Arbeitslosigkeit kräftig gesunken - Lehrstellenmarkt boomt

In Österreich ist die Arbeitslosenquote auf dem niedrigstem Stand seit 2008. Derzeit sind 306.159 Menschen ohne Job. Positive Entwicklungen gibt es am Lehrstellenmarkt. Unternehmen suchen immer noch intensiv nach Mitarbeitern.

Arbeitslosigkeit kräftig gesunken - Lehrstellenmarkt boomt

Der Arbeitsmarkt in Österreich ist robust, trotz Corona-Pandemie und der geopolitischen Auswirkungen des Ukraine-Kriegs sinkt die Zahl der Arbeitslosen in Österreich, wie das Arbeitsministerium mitgeteilt hat.

"Die Arbeitslosenquote lag Ende September bei 5,7 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit 14 Jahren", sagte Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher (ÖVP) laut Mitteilung. "Diese Entwicklung zeugt einmal mehr davon, dass der österreichische Arbeitsmarkt den geopolitischen Herausforderungen derzeit noch trotzt und weiterhin stabil bleibt."

Im September 2022 ist die Zahl der Arbeitslosen auf 306.159 Personen gesunken. Darin enthalten sind auch 68.7550 Personen, die in Schulungen auf den Arbeitsmarkt vorbereitet werden. Insgesamt ist somit gegenüber dem Vorjahresmonat die Zahl der Arbeitslosen um 32.000 Menschen gesunken, rund 28.000 weniger als im September 2019 noch vor Ausbruch der Corona-Pandemie..

Massive Personalsuche

Rund 129.000 Stellen sind nach Angaben des Arbeitsmarktservice (AMS) derzeit unbesetzt, obwohl viele Unternehmen unverändert auf Mitarbeitersuche sind. Österreichs Unternehmen würden derzeit "massiv Personals suchen", sagt Johannes Kopf, Vorstand des Arbeitsmarktservice (AMS). Das sind um 13,1 Prozent mehr offene Stellen als im Vorjahreszeitraum.

Fast doppelt so viele offene Stellen hat der Stellenmonitor Stellenmonitor des Wirtschaftsbunds berechnet. Im September gab es demnach sogar 256.203 offene Stellen. "Diese Zahl ist nach wie vor auffallend hoch", so Kurt Egger, Generalsekretär der ÖVP-Teilorganisation Wirtschaftsbund. Angesichts von Energiekrise und Arbeitskräftemangel stünden zahlreiche Existenzen auf dem Spiel. "Es müssen endlich sowohl kurz-, als auch langfristige Maßnahmen umgesetzt werden, Denkverbote haben keinen Platz", schrieb Egger in einer Aussendung.

Selbst Krieg, Pandemie und Teuerung haben derzeit keine negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, auch wenn von Rezession gesprochen wird. "Die aktuellen Arbeitsmarktzahlen stehen so negativen Einstellungen klar entgegen", kommentierte AMS-Vorstand Kopf die aktuelle Lage. "Klar ist, dass der enorme, fast extreme Wirtschaftsaufschwung nun vorbei ist, eine echte Rezession erwarte ich - solange Gas fließt - jedoch nicht."

Um die Personalsituation zu entschärfen fordert der Wirtschaftsbund fordert unter anderem eine Ausweitung der Steuerbefreiung von Überstunden, ein Anreizmodell, dass ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer motiviert, länger im Erwerbsleben zu bleiben, aber auch Stundungen, Garantien und Verlustvorträge zur Liquiditätssicherung von Unternehmen.

Erfreulich ist auch die Situation bei den Lehrlingen. Die Zahl der Lehranfänger ist seit dem Höhepunkt der Pandemie wieder stabil. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist die Zahl der Lehranfänger um 6,8 Prozent auf 32.314 gestiegen. Mit Ende September befanden sich österreichweit insgesamt 108.091 Lehrlinge in Ausbildung.

Das Plus bei den Lehranfängern ist laut Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) heuer deutlich höher als die Zuwachsraten in den vergangenen Jahren.

Im Pandemiejahr 2020 war die Zahl jener Personen, die sich in einer Lehre befinden, sogar um 9,1 Prozent gesunken, ein Jahr später betrug die Zuwachsrate 4,4 Prozent. Heuer habe sich der heimische Lehrstellenmarkt wieder klar stabilisiert, sagte der Arbeits- und Wirtschaftsminister am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Attraktiv sind vor allem die Branchen Tourismus und Freizeitwirtschaft, Banken und Versicherungen, sowie Information und Consulting, die die kräftigsten Zuwächsen an Lehrlingen verzeichnen.

Die Zahl der offenen Lehrstellen in Österreich (Anm. das sind sofort verfügbar Lehrstellen) erhöhte sich im September um 10,3 Prozent auf 12.225 Lehrstellen im Vergleich zum Vorjahr. Demgegenüber standen 7.446 Lehrstellensuchende. Dementsprechend gab es hierzulande im September einen Lehrstellenüberhang von 4.779 Lehrstellen.

"Die Arbeitsmarktsituation bei der Jugend entwickelt sich durchaus positiv", sagte auch Jugendstaatssekretärin Claudia Plakolm (ÖVP).

Ende September sei zudem die Jugendarbeitslosigkeit in Österreich um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Nach aktuellen Daten von Eurostat lag die saisonbereinigte Jugendarbeitslosenquote hierzulande mit 10,6 Prozent unter dem EU-27-Durchschnitt von 13,8 Prozent.

Kritik an Arbeitsminister Kocher

Auch Renate Anderl, Präsidentin der Arbeiterkammer (AK), zeigte sich erfreut über die aktuellen Entwicklungen am heimischen Arbeitsmarkt. Es seien jedoch auch das "besondere Engagement und gezielte Vermitteln durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des AMS, das diese positive Entwicklung ermöglicht", so die AK-Präsidentin in einer Aussendung.

Aus Sicht der AK sei es daher "völlig unverständlich, dass die Bundesregierung 250 Planstellen beim AMS abbauen will", schrieb sie. Kritik übte sie ebenfalls an der geplanten Reduktion des Arbeitsmarktbudgets für 2023. "Wenn Bundesminister Kocher ankündigt, dass er Maßnahmen wie "Sprungbrett" für die Wiedereinstellung Langzeitarbeitsloser oder die Qualifizierungsoffensive fortsetzen möchte, wird er dafür die entsprechenden Mittel brauchen. Derzeit sind diese aber nicht vorgesehen", so Anderl in der Aussendung.

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