VW-Skandal: Milliarden-Klage und Anschuldigungen von Ex-Mitarbeitern

VW-Skandal: Milliarden-Klage und Anschuldigungen von Ex-Mitarbeitern

Milliardenschwere Sammelklagen haben 278 Aktionäre beim Braunschweiger Landgericht eingereicht. Ein Ex-VW-Mitarbeiter bezichtigt Konzern der Vernichtung von Beweisen. Und klagt VW vor einem US-Gericht. 600 Zivilklagen gibt es allein in den USA, wo der Druck auf den Autokonzern steigt.

Wolfsburg/Braunschweig. Wegen des Abgasskandals bei Volkswagen kommen einem Bericht zufolge nun die ersten milliardenschweren Verfahren in Deutschland auf das Unternehmen zu. Beim Braunschweiger Landgericht reichten 278 Aktionäre eine Sammelklage ein, wie die "Süddeutsche Zeitung" (SZ, Dienstag-Ausgabe) sowie die Sender NDR und WDR berichteten.

Wegen der Manipulation von Abgas-Werten bei Diesel-Fahrzeugen verklagen die Investoren den VW-Konzern demnach auf 3,255 Milliarden Euro. Die Investoren fühlen sich jahrelang getäuscht und pochen auf Entschädigung.

Der Kurs der VW-Aktie ist am Dienstag um rund 2,55 Prozent gesunken.

Juristische Großbaustelle

Eine Sprecherin des Gerichts bestätigte am Dienstag den Eingang. Knapp ein halbes Jahr nach dem Ausbruch des Skandals um manipulierte Stickoxid-Messwerte bei Abgastests wird - neben mehreren Verfahren privater VW-Kunden - damit auch der Konflikt um die rechtzeitige Mitteilung der Probleme im September 2015 zu einer juristischen Großbaustelle für den Autobauer in Deutschland. In den USA, wo das Diesel-Debakel begonnen hatte, drohen bereits Sammelklagen.

In Braunschweig soll es um die bisher mit Abstand größte Summe gehen. Dort seien nun 67 Klagen gegen VW eingegangen, hieß es aus dem Landgericht. Die Gesamtsumme auf Schadenersatz daraus belaufe sich auf mehr als 3,7 Mrd. Euro. Der Tübinger Rechtsanwalt Andreas Tilp hatte bereits am Montag die Milliardenklage bestätigt. Er will die Klägerseite im Prozess vertreten.

Volkswagen hatte im September eingeräumt, weltweit in rund elf Millionen Dieselfahrzeugen eine Schummelsoftware eingesetzt zu haben, die Emissionstests manipuliert.

Bei den Vorwürfen geht es darum, ob VW seiner Auskunftspflicht gegenüber Aktionären nachgekommen ist. Der Konzern hatte erst Tage, nachdem die US-Umweltbehörde EPA ihre Manipulationsvorwürfe am 18. September öffentlich machte, über drohende finanzielle Konsequenzen informiert. Das Unternehmen bekräftige mehrfach seine Auffassung, alle Pflichten befolgt zu haben. Viele Anleger wollen sich ihre Verluste aus dem abgesackten Aktienkurs von VW aber erstatten lassen.

Der Anwalt Andreas Tilp verlangt dem Bericht zufolge Schadenersatz für alle Mandanten, die ab Mitte 2008 VW-Aktien erworben hatten. Die Anteilseigner fordern demnach einen Ausgleich für die hohen Kursverluste, die sie mit ihren VW-Papieren erlitten haben.

Vernichtung wichtiger Akten

Nach dem Rücktritt des US-Chefs Michael Horn in der Vorwoche geht der Wirbel auch in den USA weiter. Ein früherer VW -Mitarbeiter in den USA den Autobauer verklagt und wirft dem Konzern die Vernichtung von Beweismaterial vor. Wie aus den in der vergangenen Woche eingereichten Gerichtsunterlagen hervorgeht, bezichtigt der Mitarbeiter die Volkswagen Group of America ihn im Dezember vergangenen Jahres gefeuert zu haben, weil er sich geweigert habe, Unterlagen zu beseitigen und die Justiz zu behindern.

Ein weiterer Grund für die Entlassung sei gewesen, dass er vorgehabt habe, die Vernichtung von Beweismitteln den Behörden zu melden, gab Daniel D. an. Eine Sprecherin von Volkswagen sagte, die Trennung von dem Mitarbeiter stünde nicht in Zusammenhang mit dem Skandal um manipulierte Diesel-Abgaswerte. Die Klage sei daher unbegründet. Der Anwalt von D., Sam Morgan, wollte sich nicht dazu äußern.

VW hatte im September eingeräumt, den Abgasausstoß bei weltweit rund elf Millionen Fahrzeugen manipuliert zu haben. Das US-Justizministerium hat den Wolfsburger Konzern wegen der Verletzung von US-Umweltrecht auf 46 Milliarden Dollar Strafe verklagt.

In den USA sind bereits zahlreiche Sammelklagen von Autohaltern und Investoren eingegangen. Alleine 600 Zivilklagen gegen VW sind eingereicht.

Das Ultimatum

Die Uhr tickt: VW muss mit den Umweltämtern EPA und Carb einen Plan zur Beseitigung der Betrugssoftware in Hunderttausenden vom Skandal betroffenen Dieseln präsentieren. Monate nach der Aufforderung ist VW noch immer eine definitive Antwort schuldig. Die Verhandlungen seien überdies sehr zäh und angespannt. Bis 24. März muss dieser Plan dem Bezirksgericht vorliegen, bei dem die 600 Zivilklagen eingereicht wurden. "Niemand fordert von VW eine perfekte Lösung", sagt Bezirksrichter Charles Breyer. Aber es gebe möglicherweise weniger perfekte und dafür schneller umsetzbare Lösungen. "Fast 600.000 Fahrzeuge sind bis zum heutigen Tag auf den Straßen unterwegs - ohne gültige Zulassung."

Breyer ist eine zentrale Figur in der Causa. Er kann keine Chancen für einen Vergleich ausloten, solange nicht geklärt ist, ob die Autos repariert werden können. VW schiebt die Hängepartie indes auf die hohe technische Komplexität und sieht bei Breyers Frist vor allem die EPA in der Verantwortung: "Das muss er nicht uns sagen, das muss er den Behörden sagen", meint Konzernchef Matthias Müller. Die Zeichen stehen auf Konfrontation.

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