Autobauer und -Zulieferer: 2020 wird noch einmal richtig hart

Autobauer und -Zulieferer: 2020 wird noch einmal richtig hart

So mancher Autozulieferer ist nur noch überlebensfähig, weil er vom billigen Geld der EZB profitiert.

2019 verzeichnete die Autobranche, was den Absatz betrifft, den größten Absturz seit fast 20 Jahren. Im neuen Jahr soll es noch einmal richtig zur Sache gehen. Welche Zulieferer besonders leiden und wann erst wieder Erholung naht und von was praktisch alles abhängt.

Das Jahr 2019 war schon richtig hart für die Automobilbranche und deren Zulieferer. Weltweit sind die Verkaufszahlen bei Neuwagen weltweit um fünf Prozent zurückgegangen. Klingt nach nicht viel, ist aber angesichts der Millionen Stückzahlen, um die es da geht, nicht ohne. 2019 wird der Absatz voraussichtlich von über 83 Millionen Stück weltweit auf knapp 80 Millionen Stück sinken. Der höchste Rückgang seit mehr als 20 Jahren. Selbst während der Zeit der Weltfinanzkrise ist der Automarkt nicht so stark eingebrochen. Schuld an allem ist de facto der Zollkrieg der USA, der wiederum dem wichtigen chinesischen Automarkt eine Rezession beschert hat und auch in Europas Industrie ein Beben hinterlassen hat.

Der Welt-Autoabsatz ist 2019 kräftig eingebrochen. Erst 2023 soll der Absatz höher als im Vorjahr sein.


Konjunkturelle Alarmsignale verdichten sich

Die Branche liegt seit Ausbruch der Auseinandersetzung der beiden Großmächte am Boden. Und es soll noch dicker kommen. "Konjunkturell verdichten sich die Alarmsignale aus China und den USA", sagte etwa VW-Chef Herbert Diess auf einer Betriebsversammlung im Stammwerk Wolfsburg. Auch Daimler hat wie viele andere Autohersteller deshalb die Absatzprognosen für 2020 gesenkt. Volkswagen hat die internen Wachstumsprognosen für die nächsten beiden Jahre beispielsweise um jeweils 400.000 verkaufter Autos reduziert.


Zweistellige Umsatzeinbrüche erwartet
Ähnlich hart trifft es die Automobilzulieferer. Die großen unter ihnen, Bosch, Continental und ZF Friedrichshafen, erwarteten für die kommenden fünf Jahre kein Produktionswachstum mehr. Insider sprechen für 2020 von zweistelligen Umsatzeinbußen und rigorosen Neuausrichtungen ganzer Unternehmensbereiche. Continental senkte seine Prognosen für die globale Automobilproduktion bis 2024 um rund 20 Prozent.


Einzelne Zulieferer in Österreich sind nur noch lebensfähig, weil sie vom billigen Geld profitieren


Der Kreditversicherer Coface warnt aufgrund der Schwäche der Autobranche bereits zur Vorsicht. „Einzelne Autozulieferer sind nur noch lebensfähig, weil sie vom billigen Geld profitieren und sich so über Wasser halten“, warnt Coface Österreich-Geschäftsführer Michael Tawrowsky. Der Kreditversicherer ist bei der Vergabe von Krediten im Autobereich deshalb auch bereits äußerst vorsichtig. Jenen, die einen Autozulieferer beliefern, rät Tawrowsky, maximal 15 Prozent seiner Waren und Dienstleistungen aus diesem Bereich einem einzigen Kunden vorzufinanzieren.

Krisengeschüttelte Maschinenbauer
Zu leiden unter dem Absatzeinbruch haben vor allem die Maschinenbauer, in Österreich eine wichtige Branche. Bei diesen hat sich laut dem Berater A.T. Kearney der Anteil an Unternehmen mit deutlichen Krisensymptomen in diesem Jahr von 9 auf 14 Prozent erhöht. "Jedes fünfte Unternehmen davon ist in den letzten Monaten in eine wirtschaftlich schlechtere Lage gerutscht ist“, warnt Nils Kuhlwein, Manager beim Berater A.T. Kearney. In dieser Branche sind in Österreich 79.000 Menschen beschäftigt, der Erlös liebt bei 21 Milliarden Euro und macht 14 Prozent der Wertschöpfung der gesamten Industrie aus.

