UniCredit streicht nochmals 1000 Jobs in Österreich

UniCredit streicht nochmals 1000 Jobs in Österreich

Unicredit Konzernchef Jean Pier Mustier setzt den Rotstift an: "Striktes Kostenmanagement."

Die UniCredit zieht sämtliche Register um sich zu retten. Die Aktionäre zahlen im Zuge der Kapitalerhöhung dabei einen hohen Preis. Die Bank Austria-Mutter UniCredit will 13 Milliarden Euro frisches Geld aufnehmen. Notleidende Kredite in Höhe von 17,7 Mrd. Euro sollen abgestoßen werden. Ein neues Sparprogramm bringt einen weiteren massiven Jobabbau. Von der Gewerkschaften hagelt es Kritik.

Rom/Mailand. Die Bank Austria-Mutter UniCredit plant im 1. Quartal 2017 eine Kapitalerhöhung im Wert von 13 Milliarden Euro. Sie soll bei einer Hauptversammlung am 12. Jänner verabschiedet werden. Bis Juni 2017 soll die Kapitalerhöhung umgesetzt sein.

Die Aktionäre werden dabei kräftig gerupft. Auf der Hauptversammlung soll über eine Zusammenlegung der bisherigen Aktien im Verhältnis von 10 alten Aktien zu einer neuen Aktien entscheiden werden. Soll heißen: Wer bisher 1000 UniCredit-Aktien in seinem Depot hatte, wird künftig nur noch 100 Aktien besitzen. Damit soll die harte Kernkapitalquote bis 2019 auf mehr als 12,5 Prozent wachsen.

Der geplante Konzernumbau soll das Bankhaus insgesamt rund 12,2 Milliarden Euro kosten, allein 8,1 Milliarden Euro schreibt die Bank auf die faulen Kredite ab.

Zudem plant die italienische Großbank die Trennung von notleidenden Krediten im Wert von 17,7 Mrd. Euro. Um die Risiken zu senken plant die Bank die faulen Kredite an die Allianz-Fondsgesellschaft Pimco und den US-Finanzinvestor Fortress zu verkaufen.

Massive Kostensenkungen

Auch die Kosten müssen weiter sinken: UniCredit plant die Kürzung von zusätzlichen 6500 Arbeitsplätze. Bis 2019 sollen 14.000 Jobs wegrationalisiert werden. UniCredit-Vorstandschef Jean-Pierre Mustier sprach in London heute von einem strikten Kostenmanagement. Der Jobabbau würde die Personalkosten um 1,1 Milliarden Euro senken.

Ein Teil des Personalabbaus geht bereits auf die bekannten Sparprogramme aus der Zeit vor dem Start des neuen Vorstandschefs Mustier im Sommer zurück. Ende September hatte die UniCredit rund 123.000 Vollzeitarbeitsplätze. Bis 2019 wird die Bank rund 21 Prozent ihrer Belegschaft abgebaut haben. So hatte die UniCredit im Jahr 2010 noch mehr als 160.000 Mitarbeiter. Wie die Konkurrenten auch hat die Bank ihre Mitarbeiterzahl in den vergangenen Jahren drastisch reduziert.

In Österreich bei der Bank Austria-Mutter wird abermals der Rotstift gezückt. Vor einem Jahr hatte der Konzern für Österreich 1100 Stellen auf der Streichliste. Nun sollen nochmals 1000 Arbeitsplätze gestrichen werden - in Summe sollen also 2100 Mitarbeiter gehen. Die Bank Austria hat seit einiger Zeit ein Golden-Handshake-Programm laufen. UniCredit-Konzernchef Mustier aber dennoch erklärt, in Österreich bleiben zu wollen.

Vom Abbau betroffen ist vor allem die deutsche Tochter HypoVereinsbank (HVB), wo es vor allem im Investmentbanking zu Stellenabbau kommen wird, das mit dem Firmenkundengeschäft verzahnt werden soll. 1500 Stellen der noch 15.000 Vollzeitstellen sollen gestrichen werden. Auch Führungspositionen sollen mit dem Stellenabbau ausgedünnt werden. Im Vorjahr hatte die deutsche Tochter noch 16.300 Mitarbeiter. Die HVB hat seither die Hälfte ihres Filialnetzes eingedampft. Mustier will die Führungsstrukturen deutlich straffen.

