Monsanto und Glyphosat: Gewinn vor Gesundheit?

Monsanto und Glyphosat: Gewinn vor Gesundheit?

Stephan Kocher, Monsanto

trend. Interview mit Stephan Kocher, dem für Pflanzenschutz - inklusive Glyphosat - zuständigen Geschäftsführer von Monsanto Deutschland und Österreich.

trend: Die EU hat unerwartet die Entscheidung verschoben, ob Glyphosat weiter verwendet werden darf. Ende Juni aber läuft die Zulassung aus. Was nun? Haben Sie genug andere Präparate in der Pipeline?
Stephan Kocher: Darum geht es nicht. Die Entscheidung um Glyphosat ist grundsätzlich wichtig für Europa, denn es geht um eine wissenschaftliche Risikobewertung. Die sollte auch ein Zeichen sein, wie Europa mit dem Thema Wissenschaft umgehen will. Wenn man sich darauf nicht mehr verlassen kann, wäre das eine Überraschung, die auch den Innovationsstandort - Österreich genauso wie Deutschland - in Frage stellen würde. Internationale Investoren sehen sich so etwas sehr genau an.

trend: Aber geht nicht Gesundheit vor Gewinn?
Kocher: Die Sicherheit unserer Produkte hat oberste Priorität. Glyphosat ist das bestgeprüfte Pflanzenschutzmittel der Welt und seit 40 Jahren ohne gesundheitliche Schäden in Verwendung. Ein Verbot wäre aber auch ein Verlust für die Landwirtschaft, die mit glyphosathaltigen Herbiziden Ertragsausfälle vermeiden kann und gleichzeitig die Bodenqualität verbessert, etwa durch den Verzicht aufs Pflügen.

trend: Sie wollen doch vor allem Ihren Hauptumsatzbringer längstmöglich verkaufen, oder?
Kocher: Glyphosat ist nicht unser Hauptumsatzbringer. Weltweit machen Pflanzenschutzprodukte nur etwa 30 Prozent des Monsato-Umsatzes aus, davon kommen vier Fünftel durch Glyphosat. Deren Anteil ist rückläufig. Denn klar ist auch, alte Wirkstoffe kommen langsam an ihre Grenzen, es entwickeln sich Resistenzen. Daher sorgen wir mit neuen Kombinationen dafür, dass die nächsten Wirkstoff- Generationen ähnliche Effekte haben. Aber jetzt einmal steht Europas Wissenschaftsprinzip auf dem Prüfstand.

trend: Sie irritiert also gar nicht, dass Glyphosat von der Krebsagentur IARC der WHO als "vermutlich krebserregend" eingestuft wurde?
Kocher: Sie wissen aber schon, was in dieser Einstufung noch alles dabei ist? Zum Beispiel auch rotes Fleisch, Frittiertes - oder der Friseurberuf. Alkohol, Nikotin, Holzstaub und Sonnenlicht sind da in der höchsten Klasse. Das heißt: Die Einstufung der IARC ist für die Zulassungsverfahren der EU nicht geeignet. Denn theoretische Gefahrenpotenziale gibt es überall. Das Risiko der praktischen Anwendung für den Menschen beurteilt die europäische Behörde EFSA. Und die hält es bei Glyphosat für sehr gering. Genauso übrigens wie andere Organisationen der WHO auch.

trend: Aber die IARC hat doch eine Zunahme der Krebswahrscheinlichkeit festgestellt? Zumindest an Mäusen.
Kocher: An den Mäusestudien sieht man, wie die IARC mit eingeschränktem Datenmaterial zu ihren Schlüssen kam. Die europäische Beurteilung durch das Bundesinstitut für Risikobewertung und die EFSA geht von viel umfassenderen Unterlagen aus. Richtig angewandt, gibt es durch Glyphosat für Menschen keine Gefahr.

trend: Umweltorganisationen halten die Datenlage ausreichend für ein Verbot. Nach deren Untersuchungen wird Glyphosat beinahe überall gefunden, in Muttermilch, Bier, Wattepads...
Kocher: Man muss schon sehen, welche Parteien sich da wie in der Öffentlichkeit positionieren. Beispiel Muttermilch: Man schreckt nicht davor zurück, das Stillen als Instrument in der Agitation zu missbrauchen, und das mit einer Studie, die jeden Statistiker erschaudern lässt. Die Probenanzahl war zu klein, der Test war untauglich für die Untersuchung, und letztlich erwies sich das Ergebnis als nicht haltbar. Das mediale Strohfeuer war auch schnell vorbei.

trend: Glauben Sie? Eben wurden Monsanto und die europäische Gesundheitsbehörde EFSA von etlichen NGOs geklagt.
Kocher: Natürlich nehmen so etwas ernst. Allerdings haben wir bislang noch nichts zugestellt bekommen. Offensichtlich weiß die Staatsanwaltschaft noch nicht einmal, wie sie mit den Schriftstücken umgehen soll. Aber es ist klar, worum es den NGOs in Wirklichkeit geht - nicht um eine wissenschaftliche Debatte, sondern darum, Entscheidungsträger zu manipulieren und Verbraucher zu verunsichern. So ein Vorgehen lehnen wir ab.

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