Aktienboom – der Crash ist programmiert!

Aktienboom – der Crash ist programmiert!

Die Notenbanken versuchen mit historisch niedrigen Zinsen und billigem Geld der Krise entgegenzusteuern, die ja erst durch niedrige Zinsen und billiges Geld entstanden ist. DAX, Dow Jones und Nikkei haben sich seit ihrem Tief 2009 mehr als verdoppelt. Die Probleme der globalen Krisen sind jedoch nicht einmal ansatzweise gelöst. Die Börsen erklimmen weltweit Rekordstände – völlig losgelöst von der wirtschaftlichen Realität.

Der warme Geldregen der Notenbanken sorgt dafür, dass an der Wall Street wieder Rekordgehälter ausbezahlt werden und hoch spekulative Finanzprodukte abermals unter die Leute gebracht werden. Damit die Sause noch eine Weile anhält, haben die Notenbanken 2013 noch einmal richtig Gas gegeben und die Druckerpressen in den Turbogang geschaltet: Die EZB drehte zuletzt erneut an der Zinsschraube und reduzierte den Leitzins auf das Rekordtief von 0,5 Prozent. Es stellt sich die Frage, wann die EZB das Geld an die Banken verschenken möchte. Vielleicht wäre es ja sinnvoller, wenn die EZB das Geld direkt an Unternehmen verleiht, die es benötigen, anstatt es völlig maroden Banken in den Rachen zu werfen.

In den USA sehen wir das gleiche Spiel. Die Fed ließ verlauten, dass das aktuell niedrige Zinsniveau bis mindestens 2015 bestehen bleibt – die Börsen explodieren daraufhin weltweit und sind völlig betrunken von dem billigen Geld! Verheerende Fakten aus der Realwirtschaft werden weiter erfolgreich ignoriert. Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank Fed, kauft pro Monat für insgesamt 85 Milliarden Dollar Staatsanleihen und Immobilienpapiere auf, um die Märkte zu stabilisieren. Mittlerweile ist die Fed, vor China, größter Gläubiger der USA – was wir als volkswirtschaftlich doch etwas fragwürdig empfinden.

Japan im Kamikazemodus

In Japan verpflichtet sich die Bank of Japan einer längst vergessenen Tradition – sie stellt auf den wirtschaftlichen Kamikazemodus um. Auf Grund der enormen Eingriffe des Staates wird der Yen künstlich billig gehalten, mit dem Ziel, die Exporte zu steigern und damit die seit Jahren am Boden liegende Wirtschaft anzukurbeln. Die japanische Staatsverschuldung nimmt mit jenseits der 200 Prozent des BIPs mittlerweile mehr als abstruse Ausmaße an. Wir sind äußerst gespannt, wann die 300 Prozent-Marke erreicht wird und sind sicher, dass Japan mit dieser ökonomischen Harakiripolitik langfristig scheitern wird.

Es ist nicht mehr wegzudiskutieren: die Welt steht vor einer weiteren gravierenden Rezession – doch die Märkte explodieren. Es wird wieder getanzt und die Musik spielt laut – das billige Geld zeigt abermals seine verheerende Wirkung. Die Märkte haben sich, angetrieben von der immensen Liquidität, komplett von der Realität und den wirtschaftlichen Fakten abgekoppelt. So langsam sollte auch dem Letzten klar sein, dass dieser Irrsinn in einem verheerenden Knall enden wird. Wann werden wir die maximale Fallhöhe erreicht haben? Wie lange tanzen wir noch auf dem Vulkan des billigen Geldes und wann wird das Geschrei und Gejammer abermals groß sein?

Volkswirtschaftliche Schadensmaximierung auf Kosten der Jugend

Es lohnt sich vielleicht durchaus, einen Blick auf die gegenwärtige wirtschaftliche Lage zu werfen. Betrachtet man die Lage in der Eurozone, könnte es einem doch etwas anders werden. Mit größtem Erfolg betreibt die Politik, die Notenbanken und die Finanzwelt volkswirtschaftliche Schadensmaximierung auf Kosten der Allgemeinheit und besonders der Jugend Europas.