Die Zahl der Mitarbeiter in Italien soll nach Medienangaben um 21 Prozent reduziert werden. Demnach fallen in Italien nach dem neuen Plan 3900 Jobs dem Sparstift zum Opfer. 800 Filialen sollen am Heimmarkt der UniCredit geschlossen werden. Mitsamt der bisherigen Rationalisierungen sollen es bis 2019 dann in Italien 9400 weniger Beschäftigte sein.

Seinen heute in London vorgestellten Plan bezeichnete UniCredit-Chef Mustier als pragmatisch und umsichtig. Er enthalte "konkrete und umsetzbare Ziele". Der Konzern könne damit die Ausgaben unter Kontrolle halten.

Massive Kritik

Die italienischen Gewerkschaften attackieren indes den Entwicklungsplan. "Der Plan ist noch schlimmer als wir befürchtet hatten", klagte der Sekretär des Gewerkschaftsverbands UILCA, Massimo Masi, in einer Presseaussendung.

"Wenn es stimmt, wie von CEO Jean-Pierre Mustier behauptet, dass wir für Fehler des alten Managements zahlen, fordern wir Gewerkschaften den Rücktritt all jener, die Sitze in den letzten Boards, oder andere Schlüsselposition besetzt haben. Mustier soll den Mut aufbringen, sie zur Übernahme ihrer Verantwortungen zu zwingen. Als Gewerkschaften werden wir die Belegschaft und die Kunden im Interesse der Bank verteidigen", kommentierte Masi.

Der Gewerkschafter kritisierte, dass der Entwicklungsplan lediglich auf den Verkauf von "Familienjuwelen", wie die Bank Pekao, und Anteile an der Online-Bank FinecoBank, basiere. "Der ganze Plan stützt sich lediglich auf die Kürzung der Personalkosten. Warum ergreift Intesa Sanpaolo, der stärkste Konkurrent UniCredits auf dem italienischen Markt nicht dieselben Lösungen?", fragte Masi. Mit weiteren Personalkürzungen und Filialschließungen sei eine weitere Senkung der Qualität der Kundendienstleistungen zu rechnen.

Nach Kaltstart folgt der Höhenflug

Das neue Vorhaben kam am Kapitalmarkt am Dienstag zunächst nicht gut an. Die UniCredit-Aktie hat nach dem Börsenstart am Vormittag zunächst um fünf Prozent an Wert verloren. Im Verlauf des Vormittag dreht der Kurs jedoch ins Plus. Bis am frühen Nachmittag legt der Aktienkurs um 7,8 Prozent zu (13:10 MEZ). In diesem Jahr allein hat UniCredit die Hälfte ihres Marktwertes verloren. Der Börsenwert der Bank beläuft sich mit heutigem Tag auf rund 15,9 Milliarden Euro.

Für das heurige vierte Quartal stellte die Bank den Markt auf hohe Sonderbelastungen ein. Die Neuaufstellung wird im laufenden Vierteljahr mehr als 12 Mrd. Euro kosten. Für das laufende Geschäftsjahr waren Analysten von einem Gewinn von rund einer Milliarde Euro ausgegangen. Die Dividende wird für 2016 ausgesetzt. Im Jahr 2019 will die UniCredit wieder hoch profitabel sein.

In Mittel- und Osteuropa peilt der Konzern organisches Wachstum an. Mit 1. Oktober hat die Bank Austria die jahrelang von Wien aus gesteuerte Osteuropabankensparte an die Konzernmutter UniCredit abgegeben. Ende Oktober wurde die ukrainische Ukrsotsbank verkauft. Mit dem Verkauf eines großen Teils der Polen-Tochter Pekao verschafft sich der Mailänder Konzern in den nächsten Monaten weiter Luft.

Einen Rückzug aus den Bankaktivitäten in der Türkei oder in Russland schloss Mustier heute in Mediengesprächen in London aus.

Angesprochen auf kürzlich aufgeflammte Marktspekulationen um Fusionsgespräche etwa mit der französischen Großbank Societe Generale verwies Mustier auf das geplante organische Wachstum. Man spreche mit niemandem.

Am vergangenen Wochenende hatte die UniCredit angekündigt ihre Fondstochter Pioneer zu verkaufen. Rund 3,9 Milliarden Euro will der französische Vermögensverwalter Amundi dafür zahlen.


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