanische Autohersteller Hyundai, der sich auch schon vor der Krise, mit ersten Online-Verkäufen versucht hat, reagierte ebenso rasch auf die staatlich verordnete Schließung der Autohäuser. Unter dem Titel Stay@Home Click kann man auf hyundai.at Modelle bestellen und sogar nach Hause liefern lassen. Dazu gibt es zwei Jahre gratis Service. Allerdings können solche Modelle, derzeit nur von sogenannten systemrelavante Personen, wie Ärzte oder Pfleger, auch zugelassen werden. Eine weitere Möglichkeit zu einem Hyundai zu kommen, die demnächst allen Kunden zur Verfügung stehen wird, ist es sich ein Modell reservieren zu lassen und bis Ende Mai zu übernehmen. „In ein, zwei Wochen sind wir so weit“, so Hyundai-Sprecher Rasin Kamali. Bis dahin sollen alle rechtliche Fragen geklärt sein.

Hyundai: Click & Buy und bis zu 6.800 Euro sparen
Derzeit stehen auf der Hyundai-Homepage drei Modelle zum Kauf zur Auswahl: Der Hyundai Kona Click mit 120 PS mit Stay@Home Bonus von 3.400 Euro. Den Hyundai i30 Click mit 100 PS gibt es zu einem Nachlass von 4.600 Euro und den Hyundai Tucson Click mit 132 PS gibt es um 6.800 Euro günstiger. In welchen Farben und in welcher Zahl die Modelle noch verfügbar sind, sieht man per Mausklick. Dann noch auswählen, bei welchem Hyundai-Händler das Auto übergeben werden soll und schon ist die Bestellung, bis auf die persönlichen Daten fertig.

BMW: Lagerware kann online reserviert werden
Seit kurzem bietet BMW lagernde Modelle online an. Allerdings ist es derzeit nur möglich die Modelle zu reservieren. Die Höhe der Reservierungsgebühr variiert je nach Modell.

Renault: Tageszulassungen bei einzelnen Händler direkt bestellbar
Bei Renault bieten einzelne Händler Online-Reservierung an. Allen voran Renault Sonnleitner, der größte Händler der französischen Marke Österreichs. Am Onlineportal von Sonnleitner werden derzeit rund 280 Tageszulassungen der Marken Renault, Nissan, Alpine und Dacia angeboten. Demnächst sollen auf der Homepage von Renault Österreich auch Gebrauchtwagen online reserviert werden können.

Mercedes, der Hersteller, hat schon Mitte des Vorjahres angekündigt, bis 2025 jedes vierte Auto online verkaufen zu wollen, ist nun seit kurzem mit einem Online-Tool am Start. Daraus ist ersichtlich welcher Händler welches Modell gerade anbietet. Man stellt dem Händler mittels Online-Formular ein Angebot, lässt sich so das Stück reservieren und handelt, bei Bedarf eine Finanzierung aus.

Tesla: Der Online-Pionier
Was für viele Hersteller und Händler brandneu ist, ist für Online-Pionier Tesla, ein alter Hut. Der Online-Verkauf des kalifornischen Elektroautoanbieters ist in vielen Ländern seit der ersten Stunde der einzige Vertriebskanal. Wie bei Amazon oder anderen Onlineplattformen, reicht es den Tesla seiner Wahl anzuklicken und beispielsweise per Kreditkarte zu kaufen. Der große Vorteil von Tesla: Es muss nicht auf die Befindlichkeiten von stationären Händlern Rücksicht nehmen, die Angst um ihr Geschäft haben, und kann den Online-Handel ungehindert forcieren. Doch speziell wenn, wie jetzt, alles steht, haben diejenigen, die digital gerüstet sind, einen großen Vorteil, der ihnen vielleicht auch noch nach dem Corona bedingtem Shutdown nützt.

Die meisten Hersteller verweisen auf ihren Onlineportalen jedoch lediglich darauf, in Notfällen für Service und Reparaturen zur Verfügung zu stellen. Selbst bei so mancher Hotline, wo man sich über ein Modell erkundigen möchte, ist Warten oberstes Gebot und selbst dann findet sich für Neuwagen-Interessenten nicht immer ein Ansprechpartner. Zukunft sieht anders aus.


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