Griechenland, Portugal und Spanien sind de facto bankrott und dies kommt nun auch in der Politik an. Die Länder werden auch „in hundert kalten Wintern“ ihre Schulden nicht bezahlen können und der große Schuldenschnitt wird kommen – ob dies Frau Merkel oder Herrn Schäuble gefällt oder nicht.

Die Arbeitslosenzahlen in den oben genannten Ländern erklimmen Höhen, die uns lediglich aus Zeiten der Weimarer Republik bekannt sind. Wir alle wissen, in was für einer Katastrophe diese geendet ist. Dies gilt es zu verhindern. Durch die falsche Politik schaffen wir einen brandgefährlichen Nährboden für Extremisten, Separatisten, Nationalisten und Bürgerkrieg. Hier wird eine ganze Generation ihrer Zukunft beraubt, die irgendwann auf die Straße gehen wird. Es stellt sich die Frage: Wie lange erträgt die Bevölkerung dieser Länder noch die gegenwärtige Situation?

Ein Land ohne Jugend ist ein Land ohne Zukunft

In Spanien sind mit 26,8 Prozent und in Griechenland mit rund 27 Prozent mehr als jeder Vierte arbeitslos und unter den jungen Menschen unter 25 Jahren sogar jeder Zweite (Spanien 57,2 Prozent und Griechenland 64,7 Prozent)! Die Ausfallrate an Krediten ist auf einem Allzeithoch von knapp 11 Prozent bei insgesamt 168 Milliarden Euro.

Portugal verzeichnet eine Gesamtarbeitslosenquote von 17,8 Prozent – und eine Jugendarbeitslosenquote von fatalen 42,5 Prozent. Nicht zu verkennen ist, dass diese Zahl eigentlich wesentlich höher wäre, denn weit über 100.000 Jugendliche haben ihre Heimat in Richtung der portugiesisch sprechenden Länder Brasilien und Angola verlassen. Dabei wissen wir alle: Ein Land ohne Jugend ist ein Land ohne Zukunft.

In Italien ist die Lage unserer Ansicht nach ebenfalls durchaus optimierungsbedürftig. Das Land hat mittlerweile die höchste Arbeitslosigkeit seit 36 Jahren! Bei den Jugendlichen wurde die 40 Prozent-Marke gerissen und 12 Prozent der Gesamtbevölkerung sind insgesamt ohne Job. Die Auslastung der Autoindustrie ist bei schwachen 40 Prozent. Europaweit sinken die Auto-Absatzzahlen und auch Italien bekommt dies deutlich zu spüren.

Es passiert dadurch Unglaubliches: Die dramatische Lage hat sogar Berlusconi wieder auf die politische Bühne gespült. Ob Berlusconi das Land „abermals retten“ wird, halten wir für äußerst fragwürdig.

Französische Industrie ist nicht wettbewerbsfähig

Bei unseren Freunden in Frankreich sieht die Lage der „Grande Nation“ gegenwärtig ebenfalls besorgniserregend aus. So langsam ist auch jedem „Hinz und Kunz“ bekannt, dass die französische Industrie gegenwärtig nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Es erfordert keinerlei hellseherische Fähigkeiten, um zu erkennen, dass der eine oder andere französische Automobilkonzern in nicht allzu ferner Zukunft erst um knackige Staatshilfen betteln wird und schlussendlich doch die Bücher auf den Tisch legen muss. Frankreich hat 11 Prozent Arbeitslosigkeit, davon 26,5 Prozent Jugendarbeitslosigkeit – Tendenz steigend.

In den Niederlanden platzt derweil die Immobilienblase und die Wirtschaft steht vor ernsthaften Problemen. Im Mai gingen so viele Unternehmen Pleite wie noch nie seit Aufzeichnung der Daten. Das neue Königspaar übernimmt eine desolate Wirtschaftsnation.

