100 Jahre Citroën, 70 Jahre 2CV: Jubiläum mit Ente

Citroen 2CV

Kultobjekt Citroën 2CV

Citroën feiert das einhundertste Firmenjubiläum und eine Ikone der Firmengeschichte: 1948 wurde mit dem Citroën 2CV weltweit die erste Kleinlimousine mit Vorderradantrieb präsentiert - und war damit eines der ersten leistbaren Limousine für kleine Leute. Ein Rückblick.

Der französische Automobilhersteller feiert sein 100. Firmenjubiläum. Im Jahr 1919 wurde der erste Citroen der 10 HP Typ A. Als Anlehnung für die Entwicklungs- und Produktionsweise hatte der Ford Model T gedient. Bis 1921 wurden über 24.000 Stück des aus heutiger Sich klassischen Oldtimers produziert und war damit das erste in Großserie produzierte französische Auto.

Von Anfang an bauten die Franzosen den Typ A auf einer Plattform in mehreren Varianten, als Torpedo, als Doktorwagen oder als Stadtwagen mit vier gefederten Sitzen und stoffbezogenen Rückenlehnen, was für die damalige Zeit ein absoluter Luxus war - ebenso wie die elektrische Innenbeleuchtung.

Der wirklich große Wurf sollte den Franzosen allerdings erst drei Jahrzehnte später, im Jahr 1948 gelingen, als Europa noch in Trümmern lag und sich langsam vom Schrecken des Zweiten Weltkriegs zu erholen begann.

Am 7. Oktober 1948 wird am Pariser Autosalon erstmals der Citroën 2CV vorgestellt. Kaum einer kann sich heute noch vorstellen, was für eine Errungenschaft das damals war – und wie bedächtig sich die Fahrzeugwelt damals fortbewegt hat. Der erste 2CV wurde von einem nur neun PS schwachen - stark wäre das falsche Wort - Zweizylinder-Boxermotor angetrieben. Damit schaffte der 2CV immerhin knapp 70 Kilometer pro Stunde.

Das "hässliche Entlein"

Mit dem VW Käfer und dem Fiat 500 bildete der 2CV das Trio der Automobile, die über Jahrzehnte hinweg auf Europas Straßen allgegenwärtig waren. Einfach, günstig und praktisch unverwüstlich - mit diesen Merkmalen wurden die drei Klassiker zu Wegbereitern der Individual-Mobilität wie wir sie heute kennen.

Im Gegensatz zu Volkswagen und Fiat erntete Citroën aber für den 2CV zunächst einmal Spott und Häme. Beim Anblick der 2CV-Karosserie bezeichnete ein holländischer Journalist das neue Modell als „hässliches Entlein“ - und begründete mit dieser Aussage auch gleich den Spitznamen und den bis heute besthenden Kult um den Citroën 2CV.

Rückschläge durch Bombardements
Fast hätte das ungewöhnliche Modell mit dem späteren großen Erfolg nie Asphalt gesehen. 1940 wurde das Werk, in dem an dieser ersten Limousine für kleine Leute getüftelt wurde, bombardiert. Aber die Ingenieure haben die Prototypen versteckt und so ging acht Jahre später, nach mehrmaligen Rückschlägen durch Bombenangriffe, das erste Serienfahrzeug in Produktion. Detail am Rande: Aufgrund der grassierenden Treibstoffknappheit in den Kriegs- und ersten Nachkriegsjahren arbeiteten die Entwickler an alternativen Kraftstoffen. Der 2CV konnte praktisch mit allem fahren. Auch mit Strom, Alkohol oder Holzgas.

Motorleistung verdreifacht
Die Basismotorisierung, die 9 PS schwache Entenbrust, wurde im Laufe der Jahre mit deutlich mehr Kraft ausgestattet. Die letzten Typen schafften 29 PS und eine Spitzengeschwindigkeit von 113 km/h. Die 500 Kilo schwere „Ente“ ist damit eines der wenigen Fahrzeuge, deren Leistung der Basismotorisierung sich im Laufe der Entwicklungsstufen mehr als verdreifachte.

Bis zu sechs Jahre Wartezeit
Was man sich heute eigentlich nicht mehr vorstellen könnte: Die Wartezeit für den Citroën betrug zu Beginn kurzzeitig bis zu sechs Jahre. Grund dafür war die Rohstoffknappheit. Deshalb konnten anfangs nur geringe Stückzahlen produziert werden.

Billig und sparsam
Der Kaufpreis für den Citroën 2CV war sehr niedrig, ebenso die Unterhaltskosten, denn die Technik dafür war extrem einfach. Der kleine Hubraum schlug sich in einer günstigen Steuerklasse nieder. Zudem war das Auto schon für damalige Verhältnisse sparsam im Verbrauch und benötigte wenig Wartung. Das trug früh dazu bei, dass die „Ente“ später zum typischen Studentenauto avancierte und teilweise auch Ausdruck einer nonkonformistischen und konsumkritischen Lebenshaltung wurde.

Die Ente wird zum Kultobjekt
Das Modell wurde auf Anhieb zum Verkaufsschlager. Nachdem der letzte 2CV am 27. Juli 1990 das Citroën-Werk im portugisischen Mangualde verlassen hatte, entwickelte sich die „Ente“ endgültig zum Kultfahrzeug. Für viele Besitzer spiegelt sie darin das Lebensgefühl gleich mehrerer Generationen wider.


Fakten Citroën 2CV

  • Premiere: 7. Oktober 1948 auf dem Pariser Salon
  • Designer: Flaminio Bertoni
  • Konstrukteur: André Lefèbvre
  • Produktionszeitraum: 1949-1990
  • Produzierte Fahrzeuge: 3.868.631 Limousinen und 1.246.335 Kastenwagen
  • Motoren: Zweizylinder-Boxermotor, 375 bis 602 cm3, 6,6 kW (9 PS) bis 21 kW (29 PS), 70 bis 113 km/h
  • Maße (L/B/H in mm), Radstand (mm): Limousine: 3.830/1.480/1.600, 2.400
  • Fahrzeughighlights : Frontantrieb, luftgekühlter Zweizylinder-Boxermotor, Karosseriestruktur aus Stahlprofilen, Leichtbau

Web-Tipp

Zum 100. Firmenjubiläum wurde die Website Citroën Origins eingerichtet, die einen Überblick über die Firmengeschichte und alle Modelle gibt.

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