ADAC Ecotest 2018: Neue Diesel besser als ihr Ruf

ADAC Ecotest 2018: Neue Diesel besser als ihr Ruf

Elektroautos wie der VW e-Golf schneiden beim Ecotest gut ab, aber auch Dieselmodelle sind unter den besten.

In seinem jährlichen Ecotest hat der ADAC den Verbrauch und die Schadstoffemissionen von über 100 Neuwagen untersucht. Das Ergebnis: Tendenziell sind E-Autos aus ökologischer Sicht die bessere Wahl, moderne Diesel können aber gut mithalten.

2018 war für die Autobranche ein nervenaufreibendes Jahr, in dem die Daumenschrauben für die Abgasvorschriften kräftig angezogen wurden. Mit der Euro 6d-TEMP wurden die erlaubten Emissionsgrenzwerte per 1. September 2018 weiter gesenkt. Gleichzeitig wurde die Überprüfung der Grenzwerte mit neuen Prüfverfahren auf Rollwiderständen (WLTP) verschärft und der Emissionstest auf Straßen (RDE) eingeführt.

Aber sind die Euro 6d-TEMP Modelle wirklich besser als Modelle mit der älteren Euro 6b Norm? Und sind Elektroautos auch wirklich immer die sauberste Wahl? Dieser Frage ist der deutsche Automobilclub ADAC in seinem neuen, seit 2003 jährlich durchgeführten Ecotest nachgegangen.

Die besondere Relevanz des Tests ergibt sich daraus, dass dabei noch genauere Abgas- und Verbrauchsmessungen vorgenommen werden als bei den offiziellen Tests durch WLTP und RDE vorgeschrieben ist. Nun liegen die Ergebnisse für die Neuwagen des Jahres 2018 vor. Das Fazit daraus: Euro 6d-TEMP ist ein Schritt in die richtige Richtung, die meisten neuen Diesel glänzen mit vorbildlichen Schadstoffwerten und können tatsächlich einen Beitrag dazu leisten, dass die Luft in den Städten sauberer wird. Und: Elektroautos sind trotz ihrer prinzipiell günstigeren Umwelt- und Verbrauchsbilanz nicht in allen Fällen die am besten bewerteten Fahrzeuge.

Der ADAC EcoTest ermöglicht es, serienmäßige Elektromobile direkt mit Gas, Benzin- und Dieselfahrzeugen zu vergleichen.


ADAC Ecotest 2018 Ergebnisse

Testsieger: VW e-Golf

Ehre wem Ehre gebührt: Der VW e-Golf erzielt im ADAC Ecotest 2018 als einziges Fahrzeug die mögliche Bestnote und erreicht 100 von 100 Punkten. Der e-Golf ist damit alleiniger Sieger im Ecotest 2018. Sowohl was den Schadstoff-Ausstoß als auch den CO2 -Verbrauch betrifft, ist der elektrifizierte Golf top.

Sieger im ADAC-Ecotest 2018: VW e-Golf

Sieger im ADAC-Ecotest 2018: VW e-Golf

Den zweiten Platz nimmt mit dem e-up! ebenfalls ein Modell der Marke Volkswagen ein. Den dritten Platz teilen sich der neue überarbeitete Elektro-BMW i3s (94 Ah) und der ebenfalls mit Strom betriebene Smart fortwo coupé EQ. Auf Platz fünf folgt der Hyundai Kona. Das erste Elektroauto der Koreaner, schafft im Idealfall fast 500 Kilometer am Stück..

Aber schon auf Platz fünf landet mit dem Fiat Panda Twinair Natural Power ein Erdgasauto, und das obwohl noch mehrere andere Elektroautos vom ADAC geprüft wurden. Noch dazu erfüllt der Fiat Twinair nur die ältere Abgasnorm 6b. Das Erdgas-Modell ist damit das einzige Auto mit Verbrennungsmotor, das fünf Sterne verliehen bekommen hat.

Große Batterie, höherer Verbrauch

Dass nicht alle Elektroautos besser abschneiden als Modelle mit Verbrennungsmotoren liegt daran, dass der deutsche Verkehrsclub bei Elektroautos auch den CO2 -Ausstoß, der im Kraftwerk bei der Erzeugung von Strom entsteht, in seine Kalkulation miteinbezogen hat. Braucht das Elektroauto viel Strom, fällt die CO2 -Bewertung entsprechend schlechter aus. Das ist vor allem bei großen Modellen oder solchen mit großer Reichweite der Fall. Sie benötigen größere Batterien und verbrauchen auch mehr Strom.

De Folge: Der neue Nissan Leaf mit rund 350 Kilometern Reichweite und mit einer vergleichsweise großen Batterie ausgestattet, landet im Ecotest gerade noch unter den besten sieben und erhält damit als letzter im Ranking fünf Sterne. Der Jaguar i-Pace, das erste Elektroauto der Marke – ein leistungsstarker Luxus-SUV, rangiert jedoch schon auf Platz 15.

