ICIJ zeigt auf Steueroase Bahamas - Ex-EU-Kommissarin angeprangert

ICIJ zeigt auf Steueroase Bahamas - Ex-EU-Kommissarin angeprangert

Nach Panama gerät nun auch der Karibikstaat Bahamas in den Fokus als notorische Steueroase, wo Reiche unter anderem auch geschützt von Politikern und Wirtschaftskanzleien ihr Geld bunkern, um es an den Steuerbehörden vorbeizuschwindeln. Die ehemalige EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes zählt zu den international prominentesten Personen, die in den Bahama-Leaks auftauchen. Der ehemalige Magic-Life-Chef Cem Kinay hat ebenso in die Karibik seine Gelder transferiert.

Nassau. Nun geraten die Bahamas als Steueroase in den Fokus der Aufmerksamkeit. ICIJ, das Konsortium investigativer Journalisten, das im Frühjahr auf Briefkastenfirmen in Panama aufmerksam gemacht hatte, hat heute Mittwoch Informationen über finanzielle Aktivitäten Prominenter auf den Bahamas veröffentlicht. Die Dokumente geben laut "Süddeutsche Zeitung" Aufschluss darüber, wer Direktor, Präsident oder Sekretär einer Bahamas-Firma ist oder war. Die SZ hat wie bei den Panama Papers die Daten mit dem International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) geteilt. Der ICIJ gehören weltweit etwa 200 Journalisten an.

Insbesondere wird dabei die frühere EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes angeprangert. Aber auch mehrere aktive Politiker und Manager sind dort aufgelistet, die zum Teil nach den Panama Papers der systematischen Steuerhinterziehung den Kampf angesagt haben, finden sich in der Liste. Und sie hüllen sich noch in Schweigen.

Auch ein in Österreich prominenter Ex-Unternehmer, gegen den die Interpol fahndet findet sich in den Bahama Leaks. Laut ORF hat auch der Gründer der All-inclusive-Tourismusclubs Magic Life, der Österreicher Cem Kinay, über Briefkastenfirmen Gelder in der Karibik gebunkert. Er scheint sowohl in den Bahamas-Leaks als auch in den Panama-Papers auf. Im Jahr 2009, bevor Interpol wegen Bestechung gegen Kinay seine Ermittlungen gestartet hat, versuchte er mit Hilfe der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonsecca, sein Vermögen in Sicherheit zu bringen.

Die jüngsten Daten der internationalen Journalistenplatform ICIJ umfassen 38 Gigabyte Daten aus dem staatlichen Unternehmensregister der Bahamas, die der "Süddeutschen Zeitung" zugespielt wurden. Die Daten betreffen 175 888 Briefkastenfirmen, Trusts und Stiftungen, die im Zeitraum von 1990 bis 2016 auf den Bahamas gegründet wurden.

Die Bestätigung

Die Niederländerin, die 2004 bis 2010 EU-Kommissarin war, sei von 2000 bis 2009 Direktorin der Firma Mint Holdings (Mint Limited) auf den Bahamas gewesen und habe dies weder der Öffentlichkeit noch der EU-Kommission mitgeteilt, heißt es auf der Homepage des ICIJ.

Kroes bestätigte, ihre Verbindung zu dieser Firma nie veröffentlicht zu haben. Sie ließ aber das ICIJ über einen Anwalt wissen, die Firma sei nie operativ gewesen, es sei ein Verwaltungsfehler gewesen, sie nicht aus dem Register zu streichen. Das Unternehmen sei von einem mit Kroes befreundeten jordanischen Geschäftsmann gegründet worden, um zu prüfen, ob man Anteile des US-Energieriesen Enron, der später pleiteging, übernehmen könne. Da der Deal nicht zustande kam, sei sie davon ausgegangen, dass ihre Beteiligung hinfällig gewesen sei. Als sie 2009 draufgekommen sei, dass ihr Namen noch in den Registern steht, habe sie diesen "Fehler korrigiert".

Das ICIJ veröffentlicht rund 1,3 Mio. Dokumente aus dem Firmenregister der Bahamas mit den Namen von Direktoren und manchen Eigentümern von mehr als 175.000 Firmen, Fonds und Stiftungen auf den Bahamas, die zwischen 1990 und 2016 registriert wurden. Jeder könne die Informationen einsehen unter: https://offshoreleaks.icij.org/

Laut ICIJ werden damit Verflechtungen mit Firmen offengelegt, die von früheren oder aktuellen Politikern aus Amerika, Afrika, Europa, Asien oder dem Nahen Osten besessen oder geführt werden.

=> Hier geht es zum Link zu den Offshore-Leaks vom ICIJ, einem internationalen Verein für investigative Journalisten.

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