Aus für Diesel: Daimler startet Energiewende bei LKW und Bussen

Aus für Diesel: Daimler startet Energiewende bei LKW und Bussen

Daimler setzt auch bei Nutzfahrzeugen zur Energiewende an. Bis 2039 sollen alle LKW und Busse des Konzerns mit Stromantrieben fahren. 2050 soll es CO2-freie LKW und Busse geben.

Freitag, der 25 Oktober 2019. Am Deutschen Logistik-Kongress in Berlin gibt Martin Daum, Chef der gewichtigen Trucks & Busses Sparte von Daimler, ein Ziel aus, das den Kongress zu einem echten Zukunftskongress werden lässt. "Unser ultimatives Ziel ist ein CO2 -neutraler Transport auf den Straßen bis 2050", erklärte Daum, "ob Fridays for Future oder Automobilunternehmen - wir sind uns einig, wir wollen die Änderung haben."

Daimler bekenne sich damit zu den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens und zieht damit auch in der Nutzfahrzeug-Sparte einen Schlussstrich unter die Ära der Verbrennungsmotoren und der Diesel-Aggregate. Da eine vollständige Flottenerneuerung etwa zehn Jahre dauere, sollten ab 2039 an den großen Märkten Europa, Nordamerika und Japan CO2 -neutrale Neufahrzeuge verkauft werden.

Der Konzern arbeitet schon länger an Nutzfahrzeugen mit Elektroantrieb. Einige Modelle sind bereits in Kleinserie im Praxistest bei Kunden. Schon 2022 werde es in allen Kernregionen Serienfahrzeuge mit Batterieantrieb geben, kündigte Daum an.

"Das technische Problem ist dabei leichter zu lösen als das wirtschaftliche", sagte Daum, "CO2 -freie Mobilität ist teurer als Diesel." Seiner Schätzung zufolge sind E-Laster mindestens 20 Prozent teurer als LKW mit Dieselmotoren und deshalb keine Selbstläufer. "Auch im Jahr 2040 werden trotz aller Anstrengungen auf Herstellerseite die Anschaffungs- und Gesamtbetriebskosten von Lkw und Bussen mit Elektroantrieb noch höher liegen als bei Dieselfahrzeugen", sagte Daum.

Schwere Brummer mit Wasserstoff-Antrieb

Für Schwerlaster auf der Langstrecke sind Batterien jedoch nicht geeignet, weil sie für genug Reichweite zu schwer und zu groß wären und der Laderaum damit verringert würde. Hier setzt Daimler auf die Brennstoffzelle und Wasserstoff als Energieträger. Die Entwicklung der dafür notwendigen Antriebe und Speicher wird allerdings noch länger dauern, sodass Lkw und Busse mit Wasserstoffantrieb realistisch erst gegen Ende des Jahrzehnts verfügbar sein werden.

Erdgas spielt hingegen in den Plänen des Daimler-Konzerns keine Rolle. Man entscheide sich damit jetzt gegen Erdgasantriebe, weil die zu wenig CO2 -Reduktion brächten, erklärte Daum. Auch von Oberleitungsbussen hält der Konzern nach wie vor nichts, weil die mit der notwendigen Infrastruktur an Leitungen und dem Nebeneinander von Batterie- und Kraftstoffantrieb zu teuer wären.

Um das Ziel erreichen zu können wäre allerdings auch eine entsprechende staatliche Unterstützung nötig. So müsse in Europa die Lkw-Maut für emissionsfreie Fahrzeuge gesenkt werden. Der Staat müsse beim Aufbau einer Ladeinfrastruktur helfen und weitere Förderprogramme für Busse mit Stromantrieb auflegen. Auch Infrastruktur und Standards für Transport und Tanken von Wasserstoff seien notwendig. Selbst beteiligen am Aufbau der Infrastruktur könne sich Daimler nicht. "Wir haben keinen Goldesel im Keller", sagte Daum.

Milliarden für die Entwicklung

Der gerade wieder einsetzende Abschwung am Nutzfahrzeugmarkt werde den Weltmarktführer für Schwerlaster nicht von den Investitionen in E-Fahrzeuge abhalten. Eine Summe nannte Daum nicht. Doch werde das jährliche Budget von 1,4 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung in den kommenden Jahren konstant gehalten. Davon flössen in diesem Jahr 200 Millionen Euro in E-Antriebe, mit steigender Tendenz. "Wir werden unsere Investitionen in Diesel in den nächsten Jahren signifikant reduzieren", sagte Daum.

Daimler dürfte damit ähnlich viel ausgeben wie der Konkurrent Traton, hat aber früher als dieser schon mit alternativen Antrieben angefangen. Traton, die Lkw-Tochter von Volkswagen mit den Marken MAN und Scania, will bis 2025 mehr als eine Milliarde Euro in die Entwicklung dieser Technik stecken und rechnet um 2030 herum mit einem Drittel des Absatzes an E-Nutzfahrzeugen. "Unser Ziel ist es, führender Hersteller von E-Lkw und E-Bussen zu werden", hatte Traton-Chef Andreas Renschler Anfang Oktober erklärt - eine Kampfansage an seinen früheren Arbeitgeber Daimler, wo er Vor-Vorgänger von Daum war.

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