Die Umweltfreundlichsten

ADAC Ecotest 2018: Autos mit 5 Sternen
Modell Punkte Schadstoffe Punkte CO2 Gesamt-Punkte
VW e-Golf 50 50 100
VW e-up! 50 49 99
BMW i3s (94Ah) 50 48 98
Smart fortwo coupé EQ 50 48 98
Hyundai Kona Elektro (64 kWh) 50 46 96
Fiat Panda 0.9 8V Twinair Natural Power 49 42 91
Nissan Leaf (40 kWh) 50 41 91
Quelle: ADAC

Wasserstoff-Antrieb: nur vier Sterne

Modelle mit einem Wasserstoff-Antrieb zählen wie Elektroautos zu den umweltschonderen auf vier Rädern. Der neue Hyundai Nexo schafft dennoch nur Platz neun im ADAC-Ecotest. Ab Platz acht gibt es vom ADAC nur vier statt fünf Sterne. Schon als nächstes folgt wieder ein Erdgasauto: Der Opel Astra CNG wird vom ADAC mit 87 Punkten bedacht. Der VW Caddy TGI BlueMotion, ebenfalls ein Erdgasauto, findet sich in der Bestenliste auf Platz zehn.

Tesla Model X vor Jaguar i-Pace

Und weil nach dem US-Hersteller Telsa im Vorjahr mit dem Jaguar I-Pace auch der erste europäische Autohersteller in den Kampf um den Luxus-Elektroautomarkt eingestiegen ist, auch die Vergleichswerte dieser beiden Autos: Der Tesla landet auf Platz elf und erhält 87 Punkte, der I-Pace 80 Punkte und belegt damit den 15. Platz. Mehr als vier Sterne gibt es für beide nicht.

Jaguar I-Pace EV400 S AWD

Jaguar I-Pace EV400 S AWD

Diesel: sauberer als ihr Image

Viele Autokäufer wagten aufgrund der Abgasdiskussion 2018 kein Dieselmodell mehr zu kaufen, sondern griffen, wenn es ein Verbrennungsmotor sein sollte, zum Benziner. Doch die Angst bei neuen Dieselmodellen vielleicht ein Auto mit einem untragbaren Schadstoffausstoß zu kaufen, ist dem Verkehrsclub zufolge unbegründet: "Die meisten neuen Diesel weisen vorbildliche Schadstoffwerte auf", urteilen die Experten.

Der erste Diesel im Ranking im ADAC Ecotest ist der Kia Ceed 1.6 CRDi. Der Kompaktwagen schafft die gleich hohe Gesamtpunkteanzahl wie der Elektro-Jaguar.

Gut mithalten mit den besten 4-Sterne-Modellen kann laut ADAC auch das Dieselmodell 220d 9G-Tronic der neue Mercedes C-Klasse. Mit 78 Punkten ergibt das Platz 19.

Auch kraftvolle Modelle müssen nicht unbedingt Umweltsünder sein. Das zeigt der neue Peugeot 508 mit seinem 160-PS-starkem Turbodiesel, der im Ecotest auf Platz 25 landet.

Empfehlenswert

ADAC Ecotest 2018: Autos mit 4 Sternen
Modell Punkte Schadstoffe Punkte CO2 Gesamt-Punkte
Toyota Yaris 1.5 Hybrid 50 39 89
Hyundai Nexo 50 38 88
Opel Astra 1.4 CNG 45 42 87
Tesla Model X 100 D 50 37 87
VW Caddy 1.4 TGI BlueMotion 50 36 86
VW up! GTI 50 32 82
Lexus CT 200h Automatik 47 34 81
Jaguar I-Pace EV400 S AWD 50 30 80
Kia Ceed 1.6 CRDi 50 30 80
Skoda Fabia 1.0 TSI 50 30 80
Nissan e-NV200 Evalia (40 kWh) 50 29 79
Mercedes C 220d 9G-Tronic 50 28 78
Mercedes C 220d T-Modell 9G-Tronic 50 26 76
Mini One 50 26 76
Opel Astra 1.6 Diesel 50 26 76
Suzuki Swift 1.2 Dualjet Allgrip 45 31 76
BMW 218d Active Tourer 50 24 74
Peugeot 508 2.0 BlueHDi 160 EAT8 50 24 74
Renault Clio TCe 90 43 31 74
Volvo V60 D3 50 24 74
BMW X1 sDrive18d 50 21 71
BMW X2 xDrive20d 48 23 71
Hyundai i20 1.0 T-GDI 46 25 71
Mercedes A 200 7G-DCT 48 23 71
Peugeot 308 SW 2.0 BlueHDi 180 EAT8 50 21 71
VW T-Roc 1.5 TSI ACT 48 23 71
Kia Ceed 1.4 T-GDI 46 24 70
Seat Arona 1.0 EcoTSI 41 29 70
Škoda Octavia Combi 1.5 TSI ACT DSG 44 26 70
VW Golf Sportsvan 1.5 TSI ACT DSG 42 28 70
Quelle: ADAC

