Auto-Abgas-Messungen ab Februar via Software

Auto-Abgas-Messungen ab Februar via Software

Die Methode der Endrohrmessung zur jährlichen Kontrolle der Abgassysteme von Autos hat ab Februar ausgedient.

Die Endrohrprüfmethode zur Kontrolle der Abgassysteme wird ab Februar durch Software-Messungen ersetzt. Kritiker befürchten Manipulationen. ÖAMTC und ARBÖ demonstrierten, warum sie den Software-Check dennoch befürworten.

Die wenigsten Autofahrer wissen, welche Tests bei der jährlichen Pickerl-Prüfung bei ihrem Auto genau vorgenommen werden. So gehört zur jährlichen §57a-Überprüfung der Check, ob das Abgassystem funktioniert. Bislang wurde das mit der sogenannten Endrohrprüfung durchgeführt. Dafür wurde ein Messinstrument am Auspuff eingeführt.

Diese Endrohrprüfung wird ab Februar für Fahrzeuge der Klassen Euro 4, Euro 5 und Euro 6 durch durch eine Software-Analyse, eine sogenannte Onboard-Diagnose, ersetzt. Zusätzliche Kosten sollen dadurch nicht entstehen. Kritiker befürchten jedoch, dass dadurch Abgas-Manipulationen Tür und Tor geöffnet werden. trend.at hat berichtet (Auspuff-Abgastest bei Pickerl soll fallen: "Für jedes Auto ein Horror").

Die neue Abgasmessung soll bei Autos durchgeführt werden, die ab nach dem 1. Jänner 2006 zugelassen wurden.

Um die Befürchtungen zu zerstreuen haben die Autofahrerclubs ÖAMTC und ARBÖ zusammen mit Verkehrsminister Hofer in das ÖAMTC-Technikzentrum in Wien geladen. Dort wurde die Messung mit der seit 30 Jahren im Einsatz befindlichen Endrohrtechnik sowie die Funktionsweise der Onboard-Diagnose demonstriert.

„Endrohrmessung bringt nichts“

Das Ergebnis: Bei der mechanischen Messung direkt am Auspuff, für die der Motor im Stand auf Vollgas gefahren werden muss, zeigten die Messinstrumente für die Abgaswerte den Wert Null an - also keinen Ausstoß.

„Die Messungen bringen daher im Grunde nichts“, stellt Andrej Prosenc, Leiter der Abteilung Technische Standards beim ÖAMTC fest. Denn mit der Endrohrmessung werden keine Abgaswerte gemessen. Dadurch wird lediglich festgestellt, ob beispielsweise bei Dieselautos ein Partikelfilter eingebaut ist und funktioniert, ob ein gröberer Mangel des Abgassystems vorliegt. Derartige Mängel erkenne man meist aber ohnehin schon mit freiem Auge, etwa wenn der Auspuff stärker verrußt ist. "Die Endrohrmessung ist aus der Steinzeit", meint Minister Hofer.

Um zu demonstrieren, dass die Endrohrtechnik nicht mehr zeitgemäß ist, wurde auch die moderne sogenannte Onboard-Diagnose (OBD) vorgeführt. Dabei wurden Daten über die OBD-Steckdose im Auto ausgelesen. Ohne das Auto zu starten erhielt man in wenigen Minuten Informationen über den Zustand des Partikelfilters oder den Schadstoffausstoß.

"Im Gegensatz zur Endrohrmessung ist die Onboard-Diagnose keine punktuelle Messung am Tag der Prüfung, sondern es werden Werte über einen Jahresvergleich herangezogen", erklärt ARBÖ-General Kumnig den Vorteil. Die Software liest die Daten, die von zahlreichen Sensoren der Autos gesammelt werden über die OBD-Schnittstelle aus. So kann der tatsächliche Zustand des Autos wesentlich genauer und umfangreicher erfasst werden als mit der Endrohrmessung.

"Bei den Abgastests braucht es rasch umfassende Verbesserungen" konzidiert VCÖ-Experte Markus Gansterer. Er kritisiert aber die neue Messmethode. "Was heute präsentiert wurde, ist leider genau das Gegenteil. Ein mangelhaftes System wird weiter verschlechtert", so Gansterer. Das Auslesen der On-Board-Daten sei zu wenig, weil künftig nicht mehr der Feinstaubausstoß beim Auspuff gemessen würde. In Österreich betrifft das 3,2 Millionen Pkw, von insgesamt 4,9 Millionen Pkw.

