Auto als Stromerzeuger fürs Haus soll E-Dienstauto attraktiver machen

Arval will sich vom Fuhrparkunternehmen zum Mobilitätsanbieter wandeln und dadurch auch das Klima schonen. Bis 2025 sollen zudem 500.000 Elektrofahrzeuge auf die Straße kommen. Wie den Firmen deutlich mehr E-Autos als bisher schmackhaft gemacht werden sollen und welche Konzepte noch vorbereitet werden.

Auto als Stromerzeuger fürs Haus soll E-Dienstauto attraktiver machen

Wenn die Wende zur klimaschonenderen Mobilität gelingen soll, sind Fuhrparks ein wichtiger Teil davon, bieten diese mit den von ihnen gemanagten großen Fahrzeugflotten doch den größten Hebel. Der französische Fuhrpark-Konzern Avral möchte da ansetzen und kündigt die Weiterentwicklung seines Geschäftsmodells an: Von einem Anbieter für Full-Service-Leasing hin zu einem Spezialisten für nachhaltige Mobilität. Der neue Strategieplan „Arval Beyond“ soll bis 2025 umgesetzt werden. Trend.at war bei der Präsentation der neuen Strategie in Paris per Videokonferenz dabei.


Die Voraussetzungen einen größeren Beitrag zur nachhaltigen Mobilität zu leisten sind da: Der Konzern mit 7.000 Mitarbeitern ist weltweit in 30 Ländern tätig und verfügt als Anbieter von Full-Service-Leasing selbst über die Fahrzeuge und nicht wie beim klassischen Leasing die jeweiligen Unternehmen. Arval besitzt rund 1,3 Millionen Fahrzeuge. Die Unternehmen, die dieses Leasing in Anspruch nehmen, zahlen einen fixen monatlichen Betrag für die Fahrzeuge, der bis auf Sprit, alle anderen Kosten wie Service oder Reifentausch, pauschal abdeckt. Den Kauf und die Wiederverwertung des Autos oder Transporters übernimmt der Flottenmanager.

Flottenmanager plant 30 Prozent weniger C02-Ausstoß
Nun planen die Franzosen ihren weltweiten Fuhrpark-Verleih in den nächsten Jahren breiter und nachhaltiger aufzustellen. Das Schlagwort der Franzosen dafür: Eine 360-Grad-Mobilität. Firmenkunden soll künftig eine breitere Palette an Mobilitätslösungen angeboten werden.

Breite Angebotspalette für Flotten: E-Bike-Leasing bis Ride-Sharing
Avral setzt in Zukunft auch auf kombinierte Angebote, die sowohl die Nutzung von Autos, E-Bikes, Mikromobilität und öffentlichen Verkehrsmitteln beinhalten. In den ersten Ländern können Arval-Kunden bereit E-Bikes leasen. Weitere Länder mit diesem Angebot auszustatten, sind bereits geplant, ebenso die Fortbewegung durch Kleingeräte wie Scooter. Für neue Formen der Mobilität für Firmen sollen Ride-Sharing (Fahrgemeinschaften) und flexible Langzeitmieten bringen. „Bei solchen Mietangeboten kann ein Auto für wenige Wochen oder für mehrere Monate gemietet werden und ist so zeitlich flexibel“, so Arval-Boss Groenendael. Eine Mobilitätskarte soll die unkomplizierte Nutzung von Auto, E-Bikes, Carsharing und Öffis ermöglichen.

Ziel: 500.000 Elektroautos in fünf Jahren
Der Konzern hat es sich zum Ziel gesetzt, bis 2025 insgesamt zwei Millionen Fahrzeuge auf die Straße zu bringen und gleichzeitig die Emissionen um 30 Prozent zu reduzieren. Teil der Strategie ist der Umstieg eines wesentlichen Teils von Firmenfahrzeugflotten auf emissionsfrei Modelle. Ziel ist es 500.000 Elektrofahrzeuge, vornehmlich reine E-Modelle, in den Fahrzeugflotten zu implementieren. Derzeit bei Arval noch im einstelligen Bereich soll diese bis dahin auf 25 Prozent ansteigen. „Den E-Anteil der Flotten zu erhöhen, entspricht auch den Kundenwünschen“, weiß Groenendael.
Laut einer Umfrage des Unternehmens erwägen Flottenmanager in Unternehmen in innerhalb der nächsten drei Jahre den Anteil ihrer Fahrzeuge mit alternativen Treibstoff auf 41 Prozent zu erhöhen. Um unter anderem für die Elektroauto-Offensive auch genügend Fahrzeuge zur Verfügung zu haben, ist Arval eine Kooperation mit dem französischen Autohersteller Nissan eingegangen. Für genügend Nachschub sollte damit, trotz derzeitiger E-Auto-Knappheit, gesorgt sein.


