Rapid Wien schürft neues Geld per Crowdfunding

Rapid Wien schürft neues Geld per Crowdfunding
Rapid Wien schürft neues Geld per Crowdfunding

Große Projekte müssen günstig finanziert werden. Rapid Wien-Präsident Michael Krammer zapft mit seiner Mannschaft eine weitere Finanzierungsquelle an.

Der Fußball-Traditionsklub Rapid Wien geht bei der Finanzierung seines neuen Stadions neue Wege. Als erster Fußballclub der Welt wagt er sich an das Crowdfunding. Beteiligungen sind ab 100 Euro möglich. Partner ist die Crowdfunding-Plattform Conda.

Österreichs Fußball-Rekordmeister Rapid Wien gibt sich das Image einer Start-up Company. Mit der Kraft der eigenen Tradition geht der Verein daran, neue Kapitalgeber um sich zu scharen. Mittels Crowdfunding, eigentlich eine Finanzierungsmethode für Start-ups, klassische Jungunternehmer und Gründer, will der SK Rapid Wien mit seiner über 116 Jahre alten Tradition neue Geldquellen anzapfen und seine Zukunft mit einer weiteren Finanzierungssäule absichern.

In drei Tranchen mit Laufzeiten von fünf, sieben oder neun Jahren (Laufzeitende: 31.12.2020, 31.12.2022 und 31.12.2024) will der SK Rapid Wien bis zu drei Millionen Euro von neuen Investoren einsammeln. Die Geldgeber bekommen für ihr ausgeliehenes Geld von Rapid einmal pro Jahr Zinsen ausbezahlt. Die Zinssätze betragen je nach Tranche und somit Laufzeit zwischen zwei und drei Prozent pro Jahr (siehe Grafik, u.) .

Unter dem Titel "Rapid InvesTOR" bewirbt der Wiener Traditionsklub seine neueste Finanzierungsquelle. Das Geld soll für das Jahrhundertprojekt Stadion eingesetzt werden. „Werden Sie als Crowdinvestor Teil des grün-weißen Jahrhundertprojekts ‚Alte Heimat – Neues Zuhause‘: Das Allianz Stadion!“, lautet das Credo von Rapid-Präsident Michael Krammer. Statt Banken teure Kreditzinsen zu zahlen, will Krammer vor allem seine Mitglieder an Bord holen und ihnen die günstigeren Zinsen für das ausgeliehene Geld einmal pro Jahr bezahlen.

Über die Crowdfunding-Internetplattform Conda sollen die Investoren den Weg zu Rapid Wien finden und neues Kapital nachschießen. Vorzugsweise will Krammer die Rapid-Community für die Finanzierungsrunde gewinnen.

Guter Start: Wenige Stunden nach Beginn der Crowdfunding-Aktion hatten schon über 100 Anleger mehr als 200.000 Euro investiert.

Das Prinzip ist identisch mit der Kapitalbeschaffung bei Jungunternehmern: Die Geldgeber geben dabei einem Unternehmen, das expandieren will und einen Kapitalbedarf hat, den es selbst nicht decken kann, einen günstigen Kredit. Die Idee, im Unterschied zum Bankkredit: Über einen Schwarm von Investoren, das können Unternehmen oder auch Privatpersonen sein, die unterschiedlich viel Geld geben können, soll ein großer Betrag zusammen kommen. Und für den Kreditnehmer, im konkreten Fall SK Rapid GmbH, soll diese Art von Kreditfinanzierung billiger sein als der Bankkredit und somit die gesamte Zinslast für die SK Rapid GmbH drücken.

Ein Schwarm von Darlehen für Rapid

Es handelt sich dabei um ein sogenanntes nachrangiges Darlehen, das die Geldgeber Rapid Wien zur Verfügung stellen. Die Mindesteinlage beläuft sich auf 100 Euro. Nach dem seit 1. September 2015 gültigen "Crowdfunding-Gesetz" darf ein Geldgeber maximal 5000 Euro pro Jahr und Projekt investieren, falls er nicht mehr als 2500 Euro verdient. Der Kreditgeber bekommt einmal pro Jahr im Dezember einen Zins von Rapid Wien überwiesen. Am Ende der Laufzeit wird der gesamte Investitionsbetrag von der SK Rapid GmbH an seine Crowdinvestoren zurückgezahlt.

Die neue Finanzierungsform ist mit drei Millionen Euro gedeckelt. Auch wenn die Obergrenze des sogenannten Funding Limits, das pro Tranche mit 1 Million Euro limitiert wird, vor Ende der Angebotsfrist per 1.3.2016 erreicht wird, gibt es keine Ausweitung des Finanzierungsvolumen oder neue Finanzierungsrunde. "Dann ist Schluss", sagt Conda-Chef Paul Pöltner.

Das Risiko des Geldgebers: Erzielt Rapid Wien während der Laufzeit des Kredits keinen Gewinn, gibt es für die Geldgeber auch keine Zinsen. Der nicht ausbezahlte Zinsbetrag in dem Jahr eines Verlustes soll zum nächstmöglichen Zinszahlungstermin, an dem die SK Rapid Wien GmbH wieder Gewinne schreibt, ausbezahlt werden. Auch bei negativem Eigenkapital wird kein Zins ausbezahlt. "Mit der Neugründung haben wir die Voraussetzungen geschaffen, dass wir auch das Eigenkapital kräftigen", sagt Rapid-Präsident Krammer.

