Bilanz der Autohersteller: Die Aufsteiger, die Verlierer

Bilanz der Autohersteller: Die Aufsteiger, die Verlierer
Bilanz der Autohersteller: Die Aufsteiger, die Verlierer

Verkaufsschlager aus Stuttgart: Die neue Mercedes E-Klasse.

Verrückte Welt: Die Nachfrage nach Autos zieht an, aber die drei größten Hersteller können davon nicht profitieren. Eine Trendwende gibt es nach Jahren bei den Tageszulassungen.

Die Autohersteller könnten nach dem ersten Halbjahr die Champagnerkorken knallen lassen. Weltweit läuft das Autogeschäft wie in guten alten Zeiten. In der EU wurden von Jänner bis Juni 2016 um 6,9 Prozent mehr Neuwagen verkauft, alleine in Westeuropa kauften neun Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum einen Neuwagen. In Österreich betrug der Zuwachs 6,3 Prozent. Vor allem die wachsenden Kernmärkte China und Europa sind bislang gut verlaufen.

Italien, Spanien und China: Die größten Wachstumsmärkte

In manchen Ländern fiel das Plus sogar noch größer aus. In Italien verbuchten die Autohändler einen Nachfragesprung von 19,2 Prozent, in Spanien um 12,5 Prozent. In China wurden in den ersten sechs Monaten um zwölf Prozent mehr Neuwagen geordert. In den USA verzeichnete der Absatz nach Rekordzuwächsen, in diesem Jahr allerdings bisher nur ein Plus von einem Prozent.

Brasilien-Markt stürzt am stärksten ab

Die höchsten Rückgänge verzeichnet der Automarkt in Brasilien, der um 25 Prozent einbrach. Der russische Markt ging um 14 Prozent zurück, der japanische um fünf Prozent. Stefan Brazel, Leiter des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach: „Vor allem in Russland ist von stark sinkenden Pkw-Zulassungen auszugehen." Keine Erholung erwartet etwa Daimler für den brasilianischen Markt. Auch die Aussichten für den Gesamtmarkt schwächen sich ab: „In der zweiten Jahreshälfte mehren sich die Anzeichen für ein geringeres Wachstums bei Neuzulassungen“, so Brazel.

Die größten Absatzgewinner in den ersten sechs Monaten waren die drei deutschen Premiumhersteller Daimler (+10,3%), BMW (+5,8%) und Audi (+5,6%). Daimler ist damit am besten Weg im Gesamtjahr BMW als stärkster Premiumhersteller wieder ablösen. Die Stuttgarter setzten im ersten Halbjahr 1,22 Millionen Neuwagen ab, BMW 1,16 Millionen. Vor allem der Start der neuen E-Klasse brachte Mercedes Rekordwerte.

Deutlich weniger geschönte Zahlen

Die insgesamt deutlich gestiegene Nachfrage hat auch den Druck von den Autoimporteuren und Händlern etwas genommen, den Absatz durch Dumpingpreise anzukurbeln, wie das Beispiel Österreich zeigt. Die Pkw-Tageszulassungen sind alleine in Österreich im ersten Halbjahr 2016 um mehr als ein Fünftel (21 Prozent) zurückgegangen. Im Zeitraum Jänner bis Juni wurden 9.239 Autos nach einer Zulassungsdauer von einem Tag wieder abgemeldet, wie aus den aktuellen Zahlen der Statistik Austria hervorgeht. Damit wollen in der Regel Autohändler ihre Zulassungsstatistiken schönen.

Drei Prozent Zuwachs für Gesamtjahr erwartet

Die Experten von Statista.com gehen für 2016 dennoch von einem weltweiten Neuzulassungen von 74,5 Millionen Stück aus, was einem Zuwachs von rund drei Prozent gegenüber dem Vorjahr gleich käme. Das CAM-Institut hatte zu Jahresbeginn jedoch noch mit einem Absatz von 78 Millionen Neuzulassungen zu Jahresende gerechnet.

VW und Toyota: Branchenriesen mit schwachen Zuwächsen

VW verteidigte mit 5,04 Millionen verkauften Autos im ersten Halbjahr zwar seinen Status als größter Autobauer der Welt, erzielte aber nur einen Zuwachs von 0,8 Prozent. „Volkswagen profitiert vom guten Marktumfeld in Westeuropa und China“, so Brazel vom CAM-Institut. Um den Absatz weiter und stärker nach oben zu schrauben, könnte VW, laut Informationen des Manager Magazins, in die Produktion von Billigautos einsteigen und mit dem indischen Hersteller Tata zusammenarbeiten.

