Fed bewegt sich vorerst nicht - doch die Zinserhöhung rückt näher

Fed bewegt sich vorerst nicht - doch die Zinserhöhung rückt näher

Mittlerweile ist es die sechste Zinsentscheidung in Folge, bei der die Fed den Leitzins unberührt ließ. Doch die Entscheidung fiel nicht einstimmig, und eine mögliche Zinserhöhung rückt immer näher. Am anderen Ende der Welt, in Japan, beschreitet man indes neue Wege.

Die US-Notenbank Federal Reserve lässt bei ihrer Geldpolitik weiter größte Vorsicht walten. Der Leitzins für die größte Volkswirtschaft der Welt bleibt unverändert in einem Zielkorridor von 0,25 bis 0,5 Prozent, wie der Offenmarkt-Ausschuss der Fed am Mittwoch bei seiner September-Sitzung beschloss. Der Ausschuss sendete jedoch deutlich Signale für eine Zinserhöhung im Dezember.

Die Fed hatte den Zins zuletzt im Dezember 2015 leicht erhöht. Vorausgegangen waren fast sieben Jahre eines Zinses nahe der Nulllinie.

Es ist die sechste Zinsentscheidung in Folge, in der die US-Notenbank ihren Zinssatz unberührt lässt. Die zehn Mitglieder des Offenmarkt-Ausschusses waren sich nicht einig. Fünf Teilnehmer stimmten mit Fed-Chefin Janet Yellen und ihrem Stellvertreter William Dudley gegen eine sofortige Zinserhöhung und drei dafür. Die Fed hatte Ende 2015 signalisiert, sie könnte 2016 bis zu vier Mal an der Zinsschraube drehen. Stattdessen wird es höchstens einen Zinsschritt in diesem Jahr geben.

Zeichen stehen auf Zinserhöhung

"Die Investitionen in die Wirtschaft bleiben weich, sowohl im Energiesektor als auch darüber hinaus", sagte Yellen. In der Energiebranche gebe es jedoch Anzeichen, dass die Bohraktivitäten langsam wieder anzögen. Die Inflation sei in den vergangenen zwölf Monaten mit weniger als 1 Prozent deutlich unter der Zielmarke von zwei Prozent geblieben. "Aber wir erwarten, dass die Zielvorgabe in den nächsten zwei bis drei Jahren erreicht wird", sagte Yellen.

"Wir sind weniger als sieben Wochen von der Wahl entfernt. Bei den gemischten Signalen von den Märkten ist die Fed ganz klar auf Nummer sicher gegangen", sagte Dennis de Jong vom Online-Broker UFX.com. Mit einer moderaten Anhebung wird nach der US-Präsidentschaftswahl gerechnet. Erste Gelegenheit wäre im Dezember.

"Die Argumente für eine Zinerhöhung sind stärker geworden", hieß es in einer Mitteilung der Fed. Allerdings wolle der Ausschuss noch warten, bis sich die Anzeichen, dass sich die Wirtschaft in Richtung ihrer Zielvorgabe entwickelt, verfestigen.

Dow Jones kurzfristig beflügelt

Anleger reagierten wenig überrascht. "Die Märkte haben bereits weitgehend einen Zinsanstieg im Dezember eingepreist", sagte Mike Read vom Händler-Netzwerk Pelican in London. Er befürchtet jedoch, dass das "Klima der Unsicherheit" in den kommenden Monaten noch intensiver werden wird, auch wegen der Brexit-Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU. Der Kurs des Euro legte nur zeitweise etwas zu und erreichte ein Tageshoch bei 1,1197 US-Dollar. Zuletzt stand die Gemeinschaftswährung aber wieder kaum verändert.

Die Wall Street reagierte erleichtert auf die Aussicht, dass die Zeit des billigen Geldes weiter andauert: Der Leitindex Dow Jones legte knapp ein Prozent zu. Wir sehen uns in unserer Ansicht bestärkt, dass es noch 2016 eine Zinserhöhung geben wird", sagt Stefan Kreuzkamp, der oberste Anlagechef der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank. Nächstes Jahr könnten noch ein bis zwei weitere Schritte folgen. Eine Serie schwächerer Konjunkturdaten, die maue Weltwirtschaft und die lange Zeit hartnäckig niedrige Inflation hielt die Fed dieses Jahr jedoch bisher von einer geldpolitischen Straffung ab. Die Währungshüter blicken vor allem auf Preisveränderungen bei den persönlichen Verbraucherausgaben (PCE).

Japan geht neue Wege - folgt die EZB?

Die Bank of Japan (BoJ) hatte zuvor die Börsen mit einem neuen Rahmenwerk überrascht: Statt ihre massiven Staatsanleihekäufe auszuweiten, setzte sich die Notenbank ein neues langfristiges Zinsziel. So soll der Zins zehnjähriger japanischer Staatsanleihen bei etwa null Prozent gehalten werden - die Politik des billigen Geldes hält in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt also noch lange an. Ihren Strafzins von minus 0,1 Prozent verschärfte sie aber nicht.

Nun werden erste Rufe laut, dass dieser Schritt auch als Vorbild für die Europäische Zentralbank (EZB) dienen könnte.

Yellen wehrt sich gegen Trump-Kritik

Fed-Chefin Yellen hat zudem nach der Kritik des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump die politische Unabhängigkeit der Federal Reserve betont. Die Entscheidungen der Zentralbank würden nicht von politischen Überlegungen beeinflusst, sagte Yellen am Mittwoch auf der Pressekonferenz nach dem Beschluss, den Leitzins unverändert zu lassen.

Bei den Treffen der Fed werde nicht über politische Fragen gesprochen. Zum US-Wahlkampf wollte sich Yellen nicht äußern.

Trump hatte ihr vorgeworfen, den Leitzins auf Anweisung des demokratischen Präsidenten Barack Obama künstlich niedrig zu halten. Yellens Politik sei darauf angelegt, dass zur Amtszeit des scheidenden Präsidenten keine oder nur eine sehr geringe Erhöhung komme. In jedem Fall solle damit ein Einbruch des Aktienmarkts verhindert werden. Die US-Notenbank hat die Aufgabe, Vollbeschäftigung zu fördern und stabile Preise zu sichern. Sie trifft ihre geldpolitischen Entscheidungen autonom, muss dem Kongress jedoch regelmäßig Rechenschaft ablegen.

Der US-Wahlkampf befindet sich vor dem am 8. November stattfindenden Votum in der heißen Phase. Experten erwarten, dass die Zentralbank erst im Dezember den Zinssatz anheben wird - wenn das Rennen um das Weiße Haus gelaufen ist. Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld liegt seit Dezember 2015 in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent.

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