Geht die Rapid Wien GmbH, die erst kürzlich auch zwei Tochtergesellschaften neu gegründet wurde Pleite, fällt der Kapitalgeber im Extremfall um seinen gesamten investierten Geldbetrag um. Und im Fall einer Insolvenz werden die Forderungen außerdem als nachrangiges Darlehen behandelt. Bevor also der sogenannte "Crowd-Investor" von Rapid Wien zum Zug käme, werden die vorrangigen Gläubiger aus der Konkursmasse befriedigt

Zeichnungsberechtigt sind lediglich Deviseninländer, also Österreicher und Ausländer mit Hauptwohnsitz im Inland. Die Investoren müssen mindestens 18 Jahre alt sein. "Aufgrund gesetzlicher Vorgaben dürfen sich Ausländer nicht beteiligen, leider", sagt Conda-Chef Paul Pöltner. In der EU können die Mitgliedsstaaten bei einem Gesamtvolumen von bis zu fünf Millionen Euro den Personenkreis der Investoren selbst regeln, ohne mit EU-Vorgaben in Konflikt zu kommen.

Nach "Schwarzer Null" soll Millionengewinn folgen

Rapid hat im abgelaufenen Geschäftsjahr eine "Schwarze Null" geschrieben. 50.344 € sind unterm Strich übrig geblieben. Der Umsatz wurde in der Saison 2014/15 um drei Prozent auf 22,8 Millionen € gesteigert.

9,8 Millionen € musste Rapid alleine als Personalaufwand für Spieler, Trainer, Betreuer und Management zahlen und verbuchen. "Wir werden in der laufenden Saison einen Gewinn in siebenstelliger Millionenhöhe erzielen", sagt SK Rapid GmbH-CEO Christoph Peschek. Ein Hauptgrund dafür ist der sportlicher Erfolg in der UEFA Europa League, das für den Klub ein zusätzlicher Geldregen bedeutet.

Bonus bei sportlichem Erfolg

Das Rapid-Management lockt die neuen Geldgeber auch damit, dass mit dem sportlichen Erfolg noch zusätzliche Bonifikationen ausgeschüttet werden. Im Fall der Qualifikation zur UEFA Champions-League oder UEFA Europa-League bekommt der Anleger zusätzliche Bonuszahlungen. Die Zinsen - ab zwei Prozent bei einer Laufzeit von fünf Jahren - liegen über dem Eckzinssatz des Sparbuches und der Inflationsrate. Im Fall einer Meisterschaft wird nichts ausbezahlt. "Für den Meistertitel gibt's ja auch kein Geld", sagt Präsident Krammer mit einem Hinweis auf den ÖFB. Im Gegensatz zur österreichischen Meisterschaftsrunde werden bei den UEFA-Wettbewerben Chmapions League und Europa League Millionenbeträge ausbezahlt, die sich mit dem Erfolg der Mannschaften von Runde zu Runde erhöhen. Am sportlichen Erfolg sollen daher auch die Rapid-Fans beteiligt werden, die sich nun als Investor dem Verein Geld leihen, so Krammer.

Crowdfunding mit Kick: Drei Modelle zur Beteiligung.

Die Verwendung der Mittel

Das Geld soll als weiteres finanzielles Polster für das neue Stadion aufgenommen werden. Die Baukosten der 28.000 Zuschauer fassenden Fußballarena, die im Juli 2016 eröffnet werden soll, belaufen sich inklusive Abriss des bisherigen Gerhard-Hanappi-Stadions auf 47,5 Millionen Euro. Mit Kosten etwa für Baurechte, den Grundbuchgebühren diverser Gutachten, etwaigen Einrichtungskosten und einer Reserve liegt das Gesamtbudget für dieses Projekt bei rund 53 Millionen Euro. "Dieses Budget ist ausfinanziert", bekräftigt Rapid-Finanzchef Martin Bruckner.

Die via Crowdfunding lukrierten Gelder sollen zur schnelleren Tilgung der Kredite für den Stadionneubau verwendet werden. Statt den Banken Kredite zu höheren Kreditzinsen zurück zu zahlen, will man private Investoren als neue Financiers gewinnen, die als Crowd-Investor gegen Zinsen ihr Geld zur Verfügung stellen. "Wir betreten da Neuland, aber wir haben einen Business Case mit allen Eventualitäten zugrunde gelegt, um eine größtmögliche Sicherheit zu haben", sagt Bruckner.

Fast 20 Millionen werden durch eine Förderung der Stadt Wien bestritten. Für 35 Millionen Euro haben die Rapidler mit der Erste Bank und der Bank Austria zwei Großkredit über 25 Jahre abgeschlossen. Die Allianz Gruppe in Österreich schießt zudem als Naming-Right-Partner des neuen Stadions einen Millionenbetrag in die Kassen der SK Rapid Wien GmbH. Das bisherige Gerhard-Hanappi-Stadion wird somit in "Allianz Stadion" umbenannt.

Viele Investoren bei Conda

Rapids Crowdfunding Partner Conda mit Sitz in Wien ist seit Anfang Dezember 2014 als erste Crowdinvesting-Plattform im deutschsprachigen Raum tätig. Über Conda werden die Unternehmen mit ihren Investoren zusammengebracht. 2.402 Crowd-Investoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben bisher in junge Unternehmen aus der DACH-Region 3,92 Millionen Euro in 34 Projekte investiert. Zu den Eigentümern zählt unter anderem der Neos-Abgeordnete Niko Alm über Schmalz GmbH. Geschäftsführer Pöltner ist mit 27,47 Prozent der Hauptaktionär von Conda.

Die Crowd-Investoren von Rapid Wien müssen sich via Internet (https://skrapid.conda.at) anmelden.

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