Lufthansa legte mit Eurowings Fehlstart hin

Lufthansa legte mit Eurowings Fehlstart hin

Viele Verspätungen auf der Langstrecke und allzu ehrgeizige Ziele haben beim neuen Lufthansa-Billigflug-Ableger Eurowings zu einem Marktstart mit etlichen Pannen geführt. Zudem musste die Konzernmutter aushelfen. Die Aktie der Lufthansa und AUA-Mutter gerät unter Druck.

Frankfurt/Wien/Düsseldorf. Von einem "Fehlstart" des Lufthansa-Ablegers Eurowings ist nun in deutschen Zeitungen die Rede: zu wenig Piloten, zu viele Verspätungen, zu ehrgeizige Ziele. Vorstandschef Carsten Spohr bemüht sich um Schadensbegrenzung, schreibt das "Handelsblatt" (Donnerstag).

Börsianer sehen in den Medienberichten zum pannenreichen Start der Billigflugtochter Eurowings den Grund dafür, dass die Aktie der AUA-Mutter Lufthansa heute stark unter Druck kam. Mit minus 3 Prozent lagen die Lufthansa-Papiere am Dax-Ende. "Der Tenor ist schon sehr negativ", sagte ein Händler laut dpa-AFX. Zum anderen kam es in der gesamten Tourismus- und Luftfahrtbranche nach den jüngsten Anschlägen zu massiven Verkäufen.

Nach Berechnungen von Fairplane, einem Spezialisten für Fluggastrechte, hatten seit Weihnachten rund 30 Prozent der Langstreckenflüge von Eurowings Verspätung, heißt es im "Handelsblatt".


Billig ist nicht einfach

Für Lufthansa-Chef Spohr seien die Pannen ärgerlich. Gegen interne Widerstände vor allem beim fliegenden Personal hatte er den Billig-Ableger durchsetzen müssen. Zahlreiche Streiks im vergangenen Jahr richteten sich indirekt gegen Eurowings. Interne Eurowings-Kritiker sehen sich indes bestätigt: "Wir haben gleich gesagt, dass billig nicht einfach ist, erst recht nicht, wenn man den Plan gegen die eigene Belegschaft umsetzt", wird ein Pilot zitiert.

Große Ambitionen

Nach Ansicht von Gerald Wissel vom Beratungsunternehmen Airborne Consulting war der Start von Eurowings überhastet, "man wollte zu viel auf einmal auf der Langstrecke. Das rächt sich nun."

Bei Lufthansa und Eurowings werde eingeräumt, dass der Europaverkehr, das Hauptgeschäft der Billigairline, reibungslos laufe - doch derzeit schaue jeder auf die neuen Langstreckenverbindungen, wo man zu wenig Flieger eingeplant habe, schreibt das Blatt. "Natürlich verursachen die Verspätungen einen Imageschaden", gesteht ein Lufthansa-Sprecher ein: "Aber wir tun alles, um diesen Schaden zu minimieren." Die Probleme wurden zur Chefsache erklärt: Vorstand Karl Ulrich Garnadt kümmere sich neuerdings persönlich um die Stabilisierung des Flugbetriebs.

Eine der ersten Schritte: Die Flüge von Köln-Bonn nach Dubai, eines von acht Langstreckenzielen, hat die Lufthansa-Mutter übernommen. Das sorge für Entlastung, denn derzeit bedient der Billiganbieter seine acht Fernziele mit nur zwei Airbussen 330. Zudem fehle es an Piloten, weil sich die Ausbildung verzögere.

Die Checker

In der "Südwestpresse" heißt es, dass gerade erfahrene Kapitäne und Ausbilder nicht zur Billig-Tochter wechseln wollten. Deshalb musste sich Lufthansa schon vor dem Start von Eurowings sogenannte "Checker" von Air Berlin für die Schulung von Piloten leihen. Um den Engpass zu beheben, frage Eurowings immer wieder bei Lufthansa nach Unterstützung. Bei der Vereinigung Cockpit, der Gewerkschaft der Flugzeugführer, sei man über die Pannenserie von Eurowings nicht überrascht. "Wenn man beim Aufbau einer Fluggesellschaft die Flugzeuge zu hundert Prozent verplant und keine Reserve hat, wundert es nicht, dass es Probleme gibt", sagt VC-Sprecher Markus Wahl.

Zudem, so die Zeitung, fehle es SunExpress, dem Joint Venture von Lufthansa und Turkish Airlines, schlicht an Erfahrung, wenn es um die Planung für Crew und Gerät auf der Langstrecke gehe. Das Unternehmen ist auf Mittelstrecken zu touristischen Zielen konzentriert, stellt aber seit vergangenen Herbst die Mannschaft für die Langstrecken von Eurowings. SunExpress wird seit Juni 2015 vom früheren AUA-Chef Jaan Albrecht geleitet.

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