Autobranche: „Wolken am Horizont“ - Die Risiken für Aktionäre

Autobranche: „Wolken am Horizont“ - Die Risiken für Aktionäre

Die Analysten von Goldman Sachs sorgen sich um die Autobranche. Welche Bedenken sie haben, welche Autoaktien sie besonders kritisch sehen und wo sie dennoch Potential erwarten.

Die Analysen von Goldman Sachs sehen düstere Wolken in der Autobranche aufziehen. Doch noch deutet nichts daraufhin. China der weltweit größte Automarkt – vor einem Jahr ins Stottern geraten - zieht wieder kräftig an. Im Juli wurden 23 Prozent mehr Autos verkauft als im selben Zeitraum des Vorjahres. Bereits seit fünf Monate in Folge geht es beim chinesischen Automarkt bergauf. Die Lagerbestände schrumpfen deutlich. Die Maßnahmen der chinesischen Regierung wirken: Die Mehrwertsteuer für kleinere Autos wurde gesenkt und große werden mit Boni gefördert.

Auch in Westeuropa ist Bilanz seit Jahresbeginn überwiegend positiv. In den ersten sechs Monaten ist der Absatz im Vergleich zum Vorjahr um 8,5 Prozent gestiegen, in Osteuropa hat es ein Plus von 17,2 Prozent gegeben und in den USA eines von 1,3 Prozent. Nicht nur in China auch in Indien brummt das Geschäft. Der Subkontinent weist im ersten Semester ein Neuzulassungsplus von 4,5 Prozent aus, und im Reich der Mitte hat es sogar 12,0 Prozent mehr neue PKWs gegeben.

Trendwende erwartet

Doch diese positive Entwicklung könnte bald vorüber sein, glaubt Goldman Sachs. Die Analysten der Bank bewertete die Aussichten für die Branche als herausfordernd. Es gebe "Wolken am Horizont". So habe der Automarkt in den USA ein Hoch erreicht, Europa bewege sich darauf zu, die Wachstumsraten seien geringer. Zudem müssten sich die Autobauer mit strukturellen Veränderungen im Sektor, wie etwa den Elektroautos, auseinandersetzen.

Optimismus verflogen

Mit einer Abschwächung des Wachstums in der deutschen Autobranche rechnet auch das deutsche Wirtschaftsforschungsinstitut ifo. Laut einer Umfrage in der deutschen Autobranche werden die Exportaussichten deutlich negativer eingeschätzt als zuletzt. "In diesen Bereichen ist der Optimismus fast gänzlich verflogen", Ifo-Präsident Clemens Fuest.


Erste Anzeichen einer Ermüdung der Konsumenten gibt es in den USA, dem zweitgrößten Automarkt der Welt. Die Amerikaner haben im Juli insgesamt deutlich weniger Autos gekauft als zuletzt. Der Zuwachs lag gerade einmal über einem Prozent. Der Absatz der Marktführer GM und Ford fiel sogar überraschend stark. Markführer General Motors verkaufte knapp zwei Prozent weniger Fahrzeuge als im Vorjahr, bei Ford belief sich das Minus auf drei Prozent, bei Toyota auf 1,6 Prozent. Nach sechs Jahren hohen Wachstums jedoch kein Wunder, wenn die Nachfrage nachlässt.

BMW von Goldman Sachs heruntergestuft


Für BWM hat Goldman Sachs nun seinen Daumen gesenkt und die Aktie herabgestuft. In den USA muss der Premiumbauer bereits Rückschläge bei den Neuzulassungen hinnehmen. So gab BMW für das zweiten Quartal schwache Ergebnisse für den wichtigen US-Markt an. Danach ging der Umsatz in den USA im ersten Halbjahr um 8,4 Prozent auf rund 179 000 Fahrzeuge zurück. Der Trend setzte sich auch im Juli fort. Der Absatz der Marke BMW fiel um 4,4 Prozent, der von Mini um acht Prozent. BMW muss sich laut Goldman Sachs auch auf eine geringere Profitabilität im China-Geschäft einstellen.

BMW von der NordLB zum Kauf empfohlen

Doch Frank Schwope, Autoanalyst der NordLB sieht die Sache anders. So lobt er, dass sich die Margen bei BMW verbessert haben. Und die Bedeutung von China für BMW nehme zu. Mittlerweile werden mehr als 20 Prozent der Konzernfahrzeuge dort verkauft. Jedoch rechnet Schwope damit, dass BMW in diesem Jahr von Mercedes als größter Premiumhersteller der Welt abgelöst wird. "Gerade der Abgasmanipulationsskandal von Volkswagen zeigt jedoch, dass Größe kein Wert an sich ist", so Schwope. Viel wichtiger sei die Profitabilität eines Unternehmens. Die Ebit-Marge der Bayern liegt bei über 10 Prozent. Mit Blick auf die Halbjahreszahlen bleibt die NordLB für BMW beim Anlageurteil „Kaufen“. Das Kursziel: 90 Euro.

Daimler kaufen

Daimler dagegen empfiehlt Goldman Sachs weiterhin zum Kauf. So hält sich der deutsche Premiumbauer auch im schwieriger werdenden US-Markt gut. So erzielte Mercedes im Juli in den USA einen Zuwachs von 7,2 Prozent erzielt. Dafür sorgten vor allem die C-Klasse, E-Klasse und GLE-Modelle. Auch für das dritte Quartal ist Mercedes US-Chef optimistisch.

Für Peugeot und Fiat Chrysler bestätigten die Experten ihr "buy"-Rating.

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