Airbnb für's Auto: Automiet-Plattform "Drivy" für Private startet

Airbnb für's Auto: Automiet-Plattform "Drivy" für Private startet

Das eigene Auto vermieten und pro Monat im Schnitt bis zu 600 Euro dazuverdienen.

Besitzen und teilen: Heute startet die Online-Plattform drivy.at.Damit ist es möglich das eigene Auto zu vermieten oder eine Auto kostengünstig für ein paar Stunden oder Tage zu mieten. Wie das funktioniert, wo das in Österreich möglich ist, was man verdienen kann, wie der rechtliche Situation bei Unfällen aussieht und was in anderen Ländern bisher der Durchschnittsverdienst ist.

Nun ist die Ökonomie des Teilens auch beim Auto angekommen. Nach der Vermietung von Zimmern, Wohnungen und Häusern von Privaten an Private, startet mit heutigem Datum, die Automiet- und Vermietplattform drivy.at. Das Carsharing-Unternehmen unterscheidet sich damit gravierend von den bisherigen Anbieter in Österreich, bei denen die Vermietung ausschließlich von Unternehmen erfolgt. Der Anbieter ist bereits in Deutschland, Frankreich und Spanien tätig. In diesen Ländern nutzen insgesamt 1.000.000 Kunden rund 38.000 Autos. Die Entscheidung fiel aus mehreren Gründen auf Österreich: "Österreicher fahren gerne mit dem Auto, die Einwohnerdichte ist hoch und pro Einwohner ist die Zahl der Autos hoch", so Heiko Barnerßoi, Chef von Drivy Österreich

Was man verdienen kann

Preis und Verfügbarkeit des Autos kann jeder der privaten Autovermieter selbst festsetzen. "Wir machen Preisvorschläge", erklärt der Drivy-Manager. So kann es sein, dass ein fünf Jahre alter Seat von einem Anbieter um 25 Euro pro Tag vermietet wird, das selbe Modell, aber nur ein Jahr alt, schon um 15 Euro zu haben. Ein klarer Trend zeichnet sich aber ab: "Die Preise liegen weit unter den marktüblichen Angeboten", so Barnreßoi. Der Preis wird sich vielfach auch nach den vorher ausgemachten Kilometern richten. Ort und Zeitpunkt der Schlüsselübergabe vereinbaren Mieter und Vermieter untereinander. Die Mieter müssen in der Online-Suchmaske nur eingeben, von wo sie starten möchten und welches Autos er wählen möchte, falls es mehrere Angebote dafür gibt. Im Schnitt kostet, laut Erkenntnissen on Drivy in Deutschland, ein Auto pro Tag 29 Euro. Im Schnitt würden sich Autobesitzer im Monat so 100 bis 200 Euro dazuverdienen. "Das deckt meist die laufenden Kosten des Autos", so Barnerßoi. Aber auch 600 Euro und mehr seien für jene, die ihr Auto öfter entbehren können, locker drinnen. Von den Einnahmen bleiben dem Vermieter, laut Drivy, 70 Prozent übrig. 13 Prozent von den restlichen 30 Prozent gehen an die Versicherung, der Rest sind Servicegebühren für Drivy. Die maximale Vermietdauer ist auf 30 Tagen beschränkt. Die Registrierung ist, im Gegensatz zu manch anderem Anbieter, kostenlos.

Guter Start und Expansion

Das Geschäft läuft, nach Angaben von Barnerßoi in Österreich, "erstaunlich gut" an. So können Autobesitzer, die bereit sind ihr eigenes Auto tageweise zu vermieten, sich seit sechs Tagen bei drivy online registrieren. Binnen kürzester Zeit haben sich so 200 potentielle Autovermieter registriert. "Diese Zahl der Vermieter ist damit 15 Mal schneller zustande gekommen, als in Deutschland", erzählt Barnerßoi. 25 Prozent der Anbieter stammen bisher aus Wien. Der Rest verteilt sich auf Österreich.

Möglich wurde die Expansion, da Geldgeber dem Unternehmen 31 Millionen Euro an Cash zugeschossen haben. "Mit dem Geld planen wir in drei weiteren Ländern zu expandieren und das Produkt zu verbessern", so der Drivy-Manager. Gestartet ist der private Autocarsharing-Dienst 2011 in Frankreich, 2014 in Deutschland und vor vier Wochen in Spanien. Bisher legte der Umsatz pro Jahr im Schnitt um 100 Prozent zu.

