Elbphilharmonie: Eröffnung eines Monuments

Hamburger Elbphilharmonie: Das Konzerthaus am Hafen wird nach fast zehnjähriger Bauzeit eröffnet.

Hamburger Elbphilharmonie: Das Konzerthaus am Hafen wird nach fast zehnjähriger Bauzeit eröffnet.

In Hamburg wird am Abend des 11. Jänner die Eröffnung der Elbphilharmonie gefeiert. Nach zehn Jahren Bauzeit und elfmal so hohen Baukosten als ursprünglich geplant. Das neue Wahrzeichen der Hansestadt gilt damit als eines der teuersten Gebäude der Welt.

Wie teuer der Bau der Hamburger Elbphilharmonie, die am Abend des 11. Jänner 2017 mit einem Festakt und einem Konzert eröffnet wird, tatsächlich war, darüber scheiden sich die Geister. Manche nennen die Summe von 789 Millionen Euro, die aus Steuergeldern für das Bauwerk berappt werden müssen. Zur ersten öffentlichen Präsentation des Hauses am 4. November 2016 war von 866 Millionen Euro die Rede. In dieser Zahl sind die für den Bau gesammelten Spenden enthalten. Einem Bericht des deutschen Handelsblatts zufolge soll die Errichtung der "Elphi", wie das Haus genannt wird, jedoch noch deutlich mehr, jedenfalls über 900 Millionen Euro verschlungen haben.

Die Elbphilharmonie gehört damit zu den teuersten Gebäude der Welt. In manchen Zählungen wird sie in diesem Ranking sogar an Platz zwölf gereiht. Welchen Platz sie darin einnimmt ist jedoch eher belanglos. Kritischer ist jedoch dass das Bauwerk den Steuerzahlern ursprünglich nur 77 Millionen Euro kosten hätte sollen und dass die Fertigstellung außerdem schon für das Jahr 2010 geplant war. Statt nur vier Jahre dauerte es fast zehn Jahre, bis die Elphi erstmals für Besucher geöffnet wird und die tatsächlichen Kosten sind gegenüber ursprünglichen Plan auf das Elffache gestiegen.

Dem Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz ist jedenfalls ganz offensichtlich ein gewaltiger Stein vom Herzen gefallen, als der Bau endlich abgeschlossen war. "Fertig" stand in einer riesigen Lichtinszenierung auf dem Haus und dem letzten, symbolischen Ziegel, den der Bürgermeister selbst setzte, zu lesen. Drei Jahre zuvor musste er noch ein Rettungspaket mit den Architekten Herzog & de Meuron und der ausführenden Baufirma (Hochtief) aushandeln, um den Bau des Konzerthauses am Hafen überhaupt noch abschließen zu können.

Kostenexplosion

Wie und warum die Kostenexplosion überhaupt zustande gekommen ist, darüber gehen die Meinungen etwas auseinander. Der Hauptfehler war dem früheren Bürgermeister Ole von Beust zufolge, dass die Planungen zum Baubeginn noch gar nicht abgeschlossen waren. Was bei Großprojekten, deren Fertigstellung sich über Jahre hinzieht allerdings auch oft der Fall ist und bei einer kontrollierten Abwicklung auch nicht per se impliziert, dass sich deswegen die Fertigstellung verzögern oder erhebliche Mehrkosten verursacht würden.

Gigantomanie ist bei der Elbphilharmonie wie bei zahlreichen weiteren Großprojekten, die irgendwann völlig aus dem Ruder laufen, wohl einer der Kardinalfehler. Im Falle des Hamburger Hauses beliefen sich alleine die kolportierten Kosten für jedes der 2200 Elemente der Glasfassade etwa 72.000 Euro. Das auf einen alten Kaispeicher aufgesetzte Gebäude hat 26 Stockwerke, ist an der höchsten Spitze 110 Meter hoch und bietet eine Brutto-Grundfläche von 120.000 Quadratmetern. Der Bau wurde außerdem begleitet von permanenten Differenzen zwischen den Bauherren und dem ausführenden Bauunternehmen.

Kostspielige Projekte

Lange Verzögerungen und überbordende Kosten gibt es jedoch nicht nur an der Elbe. Auch in Österreich haben Skandale rund um Großbaustellen eine lange Tradition. Das AKH Wien wird auf ewig ein Mahnmal dafür bleiben. Der Bau des Krankenhauses entwickelte sich zum größten Bauskandal in der österreichischen Geschichte. Der Bau wurde 1955 beschlossen, auf zehn Jahre projektiert und sollte rund eine Milliarde Schilling kosten. Tatsächlich wurde der Bau aber erst im Jahr 1970 in Angriff genommen, zog sich bis zum Jahr 1994 dahin und verschlang nicht weniger als 45 Milliarden Schilling.

In schlechter Erinnerung ist auch noch der Bau des Terminal 3 am Flughafen Wien, der ursprünglich unter dem Namen "Skylink" errichtet wurde. Die Baukosten hatten sich während der sechsjährigen Bauzeit auf 830 Millionen Euro verdoppelt. Jahrelang ermittelten Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei.

Am Stadtrand Wiens ist derzeit das nächste von einer Kostenexplosion begleitete Bauprojekt im Entstehen: Das Krankenhaus Nord in Floridsdorf. 2010 wurden die Kisten noch mit 825 Millionen Euro beziffert, aktuell hält man bei etwa 1,1 Milliarden Euro, die Fertigstellung verzögert sich ebenfalls. Das Krankenhaus kann wohl erst 2019 in Vollbetrieb gehen.

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