"Made in England" existiert nicht mehr

England ist ein schönes Beispiel, was passiert, wenn ein Land seine Werkbank ins Ausland verlagert und sich ganz auf den (Finanz-)Dienstleistungssektor fokussiert. Wann hatten Sie zuletzt ein Produkt in der Hand mit der Kennzeichnung „Made in England“? Die Jugendarbeitslosigkeit beträgt aktuell 21,2 Prozent bei einer Gesamtarbeitslosenquote von über 8 Prozent – Tendenz ebenfalls steigend.

Wir sollten uns folgende Fragen stellen:
– Was ist aus der groß angekündigten Finanztransaktionssteuer geworden?
– Wie weit ist die Regulierung der Banken fortgeschritten?
– Wer spricht noch von Basel 3?
– Wurde eine Börsensteuer eigentlich umgesetzt?
– Warum müssen die Verursacher der Krise nicht mit Haus und Hof haften?
– Warum wurden die Banken, die in den perversen Libor-Zinsskandal verwickelt waren, nicht bestraft – abgesehen von den 2-3 lächerlichen Geldstrafen?
– Warum hat man in einer Nacht- und Nebelaktion die Bilanzierungsregeln für die Finanzbranche dermaßen aufgeweicht, dass selbst Experten von einem unglaublichen Skandal und staatlich legitimiertem Steuerbetrug sprechen?
– Warum hat man es den „Big Banks“ ermöglicht, sich seit 2009 noch mehr mit billigem Geld vollzusaugen, um noch „systemrelevanter" zu werden?

Fragen über Fragen und keiner kann uns Antworten geben. Es scheint so, dass bizarrerweise die Krisenverursacher die Krisengewinner sind – verkehrte Welt würden wir sagen.

Zuerst der deflationäre Schock, dann die große Inflation

Summa summarum sieht die wirtschaftliche Lage „super“ aus – von Krise keine Spur. Herr Barosso und Herr Schäuble hatten also recht, als sie Anfang dieses Jahres verkündeten: „Die Krise ist vorbei!“.

Lasst uns weiter fleißig Geld drucken und die Aktienmärkte weiter nach oben prügeln. Wen interessieren denn schon volkswirtschaftliche Fakten und Zahlen? Solange wir unbegrenzt Geld aus dem Nichts schöpfen können, ist alles gut und wir werden alle immer reicher. Wie gesagt, der DAX kann auch noch auf 15.000 oder 50.000 Punkte gehievt werden, nur wird dies dem Großteil der Bevölkerung wenig nützen - es wird nur Inflation bringen. Der kleine Nebeneffekt der Notenbankparty ist, dass der kleine Sparer
durch die weltweite Niedrigzinsphase schleichend enteignet wird. Wen interessiert das schon?

Klar ist: Der Kater wird kommen, wie nach jeder hemmungslosen Party. Wir sehen jetzt schon die ersten Vorboten. Kaum erwähnen die Notenbanken im Subtext, die Zinsen anzuheben oder die Notenpressen zu stoppen, reagieren die Börsen hypernervös und sehr empfindlich. Ein ganz klares Zeichen dafür, dass die Börsen zum Großteil durch das billige Geld nach oben getrieben worden sind. Wir erwarten vor der großen Inflation einen deflationären Schock, bei dem alle Anlagewerte liquidiert werden. Die Aktienmärkte werden massiv nach unten korrigieren - es wird heftig werden. Anschnallen – und raus aus Papierwerten, rein in Sachwerte!

– – – –
Zu den Autoren: Matthias Weik und Marc Friedrich sind Ökonomen, Querdenker, Finanzexperten und Bestsellerautoren. Die beiden haben zusammen das Buch „Der größte Raubzug der Geschichte: Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“ geschrieben, das im Mai 2012 im kleinen Wissenschaftsverlag Tectum erschienen ist.
– – – –

Kommentar

Standpunkte

Arne Johannsen: Erst die Pleite, dann das Dilemma

Kommentar

Standpunkte

Miriam Koch: Arbeitsmarkt, Ziegen, Roboter und wir

Standpunkte

Robert Hartlauer: Wie die Kleinen Händler den Großen Paroli bieten