Autohersteller: Von der Cashcow zur "Non-Profit-Organisation"?

Die Autohersteller sind so profitabel wie nie. Doch Branchenexperten sind besorgt, dass schon in den nächsten fünf Jahren die Gewinne dahinschmelzen könnten. Die Autohersteller sehen sich mit großen Risiken konfrontiert, auf die sie bisher keine Antwort haben. Daimler tritt jetzt die Flucht nach vorne an. Den Start des neuen Elektro-Golf von VW sehen Experten kritisch, zumindest aus finanzieller Hinsicht.

Autohersteller: Von der Cashcow zur "Non-Profit-Organisation"?

Vorige Woche startete in der gläsernen VW-Fabrik in Dresden die Produktion des neuen VW E-Golf. Mit Stromautos Geld zu verdienen, ist für Hersteller allerdings ein schwieriges Unterfangen.

Die Autohersteller sind derzeit in Partylaune. Daimler und BMW sind die Könige unter den Profitmachern. Daimler machte im Vorjahr 13 Milliarden Euro Gewinn, auf dem zweiten Platz BMW mit 9,4 Milliarden Euro. Doch die Party könnte sich für die Autohersteller, allen voran die europäischen, dem Ende neigen.

Kein gewinnbringende Lösung für Autos mit geringem C02-Ausstoß

Nach wie vor hat kein Autohersteller einen profitablen Weg aufgezeigt, wie man C02-Bilanz verbessern will. Der Diesel ist in Europa in die Kritik geraten, ist aber für die Hersteller das einzige Instrument um C02-Ausstoß kräftig zu senken. Im Schnitt stoßen Diesel um ein Viertel weniger C02 aus als Benziner. Dafür ist jedoch die Feinstaubbelastung höher als beim Benziner. Guido Reinking glaubt, dass der Diesel dennoch weiterhin eine Chance hat. „Daimler hat gerade einen sehr guten Diesel vorgestellt, der alle Abgasgrenzwerte auch im Fahrbetrieb auf der Straße einhält, nicht nur im Labor. Das zeigt, technologisch ist da noch einiges drin“, so Reinking gegenüber dem Sender n-tv.

Mercedes mit dem fast perfekten Diesel

Daimler investiert in den nächsten drei Jahren 2,6 Milliarden Euro in seine neue Dieselmotoren-Generation. Ein Teil des Geldes floss bereits in die Entwicklung eines neuen Vierzylinder-Motors, der seit März erstmals bei der neuen Mercedes-E-Klasse eingesetzt wird. Im Vergleich zum Vorgänger verbraucht das neue Mercedes E-Klassen-Motor um 15 Prozent weniger Sprit und stößt um 15 Prozent weniger CO2 aus. Dennoch hat er um 25 PS mehr Leistung.

Neue, teure Technik

Dafür wird erstmals eine sogenannte Harnstoff-Technik angewandt. Diese gilt als derzeit technisch beste Lösung für das Herausfiltern von Stickoxiden. Allerdings muss dafür ein Extra-Tank eingebaut werden, was die Sache teurer macht. Deshalb werden solche „sauberen“ Diesel wohl nach Einschätzung von Experten nur bei teureren Fahrzeug-Modellen zum Einsatz kommen.
Laut Daimler-Technikchef Thomas Weber ist der Motor zudem darauf ausgelegt, "alle künftigen Abgasvorschriften weltweit zu erfüllen". Und für Daimlers Entwicklungs-Chef Ola Källenius ist der Diesel ein "ganz, ganz, ganz wichtiger Bestandteil" zum Erreichen der CO2-Ziele.
Antriebsexperte Thomas Koch vom Karlsruher Institut für Technologie stinken die Angriffe auf den Diesel gewaltig: „Das ist eine Hexenjagd, die ihresgleichen sucht.“ Denn in der Summe aller Eigenschaften sei der Diesel der umweltfreundlichste Antrieb und das werde noch für lange Zeit so bleiben. Fest steht für Autoexperte Reinking: Technologisch ist beim Diesel noch einiges drin.

Wie mit Elektroauto Geld verdienen?

Doch die Autohersteller kommen nicht nur wegen des Diesels unter Druck. Die Gesellschaft fordert immer mehr Elektrofahrzeuge. Reinking: „Nur bisher hat kein Hersteller gezeigt, wie man mit so einem Modell Geld verdienen kann. Die Produktion dieser Modell verschlingt derzeit bei sämtlichen Herstellern so hohe Summen, dass sie im vollen Ausmaß nicht an die Endkunden weitergegeben werden können. Ein Unternehmensberater witzelte erst kürzlich „Wenn es so weitergeht sind in fünf Jahren die europäischen Autohersteller NPOs, Non-Profit-Organisationen.“

Neu überarbeiteter VW Elektro-Golf für viele nicht erschwinglich

Reinking betrachtet deshalb auch weiterhin den Diesel als den wichtigsten Antrieb, wenn es um die Reduktion des C02s geht. Denn das Elektroauto sei, trotz gestiegener Reichweite vielen noch zu teuer. VW hat nun zwar den neuen Elektro-Golf vorgestellt. Das günstigste Modell kostet aber 37.990 Euro. „Das ist für viele VW-Kunden nicht erschwinglich“, sagt Reinking. Zum Vergleich: Bei einem konventionell betriebenen Golf ist man ab 19.590 Euro dabei. Daran ändern auch Umweltprämien in einzelnen Ländern nichts wesentliches.

Dass Elektroautos den klassischen Antrieb in Zukunft ablösen könnten, glaubt Reinking nicht.

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