Rückläufiger Weltautomarkt für 2020 erwartet
Wie sich die Autobranche kurz- und mittelfristig entwickelt, hängt vor allem Wirtschaftswachstum. „Der wichtigste Faktor für die Autonachfrage“, so Ferdinand Dudenhöffer, Professor und Autoexperte des Duisburger CAR Instituts. Laut den Prognosen der OECD dürfte das Wachstum in China, den USA, Japan, England, Frankreich und Deutschland zurückgehen. Für die größeren Automärkte werden fast allesamt Rückgänge erwartet. CAR-Professor: „Da Zollmaßnahmen auch bei einer Verhandlungslösung in den nächsten Wochen noch einige Monate nachwirken, ist 2020 insgesamt mit einem rückläufigen Auto-Weltmarkt zu rechnen.“

Für die meisten Länder mit hohem Autoabsatz wird auch 2020 ein Wachstumsrückgang erwartet.

40 Prozent des Autoabsatzes der deutschen Hersteller wird in China erwirtschaftet
Wann das Wachstumstief der Autobranche erreicht ist und wann es danach zumindest wieder leicht bergauf geht, hängt damit laut dem CAR-Institut vor allem vom Wirtschaftswachstum Chinas ab. Von besonderer Bedeutung für die weltweite Entwicklung ist jene Chinas. Vor allem für die deutsche und damit auch die österreichische Automobil- und Zulieferbranche hat die Entwicklung des chinesische Automarkts großen Einfluss. Gut 40 Prozent des Umsatzes der deutschen Autoindustrie wurde in den letzten Jahren in China erwirtschaftet.

China soll Tief bei Autoabsatz erst 2021 erreichen
Und das Land dürfte auch 2020 nicht die Trendwende schaffen. Sondern erst 2021, wie das CAR Institut prognostiziert.
Das Institut für Automobilwirtschaft rechnet ebenfalls damit, dass die Talsohle 2020 erreicht wird. Der Autoabsatz in China dürfte, nach dem Höhepunkt der Nachfrage im Jahr 2017 und einem Absatz von 24,2 Millionen, 2021 mit 20,4 Millionen verkaufter Autos, den Tiefpunkt erreicht haben. Dann soll der Absatz, laut Prognosen der CAR Uni, im Jahr 2022 wieder auf 21,3 Millionen Fahrzeuge anziehen (siehe Grafik).

OIMillionen Stück weniger verkaufter Autos in China

Wachstumspotential Chinas weiterhin hoch
Das Wachstumspotential der Autoindustrie Chinas ist weiterhin hoch. So kommen auf 1000 Einwohner erst 100 Autos, in den USA sind es bereits 750 Autos auf 1000 Einwohner. Zudem entwickeln sich auch andere asiatische Wachstumsmärkte wie Vietnam gut, wo dieses Jahr mehr als 170.000 Neuwagen verkauft werden. Ein Zuwachs von 80 Prozent. „Der Boom Chinas der vergangenen Jahre lässt sich auch auf kleiner asiatische Märkte übertragen. Die Voraussetzung ist aber immer gutes Wirtschaftswachstum“, schränkt CAR-Professor Dudenhöffer ein.


Rabatt-Welle in Deutschland ebbt ab
Neben dem BIP-Wachstum kommen aber auch noch Länderspezifika dazu, die das Wachstum beeinflussen. In Deutschland etwa ist die große Rabattwelle, etwa im Zusammenhang mit Dieselabwrackprämien, die die Nachfrage in den letzten Jahren stark gepusht hat, vorbei. Nach Prognosen des CAR-Institutes wird der Automarkt in Deutschland im kommenden Jahr um vier Prozent zurückgehen.

Russland mit größten Wachstumssprung unter Top 15 Ländern
Der größte Wachstumssprung im Jahr 2020 unter den großen Märkten Russland wird mit einem Plus von sechs Prozent für Russland erwartet. Starke Rückgänge werden dagegen für die USA (-3 Prozent), England (-5 Prozent) und Frankreich und Japan (-2 Prozent) erwartet. Bei China wird der Rückgang von 1,5 Prozent ebenfalls spürbar sein. Ein höheres Wachstum als 2019 wird nur für Indien, Brasilien, Mexiko, Italien, Russland und Südkorea erwartet.

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