„Pickerlprüfung ist kein Abgastest“

Die Autoindustrie fordert seit Jahren die Praxis der Endrohrmessung zu streichen und durch moderne Messmethoden zu ersetzen, um so auch genauere und detaillierte Ergebnisse des Fahrzeugzustandes zu erhalten.

„Eine Analyse der Emissionen ist bei der Pickerl-Prüfung ohnehin nicht Sinn der Sache. Die § 57a Überprüfung ist schließlich kein Abgastest“, stellt ÖAMTC-Direktor Oliver Schmerold klar. Ziel der jährlichen § 57a Prüfung sei lediglich den Wartungszustand des Fahrzeuges zu überprüfen. „Eine Prüfung der Abgase von Automodellen ist nur auf einem Rollenprüfstand möglich, wie sie etwa auf der Technischen Universität eingesetzt werden. Dafür sind äußerst umfangreiche, langwierige Tests nötig. Solche Messungen kosten pro Fahrzeug rund 10.000 Euro“, meint Minister Hofer.

Kritiker meinen, dass mit der OBD-Methode zum Beispiel Manipulationen mittels Chip-Tuning nicht erkannt würden. Dem halten die ÖAMTC-Techniker entgegen, dass ein professionelles Chip-Tuning weder mit der einen noch mit der andere Prüfmethode entdeckt werden könne. Eine Schadstoffmessung erfolge nur bei der Typengenehmigung neuer Modelle des Herstellers, nicht aber für jedes einzelne Auto. Diese für die Messungen notwendigen Prüfzyklen werden nun in der EU ab September strengeren Kriterien unterzogen.

Deutschland fährt zurück

VCÖ-Sprecher Gansterer weist darauf hin, dass das in Österreich nun favorisierte OBD-System in Deutschland bereits seit einigen Jahre angewandt hatte und nun wieder zurück gerudert ist. Aufgrund gravierender Mängel wurde in Deutschland seit Jahresanfang die Messung am Auspuff wieder eingeführt.

TÜV Deutschland habe laut VCÖ mit der neuen Softwaremessung bei rund einer Million Autos vorhandene Mängel nicht erkannt. Werden diese Daten auf Österreich umgelegt, dann werden rund 100.000 Pkw in Zukunft mit viel zu hohem Schadstoffausstoß auf den Straßen unterwegs sein, kritisiert der VCÖ.

100 Totalschäden durch Endrohrprüfung pro Jahr

Das bei der Endrohrprüfung notwendige Vollgasgeben im Leerlauf kann außerdem auch zu Motorschäden führen. „Diese Autos sind dann meist ein Totalschaden“, gibt ARBÖ-General Gerald Kumnig zu bedenken.

Die betroffenen Konsumenten haben den Schaden und gehen bei Versuchen, dafür ein Entschädigung zu bekommen, fast immer leer aus. Vor Gericht landen jährlich zehn Fälle, betroffen sind laut Schätzungen des ÖAMTC jedoch mindestens 100 Autos österreichweit. „Vielen ist nach einem Motorschaden auch nicht klar, dass dieser im Zusammenhang mit einer vorangegangenen §57a-Prüfung entstanden sein könnte“, ergänzt Schmerold.

Eine Entschädigung für die betroffenen Konsumenten gibt es fast nie, da sie nur dann geleistet wird, wenn ein Schaden schuldhaft verursacht wird. Da die Messung jedoch im Rahmen der §57a-Überprüfung vom Staat vorgeschrieben ist, agieren die Prüfer wie Beamte und haften deshalb bei korrekter Anwendung der Technik nicht für mögliche Folgeschäden. „Bei der Messung durch die Onboard-Diagnose sind Motorschäden dagegen ausgeschlossen“, erklärt ARBÖ-General Kumnig.

Auto & Mobilität

Neuer Billigbus-Anbieter fährt Wien - Budapest

Deutschland vor Dieselfahrverboten – Österreich zittert

Auto & Mobilität

Deutschland vor Dieselfahrverboten – Österreich zittert

Auto & Mobilität

SsangYong Rexton: Der Geheimtipp unter den XL-SUVs