Apple & Co zukunftsfitter als Autohersteller

Apple & Co zukunftsfitter als Autohersteller

Gegen Apple oder Google sind selbst Toyota und VW an der Börse kleine Fische.

Wichtige Entwicklungen in der Autobranche übernehmen immer öfter Digitalkonzerne wie Apple & Co. Eine Gegenüberstellung der Marktkapitalisierung der beiden Branche offenbart auch, bei welcher die Anleger größeres Zukunftspotential sehen. Einzelne deutsche Hersteller werden bei der Innovationsstärke sogar herabgestuft.

Die Aktien von Autoherstellern verlieren seit Jahren an Wert – Ausnahmen bestätigen die Regel. Die Marktkapitalisierung der acht höchstbewerteten Automobilhersteller (ohne Tesla) reduzierte sich seit Ende 2014 – also vor dem Dieselskandal bis Jänner 2020 um 24 Milliarden Euro auf 542 Milliarden Euro. Das ist ein Minus von über vier Prozent. Zum Vergleich: Der DAX stieg im gleichen Zeitraum um 37 Prozent und der amerikanische Nasdaq sogar um 113 Prozent.

Marktkapitalsierung: Nach Toyota kommt lange nichts.


Einige etablierte Hersteller werden den Wandel als unabhängige Player nicht überleben

Anleger sind verunsichtert, ob und wie Transformation der Autobauer gelingt
Das renommierte Zentrum für Automotives Management (CAM) stellt den großen etablierten Autobauern ein hartes Urteil aus: „Die derzeit relativ niedrige Marktkapitalisierung der meisten etablierten Automobilhersteller liegt an der Unsicherheit, ob und wenn wie gut sie die Transformation in die Zukunftsbereiche in den nächsten fünf bis zehn Jahren bewältigen.“ Es sei laut CAM-Studienleiter Stefan Brazel sicher, dass einige etablierte Hersteller den Wandel nicht als unabhängige Player überleben werden. „Vielen von ihnen fehlt sowohl die kritische Größe für den investitionsintensiven Wandel als auch die notwendigen Technologien und Kompetenzen für die Mobilität der Zukunft“, so Brazel. Einzelne deutsche Hersteller werden bei der Innovationsstärke für Elektroautos sogar herabgestuft.

Zu wenig Innovationen etwa bei VW und Ford
Die Erhöhung des Börsenwertes, das Autohersteller wie Volkswagen oder Ford anstreben, wird laut Brazel nur gelingen, wenn die Innovationsstärke in den relevanten Zukunftsbereichen erkennbar erhöht wird. Dazu sind Kooperationen innerhalb und außerhalb der Branche notwendig sowie eine Fokussierung der Aktivitäten auf die Kernthemen der Transformation. Immerhin will VW für Hybridisierung, Elektromobilität und Digitalisierung in den nächsten Jahren rund 60 Milliarden Euro investieren.

Ein paar Autohersteller mit geringen Zuwächsen an der Börse
Eine kleine Steigerung gelang in der Zeit nur Toyota mit einem Wertzuwachs von 16 Prozent. Der japanische Hersteller führt auch das Ranking der Hersteller mit der größten Marktkapitalisierung an und erreicht 206 Milliarden Euro. Dann ist lange nichts. Der VW-Konzern, der zweitplatzierte, schafft nicht einmal die Hälfte und erzielt aktuell, wie eine Auswertung vom Center of Automotive Management ergab, einen Börsenwert von 92 Milliarden Euro. Nur knapp hinter Volkswagen auf Rang drei rangiert bereits der kalifornische Elektropionier Tesla mit einer Marktkapitalisierung von 85 Milliarden Euro, der seinen Marktwert seit Ende 2014 um mehr als das Zweieinhalbfache steigern konnte (268 Prozent). Die Marktkapitalisierung von Daimler reduzierte sich seit 2014 um über 29 Prozent, von BMW um 17 Prozent. Bei Ford und Nissan ging der Marktwert um 34 bzw. 36 Prozent zurück.


Autohersteller: Anleger haben wenig Hoffnung

Wichtige Kompetenzen für die Zukunft liegen in der Entwicklung von Batterien bzw. der Batteriezellen, Software, Big Data und Künstliche Intelligenz sowie bei Mobility Services. Dabei stellt sich die Innovationsstärke der Automobilhersteller in den für die Transformation relevanten Zukunft unterschiedlich dar.

Tesla stark bei Batterien und Connectivity
Tesla verfügt etwa nach der CAM–Bewertung über hohe Innovationsstärken bei batterieelektrischen Fahrzeugen sowie im Bereich Connectivity. „Damit die hohe Marktkapitalisierung kann damit zum Teil erklärt werden“, so Brazel vom CAM-Institut.

Daimler und BMW bei E-Mobilität heruntergestuft
Die Innovationsstärke von Daimler und BMW wurde von den Autoexperten bei der reinen Elektromobilität was die künftigen Innovationen betrifft herabgestuft.

Gegen Apple und Goolge sind an der Börse selbst Toyota oder VW kleine Fische.

Die neuen Konkurrenten
Zusätzlich stehen die Automobilhersteller zusehends im Wettbewerb mit neuen Akteuren.
Sie dehnen denen ihre digitalen Services schrittweise auf Autos und ganze Mobilitätkonzepte aus. Die Digitalunternehmen haben große Kompetenzen bei Connectivity, Big Data und Serviceplattformen und befassen sich teilweise mit Software-Betriebssystemen für das Fahrzeug oder dem Thema Autonomes Fahren. Ein Vergleich der Marktkapitalisierung dieser Unternehmen zeigt, dass diese Player viel größer sind als die Automobilhersteller und in den letzten Jahren massiv an Börsenwert gewonnen haben. Beispielhaft dafür sind Apple mit einer Marktkapitalisierung von 1,2 Billionen Euro (Ein Plus von 170 Prozent in den letzten fünf Jahren) oder die Google Muttergesellschaft Alphabet mit 921 Milliarden Euro (+270 Prozent). Alibaba und Tencent aus China weisen mittlerweile einen Börsenwert von 550 und 439 Milliarden Euro auf (siehe Grafik). Als neue Wettbewerber für die Automobilhersteller gelten auch Mobility Provider wie Uber. Der 2009 gegründete Anbieter wird auf einen Börsenwert von 54 Milliarden Euro taxiert und landet damit vor Daimler, BMW oder Honda. Bei einer ähnlich hohen Marktkapitalisierung liegt etwa auch einer ähnlich hohen Marktkapitalisierung liegt etwa auch der chinesische Uber-Counterpart Didi Chuxing, auf deren Mobilitätsplattform täglich rund 30 Millionen Fahrten vermittelt werden.

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