KTM-Boss Pierer: "Unsere Politiker sind in Watte gepackte Kommunisten"

KTM-Boss Pierer: "Unsere Politiker sind in Watte gepackte Kommunisten"

KTM-Chef Stefan Pierer baut Mattighofen aus und setzt auf die Globalisierung.

Der Motorradhersteller KTM verkaufte im ersten Halbjahr so viele Motorräder wie noch nie. Zufrieden ist KTM-Boss Stefan Pierer trotzdem nicht, weder mit den heimischen Politikern, noch mit den Russland-Sanktionen und auch nicht mit der Angst in Europa vor dem Freihandelsabkommen mit der USA.

Bei KTM, dem größten Motorradhersteller Europas, brummt derzeit der Motor. Für das erste Halbjahr meldet das oberösterreichische Unternehmen einen Rekordumsatz von 410 Millionen Euro. Der Nettogewinn stieg von 12,3 Millionen Euro auf über 26 Millionen. KTM-Chef Stefan Pierer spielt dem Zweiradhersteller die Krise sogar in die Hände „Wir werden zwar nicht mehr in die 50erJahre zurückfallen, aber die Leute fahren wieder mehr Motorrad, auch aus Spargründen.“

Doch das alleine ist nicht die Grundlage für den Erfolg des Motorradherstellers. „Wir haben gelernt auch mit widrigen Umständen umzugehen. Um das Geschäft anzukurbeln, haben wir selbst in der Krise die Investitionsrate hoch gehalten und die Globalisierung vorangetrieben“, nennt Pierer wichtige Schlüsselfaktoren für das Wachstum. Die Exportquote von KTM liegt bei nahezu 100 Prozent. Getrieben ist KTM auch vom Wettbewerb bei Motorsportwettkämpfen: „Im Rennsport ist man gezwungen, wenn etwas nicht klappt, sofort zu reagieren.“ Neben Rennsport steht auch eine ganz simple Markenphilosophie hinter dem Piererschem Erfolgsgeheimnis: „Wenn man stolz sein kann, mit seinem KTM-Motorrad vor einem Biergarten vorzufahren.“ Im heurigen Jahr ist das Plus jedoch vor allem dem Verkaufsstart der neuen "Husqvarna"-Maschinen zu verdanken. Mit Husqvarna erwartet sich KTM ein zusätzliches Wachstum von rund 15.000 Motorrädern in den kommenden Jahren

200 neue Mitarbeiter in Österreich

Die Bikes aus Mattighofen in Oberösterreich werden aber nicht nur dort, sondern seit 2007 auch in Indien gefertigt. Dort ist der Markt mit 12 Millionen verkaufter Zweiräder jährlich riesig. Pierer: „Mit dieser Kooperation wollen wir besser gegen die japanische Konkurrenz antreten.“ Die Produktion komplett nach Indien, oder in andere kostengünstigere Staaten zu verlagern, ist für den KTM-Mann aber keine Option. „Das würde ich schon aus emotionalen Gründen nicht tun, da ich hier verwurzelt bin. Aber unser Standort in Österreich profitiert von Indien. Nur deshalb haben wir in Österreich letztes Jahr 200 Mitarbeiter einstellen können.“ Doch Mattighofen wächst noch aus einem Grund. Denn der Kauf der Motorradmarke Husqvarna wertet den heimischen Produktionsstandort ebenfalls auf. So wurde dort nun die erste Husqvarna-Maschine gefertigt.

Aber auch die rechtlichen Rahmenbedingungen hält er - die Steuergesetze ausgenommen - in Österreich für Unternehmen für gut. So gebe es ein klar definiertes Arbeitsrecht: „Restrukturierungen sind aufgrund rechtlicher Bedingungen in Italien, Frankreich oder Deutschland wesentlich schwieriger“, sagt Pierer. Er lobt auch das Körperschaftssteuerrecht, die Exportförderung und –Finanzierung.

Auswirkungen der Russland-Sanktionen könnten sich dramatisch verschärfen

Der Einbruch des russischen Markts trifft KTM nicht. „Russland ist kein Motorradland“, erläutert Pierer. Gegen die Sanktionen ist er trotzdem. „In Deutschland sind die Auswirkungen der Sanktionen bereits gravierend, vor allem im Maschinenbau und bei den Autozulieferern. Wenn es zu einem lang anhaltenden Konflikt kommt, wird aber ganz Europa wirtschaftlich massiv darunter leiden“, warnt Pierer.


Politiker bei uns sind in Watte gepackte Kommunisten

Zu leiden hätten Unternehmen und damit die Wirtschaft nach Einschätzung von Pierer auch unter der Politik in Österreich. „Die Politiker bei uns sind in Watte gepackte Kommunisten. Sie leben im geschützten Raum und haben den Realitätsbezug in den letzten zehn Jahren völlig verloren. Sie haben keine Ahnung wie sie mit den Herausforderungen, die die Krise ihnen gestellt hat, umgehen sollen. Sie haben es auch geschafft, den Kapitalmarkt in Österreich kaputt zu reden und Anleger als Zocker hinzustellen.“ Seine letzte Hoffnung sei der neue Finanzminister. Für Pierer wäre auch eine Anhebung der Kapitalertragsteuer (KEst) von 25 auf 30 Prozent vorstellbar: „Dann hätte die Politiker-Seele endlich eine Ruhe.“

Neues Elektro-Motorrad für Waldwege

Doch Pierer kämpft mit Innovationen gegen die Mühlsteine, die ihm die Politik in den Weg legt. So hat das Unternehmen kürzlich ein Motorrad mit Elektromotor auf den Markt gebracht. Statt mit einem Mountainbike können nun so die Wälder mit einem geräuschlosen Elektro-Motorrad ergründet werden. Die 2.000 Stück, die in einem ersten Schritt für den europäischen Markt gebaut wurden, sind alle bereits verkauft.

Wachstumschancen sieht er auch durch das geplante Freihandelsabkommen. „Wo soll das Wachstum für Europa herkommen, wenn nicht von außen? Wenn man erfolgreich sein will, muss man raus“, argumentiert Pierer. Die Nahrungsmittelbranche ist zwar von dem Abkommen ab stärksten betroffen, „aber mit Verhandlungsstärke und mehr Rückgrad“ sei eine Einigung möglich. Für KTM, die stark in den USA vertreten ist, würden durch das Abkommen die US-Zölle in Höhe von knapp zwei Prozent wegfallen.

KTM macht knapp 60 Prozent des Umsatzes in Europa, fast 19 Prozent in Nordamerika und mehr als ein Fünftel im Rest der Welt. Die Cross Industries AG, die an mehreren Unternehmen aus der Kfz-Industrie beteiligt ist, darunter KTM und Pankl Racing, soll spätestens 2015 fast zur Gänze Pierer gehören. Erst Anfang April 2014 hat die UIAG ihren 24,9-Prozent-Anteil an Cross Industries für 45 Millionen Euro Pierer Industrie AG verkauft.

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