Hyundai: Opfer des niedrigen Ölpreises

Toyota, die Nummer zwei am Markt, konnte vom anziehenden Markt ebenfalls nicht profitieren. Im ersten Halbjahr legte dieser um magere ein Prozent zu. General Motors, mit 4,7 Millionen verkauften Neuwagen seit Jahresbeginn, musste sich gar mit einem Minus von knapp zwei Prozent zufrieden geben. Beim koreanischen Hersteller Hyundai/Kia ging der Absatz sogar über zwei Prozent zurück. Den Koreanern macht vor allem die Schwäche im wichtigen US-Geschäft zu schaffen. Der Überschuss sank das zehnte Quartal in Folge. Hyundai ist auch ein Leidtragender des niedrigen Ölpreises. Denn vor allem in den USA entscheiden sich viele Käufer für prestigeträchtigere Spritschlucker und machen einen Bogen um die sparsameren Limousinen von Hyundai.

GM: 23 Prozent höhere Ebit-Marge

GM hat zwar unter den drei größten Autoherstellern im ersten Halbjahr den größten Nachfragerückgang, konnte aber laut den Daten Center of Automotive Management seinen Gewinn unter den größten drei Herstellern und den drei größten Premiumautobauern am deutlichsten steigern. Die Konzernrendite sprang gegenüber dem ersten Halbjahr 2015 um 23 Prozent auf 8,3 Prozent. Gewinne fährt GM vor allem in den USA und Europa ein. In Europa fuhr der Konzern mit der Tochtermarke Opel erstmals nach fünf Jahren überhaupt einen Gewinn ein. Dieser lag bei 100 Millionen Dollar (90,8 Millionen Euro). Doch bei Opel gibt es Probleme am Horizont: Im Juni schwächelte der für Opel/Vauxhall wichtige britische Markt. Wegen des abgewerteten Pfunds verdient Opel bei Auto-Verkäufen auf der Insel schlagartig weniger. Als guter Schritt von GM hält laut Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer die Fabrik in Russland dicht gemacht zu haben. Sie war nach den Sanktionen aufgrund von Absatzproblemen stark unter Druck geraten. Die Detroiter sind dennoch guter Dinge und haben ihre Gewinnprognosen angehoben.

BMW gelang es unter den größten Herstellern und den drei Premiumbauern ebenfalls die Rendite zu steigern. Das Ergebnis: Die Ebit-Marge legte um 1,7 Prozent auf 11,5 Prozent zu. Damit ist BMW aktuell der Autohersteller mit dem höchsten Ertrag.

Ebit-Marge von VW: Minus 23,8 Prozent im ersten Halbjahr

Bei VW sind dagegen die Erträge kräftig eingebrochen. Die Bilanz des ersten Halbjahres: Die Ebit-Marge sank gegenüber dem ersten Halbjahr 2015 um knapp 24 Prozent auf 4,8 Prozent. VW will diese Abwärtsspirale bei Gewinn und Margen ein Ende setzen und das Spartempo erhöhen.

Enormen Spareffekte erwartet

VW-Markenchef Herbert Diess geht deshalb daran den Konzern noch kostenschonender aufzustellen. Wie hoch die Einsparungen sind, verraten die Wolfsburger aber nicht. Analysten gehen davon aus, dass die Effekte enorm sind. Unklar ist noch, wie viele davon auf Diess' Vorgänger Martin Winterkorn zurückgehen, der bereits ein milliardenschweres Sparprogramm aufgelegt hatte.
Als nächstes nimmt sich Diess die Werke vor, von denen einige nach Meinung von Experten nicht effektiv genug arbeiten. Das Management will den Umbau möglichst schonend angehen. Pläne für einen Personalabbau sind bisher erst für die Verwaltung durchgesickert. Dort sollen mehr als 3.000 Bürostellen wegfallen. Die Mitarbeiter sollen in anderen Bereichen unterkommen, früher in den Ruhestand gehen oder Bildungsauszeiten nehmen.

Margenknick auch bei Mercedes

Unter den Premiumherstellern verzeichnete neben VW auch Mercedes einen kräftigen Margenknick. . Die operative Marge, also der Anteil des operativen Gewinns (Ebit) am Umsatz, lag unter bei 6,4 Prozent, nach 10,5 Prozent ein Jahr zuvor. Rückstellungen für den Rückruf von Autos mit Takata-Airbag und für "Aufwendungen im Zusammenhang mit rechtlichen Verfahren" belasteten den Gewinn. Zuletzt hatten unter anderem Anlaufkosten für die neue E-Klasse den Wert gedrückt. Das erklärte Ziel von Daimler ist hier ein Wert von 10 Prozent.

BMW erzielt die höchsten Margen und legte im ersten Halbjahr sogar noch leicht zu, GM macht den größten Margensprung. VW und Mercedes in Schwierigkeiten.

Ebit-Margen im Vergleich

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