Autoabsatz: Nur geringe Hoffnungen für 2021

Die österreichische Automobilbranche verzeichnete das schlechteste Jahr in 33 Jahren. Welche Bereiche besonders gelitten haben, welche Gewinner es gab und warum die Prognosen für 2021 ebenfalls düster sind.

Autoabsatz: Nur geringe Hoffnungen für 2021

Im Corona-Jahr 2020 wurden in Österreich rund 80.000 Neuwagen weniger verkauft als 2019. Viele Jobs hängen am Autoabsatz.

Die Automobilbranche hatte 2020 unter der Pandemie schwer zu leiden. Die Neuzulassungen gingen um 24,5 Prozent auf 248.740 Stück zurück. Ein Minus von 80.000 Autos gegenüber 2019 und um 100.000 weniger als im Spitzenverkaufsjahr 2011. Österreich liegt bei den Rückgängen der Neuzulassungen im EU-Schnitt von 25,5 Prozent. So manches Land, vor allem südliche Länder, hat es aber stärker erwischt, wie Kroatien, wo um über 40 Prozent weniger Neuwagen verkauft wurden als 2019.


Das vergangene Jahr war das schlechteste der vergangenen 33 Jahre

zieht Günther Kerle, Sprecher der Automobilimporteure Bilanz. Zugesetzt hätten der Branche nicht nur Corona sondern auch die Erhöhung der NoVa im Jänner, der Anstieg des Sachbezugs im April und im Oktober die Anhebung der motorbezogenen Versicherungssteuer, das vor dem Hintergrund von Kurzarbeit und deutlich gestiegener Arbeitslosigkeit.
„Vor allem der April mit einem Minus von 64 Prozent war ein Desaster“, sagt Kerle.
Die Situation insgesamt, so Kerle, sei dramatisch – für die Beschäftigten in der Branche, die rund 315.000 Mitarbeiter und für die Gesamtwertschöpfung, die auf 26 Milliarden Euro gesunken ist.


Gebrauchte haben sich gut gehalten
Nur geringe Einbußen verzeichnete dagegen der Gebrauchtwagenmarkt. In diesem Bereich wurden im Vorjahr um 3,5 Prozent weniger Fahrzeuge abgesetzt.

Nur wenige Tageszulassungen verfügbar
Um ein Drittel geringer waren auch die Tageszulassungen, die im Vorjahr einen Anteil am Gesamtmarkt von 4,7 Prozent ausmachten. Der dritte Rückgang in Folge. 2014 war der Anteil noch fast doppelt so hoch. „Das Fehlen der Tageszulassung war ebenfalls für die sinkende Zulassungszahlen verantwortlich“, bemerkt Klaus Edelsbrunner, Gremialobmann der Fahrzeughändler.


Autoimporteure haben Händler zusätzlich unter Druck gesetzt

Generell litten die Händler ab dem Sommer unter schleppenden Lieferungen von Neuwagen in Folge von Lieferengpässen. Zudem blieb die Unterstützung durch eine wenige Automobilimporteure laut Edelsbrunner im zweiten Lockdown aufgrund erhöhter Ziele und Vorgaben und „haben so die Fahrzeughändler zusätzlich unter Druck gesetzt.“

Benziner: Der größte Verlierer
Bei der Antriebsart verzeichneten Benziner im Vorjahr mit einem Minus von 39 Prozent gegenüber 2019 die größten Absatzrückgänge. Bei Diesel betrug das Minus 28 Prozent. Unter den Herstellern verzeichneten Skoda, Mercedes und Audi die geringsten Einbußen.

E-Auto: 90 Prozent Zuwachs
Gewinner waren alternative Antriebe mit einem Zuwachs von 90 Prozent. Mittlerweile beträgt der E-Mobil-Anteil in Österreich 4,95 Prozent. Österreich ist damit gleichauf mit dem EU-Schnitt. Damit wurden hierzulande im Vorjahr 16.000 Fahrzeuge mit E- Antrieb verkauft. Edelbrunner: „Es zeigt sich nach dieser Steigerung wieder, dass gute Absatzzahlen nur mit Förderungen einhergehen. So wird dank der Investitionsprämie „kurzzeitig gut verkauft, dann wird diese Entwicklung aber wieder abflachen.“

„Zu wenige Ladestationen, die teuer sind“
Die E-Mobilität würde aber weiterhin vor Problemen stehen. „Es krankt an zu wenigen öffentlichen Ladestationen, die zudem sehr teuer sind, es fehlt an einheitlichen Ladepreisen und –Kabeln“, befindet Edelsbrunner, der Versäumnisse in der Politik sieht.

Jänner-Lockdown lässt Hoffnung auf leichte Besserung sinken
Wenig Hoffnung sieht die Branche auch für dieses Jahr. „Es wird ein schwieriges Jahr“, erwartet Autoimporteurssprecher Kerle. Ursprünglich hatte man mit einem Anstieg um rund acht Prozent auf 270.000 Neuzulassungen gerechnet. Da nun aber der für gewöhnlich zulassungsstarke Jänner fehlt, müsste diese Prognose nun überdacht werden. Dass 2021 hart wird, glaubt auch Edelsbrunner. Nicht nur die Händler leiden, auch bei den Werkstätten beginne die Auslastung nachzulassen.

NoVA für leichte Nutzfahrzeuge kostet pro Auto 10.000 Euro und mehr
Weitere geplante Steuererhöhungen, wie die Einführung der NoVA für leichte Nutzfahrzeuge im Juli seien keine guten Vorzeichen für die Branche. Zwar rechnen die Autoimporteure bis zu diesem Datum mit Vorzieheffekten. „Immerhin verteuern sich leichte Nutzfahrzeuge so zwischen 10.000 und 14.000 Euro, danach würde die Nachfrage aber abreißen“, glaubt Kerle.

Geringe Vorzieheffekte wegen NoVA-Erhöhung für Pkws erwartet
Für Pkws wird ab 1. Juli der Höchststeuersatz von derzeit 32 auf 50 Prozent angehoben. Für Fahrzeuge mit CO2-Emissionswerten über 200 g/km werden ab dann je Gramm zusätzlich 50 statt wie bisher 40 Euro fällig. Nennenswerte Vorzieheffekte erwartet sich die Branche bei Privatkäufern deshalb jedoch nicht. Kerle: „Dabei geht es im Schnitt nur um eine Preiserhöhung von ein paar hundert Euro.“

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