Sind Piloten in zehn Jahren überflüssig?

Sind Piloten in zehn Jahren überflüssig?

Lufttaxis könnten schon bald unseren Himmel bevölkern.

Eine revolutionäre Technik könnte schon in zehn Jahren die gesamte Flugzeugindustrie und damit die Branche der Zulieferer auf den Kopf stellen. Beim Treffen der Luftfahrtindustrie in Graz blickten Experten in die Zukunft.

"Guten Tag, hier spricht ihr Kapitän". Diese beruhigenden Worte, eines Menschen, der durch jahrelange Ausbildung und Erfahrung gelernt hat, Wind und Wetter in der Luft trotzt, könnte für Passagiere schneller als viele erwarten, der Vergangenheit angehören. "Wie in der Autobranche tauchen derzeit völlig überraschende neue Entwicklungen auf", so Jochen Kaiser, Chef der Abteilung "Visionary Aircraft Consepts" der deutschen Forschungsstätte "Bauhaus Luftfahrt." Und dazu braucht es häufig keine Piloten mehr. Beim Branchentreffen der Luftfahrtindustrie Aircontact in Graz gaben Experten einen Einblick in die Trends und Entwicklungen de Luftfahrtbranche und sprachen über Visionen und realistische Ziele.


Aus dem Traum vom Fahren wird der Traum vom Fliegen

Die große Zulieferer aber auch kleine Start ups wie der deutsche Newcomer "Volcopter", prescht mit neuartigen Luftfahrzeugen vor. Das Unternehmen hat einen elektronischen Hubschrauber entwickelt, der eines Tages autonom fliegen soll und auch Passagiere transportieren soll. Daimler-Chef Dieter Zetsche, der mit seinem Unternehmen vor kurzem als einer der größeren Financier eingestiegen ist, sagte zur neuen Entwicklung in der Luft: "Aus dem Traum vom Fahren wird der Traum vom Fliegen."

Airbus startet 2018 mit selbst fliegenden, elektrischen Citytaxis

Doch auch die Giganten der Lüfte sind drauf und dran große Visionen umzusetzen. Airbus steht bereits mit einem futuristischen CityAirbus (siehe Bild), der elektrisch durch die Lüfte schwebt, kurz vor den ersten Test. Das neue Flugobjekt, das als Lufttaxi konzipiert ist, kann bis zu vier Personen transportieren, startet und landet senkrecht und ist 120 km/h schnell. Piloten braucht es für diese autonom fliegenden Miniflugzeuge keine mehr. Die Tests wurden nun erfolgreich beendet. Ende 2018 erfolgt mit ersten Testflüge der nächste Schritt Richtung serienreife. Der CityAirbus soll kosteneffizient sein und in hoher Stückzahl produziert werden.

In zehn Jahren könnten zahlreiche Flugzeuge bereits autonom fliegen

Autonome Systeme und elektrische Antriebe werden, in der Luftfahrbranche, so der Tenor der Experten auf dem Fachkongress, schon in Kürze zu zahlreichen Veränderungen führen. In zehn Jahren könnten viele Flugzeuge bereits autonom fliegen. "Dass es aber mehr als die Hälfte aller Flugzeuge autonom fliegen wird, glaubt man dennoch nicht", gibt Wolfgang Vlasaty, Geschäftsführer des Mobilitätscluster ACstyria einen Ausblick.

Produktion verändert sich rasant

Noch schneller verändert sich jedoch nach Ansicht der Luftfahrexperten die Produktion selbst: Künstliche Intelligenzen könnten bald Lieferketten planen, verhandeln und steuern. Hier ist ein dramatischer Bedarf an IT-Fachkräften vorhanden. "Nur mit Know-how könne sich Österreich als typisches Hochlohnland auch weiterhin am internationalen Markt durchsetzen", so Mobilitätscluster-Chef Vlasaty.

Die Revolution aus dem 3D-Drucker

Zwei Drittel aller Teilnehmer der Aircontact prognostiziert eine radikale Veränderung der Zulieferindustrie durch die 3D-Druck-Technologie. Bauteile können damit in nahezu jeder gewünschten Form gestaltet werden, wodurch herkömmliche Produktionsverfahren unter Druck gesetzt werden. Mit ein Grund für diese Entwicklung ist das Thema Leichtbau in der Luftfahrt: 3D-Druck bietet völlig neue Möglichkeiten, wie die Konstruktion komplexer Wabenstruktur in Metall- oder Kunststoffbauteilen. "Dadurch kann bei Flugzeugen viel Treibstoff eingespart werden“, erklärt Vlasaty vom Mobilitätscluster.

3-D-Druck eröffnet völlig neue Chance

Ein Großteil der Teilnehmer ging davon aus, dass Europa und die USA ihre technologische Vorreiterrolle behalten würden. Als große Chance sieht man die Themen „Neue Materialien und Leichtbau“ und den damit eng verbundenen 3D-Druck. „Vor allem auch KMUs und regionale Zulieferer können hier mit viel Innovationskraft eine tragende Rolle spielen“, unterstreicht Vlasaty. Mit Forschungseinrichtungen wie FH Joanneum Aviation, TU Graz, MUL (Materialien), Joanneum Research, Kompetenzzentren wie dem PCCL und Unternehmen wie Böhler Schmiedetechnik, Pankl Aerospace , AMES sei Österreich gut aufgestellt.

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