Bedingt empfehlenswert

Modelle mit drei oder weniger Sternen

Der ADAC-Ecotest zeigt jedoch auch: Nicht alle Modelle, die dem neuen Emissionsgrenzwert 6d-TEMP entsprechen, weisen automatisch erstklassige Verbrauchswerte auf. Von den über 100 getesteten Modellen erhalten daher auch nur 37 Modelle vier oder fünf Sterne. Der Rest wurde wegen des hohen Verbrauchs abgewertet. Der ADAC dazu: "Fahrzeuge mit drei oder weniger Sternen, sind unter ökologischen Aspekten nur bedingt oder gar nicht empfehlenswert sind."

Zu diesen abgewerteten Modellen gehört laut ADAC der Opel Grandland X 2.0 Diesel Automatik. "Der Schadstoffwert ist beim Grandland zwar vorbildlich niedrig, aber wegen des hohen Verbrauchs und dem dadurch hervorgerufenen hohen CO2 -Ausstoß gibt es nur drei Sterne", heißt es im Urteil.

Opel Grandland X 2.0 Diesel Automatik

Opel Grandland X 2.0 Diesel Automatik

Als Negativbeispiel greift der ADAC auch den Volvo V90 D4 AWD Automatik heraus. Das Dieselmodell entspricht zwar der neuen 6d-TEMP Norm, ist aber nach Ecotest-Gesichtspunkten trotzdem nicht sauber. Die Norm sei zwar erfüllt, aber das System nicht gut abgestimmt. Bei der Schadstoff-Beurteilung gab es deshalb nur 31 Punkte. Weil der Wagen auch noch viel Sprit verbraucht, erhielt er auch bei der CO2 -Bewertung nur eine geringe Punkteanzahl. Mehr als zwei ADAC-Sterne gehen sich damit nicht aus.

Aber nicht nur große, noble Modelle bekommen ihr Fett ab. Auch ein paar Kleine müssen schlechte Noten einstecken und bekommen nur zwei Sterne. Dazu gehören etwa der VW Golf 1,6 TDI BMT (38 Punkte), der Madza 2 Skyactiv-G 90 (37 Punkte) oder der Fiat Panda 1.2 8V LPG (35 Punkte).

Der ADAC empfiehlt beim Kauf eines Jahres- oder Vorführwagen in jedem Fall genau zu prüfen, welche Abgasnorm erfüllt wird. So gibt es von vielen Modellen noch Fahrzeuge mit der älteren 6b-TEMP-Version.

Schlusslichter: Modelle mit einem Stern

Weit abgeschlagen sind die nur mit einem Stern bewerteten Schlusslichter des ADAC-Ecotests. Die wohl größte Überraschung ist, dass unter den derart schlecht beurteilten Autos mit dem Fiat 500X auch die "SUV-Variante" eines eigentlich als Kleinwagen und City-Flitzer konzipierten Autos ist.

Abgeschlagen im ADAC-Ecotest: Der Fiat 500X

Abgeschlagen im ADAC-Ecotest: Der Fiat 500X

Komplett durchgefallen und aufgrund ihrer schlechten Abgaswerte und ihres hohen Verbrauchs sogar mit der schlechtest möglichen Bewertung von null Punkten beurteilt wurden der Kia Sorento 2.2 und der SsangYong Rexton 2.2 - beide jeweils als Allrad-Modelle mit Diesel 6b Motoren und Automatikgetriebe.

Nicht empfehlenswert

ADAC Ecotest 2018: Autos mit 1 Stern
Modell Punkte Schadstoffe Punkte CO2 Gesamt-Punkte
Chevrolet Camaro Coupé 6.2 V8 Automatik 27 0 27
Jeep Compass 1.4 Multiair 140 9 13 22
Fiat 500X 1.4 MultiAir Start&Stopp 4x2 DCT 4 13 17
Kia Sorento 2.2 CRDi AWD Automatik 0 0 0
SsangYong Rexton 2.2 Diesel 4WD Automatik 0 0 0
Quelle: ADAC

Weitere Informationen zum ADAC Ecotest und finden Sie auf der Website des ADAC

Elektroautos: Sauber, aber doch nicht ganz. Abgase und CO2-Ausstoß fallen Berechnungen deutscher Wissenschaftler zufolge bloß an anderer Stelle an.

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