Das Auto als Stromerzeuger soll ein Ecosystem zwischen Auto, Haus und Büro bilden

Autobatterie als Stromspeicher auch für den Haushalt
Um Elektroautos nicht nur bei Firmen sondern auch bei den Nutzern beliebter zu machen, wird derzeit an Angeboten für cleveres Strommangement getüfftelt, um diese skalieren und so breit über die Märkte ausrollen zu können. So soll die Nachfrage nach Elektroautos durch sogenannte Vehicle-to-grid-Lösungen angekurbelt werden. Dadurch können Akkus von Elektroautos über Kollektoren einer Photovoltaikanlage aufgeladen werden. Die dafür vorgesehene bidirektionale Wallbox kann Strom, den das Fahrzeug nicht brauchte, bei Bedarf ins Stromnetz des eigenen Hauses fließen lassen und kann dort, etwa Abends, genutzt werden kann. Um den so erzeugten Strom optimal zu nutzen, soll ein Ecosystem zwischen Auto, Haus und Büro entstehen“, erläutert Alain Van Groenendael, Vorstandschef von Arval in einer Videokonferenz.

Auto wird ohne Zutun des Fahrer gewaschen
Arval strebt für die nächsten fünf Jahre ein weiteres Ziel an: Bis dahin sollen mehr als 80 Prozent der Fahrzeuge vernetzt sein und ein breites Spektrum an Dienstleistungen bieten. Ein hauseigenes Telematik-Team ist damit beschäftigt neue Ideen zu entwickeln und in Autos und Apps zu verpacken. Diese elektronischen Service sollen Firmen sparen helfen und den Dienstwagennutzern das Leben erleichtern. Derzeit arbeiten die Techniker daran, ein Service für zu entwickeln, um Autos bei Bedarf automatisch putzen zu lassen. „Wenn ein Auto beispielsweise länger an einer stark befahrenen Straße steht, kann automatisch veranlasst werden, dass es gereinigt wird, sobald man in der Nähe einer Waschanlage parkt“, erläutert Lakshmi Moorthy, Retail-Direktorin bei Arval. Ein Mitarbeiter einer solchen Waschanlage wird automatisch informiert, erhält durch Öffnung der Fahrzeugtür für die betreffende Zeit Zutritt zum Auto – ohne das der Fahrer anwesend sein muss - und kann es in die Waschstraße und wieder retour bringen. Noch ist das Service aber erst in Entwicklung.

Auto parkt sich selbst ein – Schäden für Fuhrparks werden reduziert
Ein anderes Service wird bereits in einzelnen Ländern getestet: „Wir bieten Fahrzeuge mit Assistenzsystemen, die selbst einparken, sobald der Fahrer den Rückwärtsgang einlegt und den entsprechenden Befehl gibt“, erklärt Moorthy. Für den Fahrer ist es praktisch und die Firma spart Geld, passieren doch viele Schäden beim Einparken. „Dieses Service kommt besonders gut an“, bemerkt die Kundenspezialistin.

Zahl der Partnerschaften soll bis 2025 stark erhöht werden
Seit der Gründung von Arval im Jahr 1989 setzt das Unternehmen auf Partnerschaften, von Banken, Versicherungen bis Autoherstellern. Arval-Vorstand Groenendael: „Mit ihnen entwickeln wir für das jeweilige Land eigene Mobilitätsangebote, die auf deren Bedürfnisse zugeschnitten und sowohl für uns als auch für unsere Partner eine Win-Win-Situation schaffen sollen.“ Eine gute Möglichkeit die Zahl der Kunden zu steigern. Nun soll die Schlagzahl bei den Partnerschaften erhöht werden. Bis 2025 sollen alle Arval-Länder Partnerschaften mit internationalen oder starken lokalen Akteuren geschlossen haben.


In Österreich hat Arval kürzlich bekannt gegeben, das Fuhrparkmanagement von UniCredit Leasing gekauft zu haben. Die Kunden der Bank Austria Tochter sollen so Services von Arval angeboten bekommen. Neue Dienste sollen gemeinsam entwickelt werden.


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