Im Urlaub Autos von Spaniern, Franzosen oder Deutschen mieten

Wer nach Spanien, Frankreich oder Deutschland fährt, kann sich auch dort ein Auto von einem Drivy-Anbieter mieten. Der einzige Unterschied: Der Mietvertrag ist dann in Englisch. Der Versicherer für Drivy ist in jedem Land die Allianz. Demnächst soll auch England als weiteres Drivy-Land dazukommen.

Voraussetzungen für die Autovermietung

Im Prinzip kann jeder der ein Auto besitzt, das über ein gültiges Pickerl verfügt, dieses vermieten. "Wenn ein Auto aber nur von Rost und Kaugummi zusammengehalten wird, hat das Auto natürlich keine Chance auf Vermietung", schränkt Barnerßoi ein. Drivy prüft deshalb jeden Wagen, bevor dieser das erste Mal vermietet wird selbst. Damit sich potentielle Mieter ein gutes Bild vom Auto machen können, muss es von verschiedenen Blickwinkeln fotografiert werden, um so auf der Plattform gut präsentiert werden zu können. Weitere Voraussetzung: Vermietet dürfen nur Autos mit einem aktuellen Zeitwert bis zu 45.000 Euro werden. Autobesitzer dürfen sogar mehr als ein Fahrzeug vermieten. Auch professionelle Vermieter sind de facto nicht ausgeschlossen. "Es gibt bisher keine gesetzliche Definition, ab wann die Vermietung als professionelles Carsharing gilt", erläutert der Drivy-Österreich-Geschäftsführer.

Auto per Smartphone öffnen

Der Mieter kann eine Stunde vor der geplanten Miete auf dem Smartphone sehen, wo das Auto steht. Sobald er dort ist, prüft er den Zustandsbericht. Das besondere an dem neuen Anbieter: Wenn alles übereinstimmt und die Technik des Autos es zulässt, kann der Mieter das Auto mit seinem Smartphone öffnen. Drinnen sollte er die Autoschlüssel finden, trägt dann Kilometer- und den Tankstand ein, und los geht´s. Beim Start erhält man ein E-Mail mit dem Mietvertrag.

Jede Anfrage kann aber auch abgelehnt werden. Nützliches, aber nicht notwendiges Tool, über das die Miete abgewickelt wird, ist ein Smartphone, mit Hilfe dessen, man sich Informationen über Standorte, Autos und Preis erkundigen kann, und über das man auch die Anmietung abwickeln kann. Oder man macht es auf klassischem Wege und druckt den Mietvertrag aus.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen

Während der Zeit der Vermietung übernimmt die Allianz die Versicherung . Bei Unfällen und Diebstahl steht eine 24-Stunden-Hotline zur Verfügung. "Wir empfehlen in solchen Fällen stets die Polizei zu rufen", so Barnerßoi. Rechtlich nicht ganz so eindeutig, ist die Sache jedoch bei Autos, die vom potentiellen Vermieter geleast werden. "Wenn im Leasing-Vertrag beispielsweise nur ein bestimmter Nutzer erlaubt ist, ist es theoretisch trotzdem möglich, das Auto an Dritte zu vermieten", so der Drivy-Österreich-Chef. Denn die Drivy-Versicherung, die Allianz, setzt sich bei jedem Mietvertrag über die eigene bestehende Versicherung darüber. Dennoch sollte man sich vorher bei seinem Leasinggeber genau erkundigen, ob das auch wirklich rechtens ist. Bei Schäden variiert der Selbstbehalt zwischen 400 und 1200 Euro. Diesen muss stets der Mieter, der den Schaden verursacht hat, zahlen. Auf Wunsch kann die Höhe des Selbstbehalts, wie bei klassischen Versicherungen, selbst - in bestimmten Grenzen - festgelegt werden. Wenn das Auto stark verschmutzt übergeben wird, muss der Mieter entweder das Auto selbst noch reinigen, wenn dafür Zeit ist, oder er muss nachzahlen. Barnerßoi: "Meist werden sich Mieter und Vermieter einig." Wenn nicht steht für solche und andere Schwierigkeiten eine Hotline zur Verfügung. Der Vermieter kann vorab auch eine Kaution verlangen.

Diesel-Gebrauchtwagen: Das neue Händlergift

Auto & Mobilität

Diesel-Gebrauchtwagen: Das neue Händlergift

Diesel Tank

Auto & Mobilität

Der Diesel-Skandal und seine langen Schatten

Stickoxid-Reinigung bei Diesel bald besser im Griff?

Auto & Mobilität

Stickoxid-Reinigung bei Diesel bald besser im Griff?